Predigten von Pater Ezekiel Oko


Evangelium vom Hochfest der Geburt des Herrn - Weihnachten

Das Wort Gottes

Johannes 1,1-18

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Drei Kreuze mit Gekreuzigten.
Gott wurde fĂĽr uns Mesch
Gerrit van Honthorst
Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.




Predigt von Pater Ezekiel:

Das Wunder der Menschwerdung Gottes

Dass Gott Mensch wird, dass Er, der der Ursprung des menschlichen Daseins ist, an der menschlichen Gestalt teilhaben will, dass Er die menschliche Welt erleben will, liebe Brüder und Schwestern, ist ein Wunder, das die menschliche Vernunft gar nicht erfassen kann. Es ist aber das Wunder der Liebe. Wir wissen von unseren eigenen Lebenserfahrungen, dass die Liebe immer Wunder wirkt, wo sie wirklich besteht. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes ist das größte Zeichen der Liebe Gottes für uns Menschen. Er unterwirft sich der Lebensform seines Geschöpfes und nimmt die Menschennatur an, damit es uns ermöglicht wird, seine Nähe besser zu erfahren und dadurch an seiner Gottheit teilzuhaben. Die Nähe Gottes hat der Mensch wegen der Sünde verloren. Aber durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes hat er die Möglichkeit bekommen, sie wiederzugewinnen. Sind wir nicht erstaunt, dass Gott unsere Menschennatur angenommen hat, um uns seine Liebe zu zeigen? Sind wir nicht erstaunt, dass Er, der der Ursprung allen Lebens ist, neun Monate im Schoß eines Geschöpfes verbracht hat, dass Er sich herablässt, als ein kleines Kind in der Krippe zu liegen? Es ist wirklich ein Wunder, das zum Staunen ist.

Das Fest, das wir heute feiern dürfen, liebe Brüder und Schwestern, ist deswegen nicht einfach ein Fest, das wir feiern sollen, nur weil es wieder der 25. Dezember ist. Es ist vielmehr ein Fest, das unser ganzes Leben prägen soll. Immer wenn wir das Fest von Herzen feiern, und Ihm, der zu uns gekommen ist, unser Herz öffnen, erleben wir neu die Nähe Gottes, erfahren wir tiefer seine Liebe. Und wer die Nähe Gottes in seinem Leben erlebt, wer seine Liebe erfährt und von dieser Liebe ergriffen ist, der bleibt nicht unverändert. Schauen Sie, als Maria ihr Ja-Wort Gott gegeben und die Menschwerdung Gottes erlebt hat, konnte sie dieses große Geschehen nicht für sich allein behalten. Sie musste zu Elisabet eilen, um mit ihr ihre Freude zu teilen. Wenn man die Nähe Gottes erlebt, kann man die daraus stammende Freude nicht für sich behalten. Denn diese Freude tut das Herz des Menschen auf und ermöglicht Begegnungen, in denen sie weitergegeben wird. Weil der empfangene Sohn Gottes das Herz Marias aufgetan hat, konnte Marias Begegnung Freude in den anderen erwecken: „Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. … Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib“, so heißt es in Lk 1,40-44.

Liebe Brüder und Schwestern, für viele Tage haben wir uns auf Weihnachten vorbereitet. Wir haben viele Geschenke gemacht, um den anderen unsere liebevollen Wünsche zu Weihnachten mitzugeben und ihnen dadurch unsere Liebe zu zeigen. Wir haben auch von den anderen viele Geschenke bekommen. Aber heute bekommen wir das größte Geschenk, das wir empfangen müssen, bevor wir wirklich die Freude dieses Festes erleben können: Der Immanuel – der Gott mit uns – der für uns geboren ist – ist das größte Geschenk. Er ist das beste Weihnachtsgeschenk und wird für immer bei uns bleiben, wenn wir ihn denn behalten wollen. Er will unserem Leben eine neue Form geben und uns in allen Situationen des Lebens begleiten. Er will durch uns der Welt seine Liebe zeigen. Er will in der Welt durch uns das Licht seiner Anwesenheit leuchten lassen, indem er durch uns Freude-erweckende Taten vollbringt – wie den Gruß Marias. Er will uns als einwilligende Herzen und Hände nutzen, um den Hoffnungslosen Hoffnung zu schenken, den Liebe-bedürftigen Liebe zu zeigen. Er will durch uns unserer Gesellschaft ein aus Gottes Liebe stammendes Gesicht geben. Mit ihm auf dem Weg des Lebens beginnt eine neue Phase unserer Lebensgeschichte. All dies werden wir in Wirklichkeit erleben, aber nur unter der Bedingung: dass wir ihm unser Herz öffnen, dass wir ihm „Ja“ sagen – und dieses "Ja" jeden Tag erneuern –, dass wir ihm zuhören und unseren Kontakt mit ihm pflegen. Das können wir, liebe Brüder und Schwestern. Das sollen wir tun, damit die Freude, die wir heute erfahren, in uns dauerhaft bleibt.




Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlieĂź Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276