Predigten von Pater Ezekiel Oko


Evangelium vom Dreifaltigkeitssonntag im Lesejahr C

Die Dritte Abschiedsrede. Das Kommen des Geistes und neue Begegnung mit Jesus

Johannes 16,12-15

Drei Personen sitzen um einen Tisch. Sie haben FlĂŒgel und einen Heiligenschein.
Dreifaltigkeit
Andrei Rublev, via Wikimedia Commons

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.

Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.

Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.








Predigt von Pater Ezekiel:

Gott ist eine liebende-einige Gemeinschaft dreier Personen

Liebe Brüder und Schwestern, wir feiern heute das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Dieses Fest deutet darauf hin, dass es in Gott drei Personen gibt. Dieses Geheimnis nennen wir auch Dreieinigkeit, also, ein Ausdruck, der uns sagt, dass Gott Gemeinschaft ist. Gott, der der Urgrund unseres christlichen Glaubens ist, er hat sich als eine liebende-einige Gemeinschaft dreier Personen offenbart. Er hat sich als Gemeinschaft offenbart. Diese Offenbarung zeigt sich uns zuerst an der Schöpfungsgeschichte. Der Schöpfer hat bei der Erschaffung des Menschen gesagt: „Lasset uns den Menschen machen nach unserem Bilde.“ Von Anfang an ist er ein „Wir“, und durch die Geschichte Gottes hindurch, die in der Bibel zu lesen ist, offenbart Gott sich als ein „Wir“, das in Einheit bleibt. Als Mose Gott nach seinem Namen fragt, antwortet er Mose: „Ich bin der Ich bin.“ (Ex 3,14) Gott ist gleichzeitig der „Wir“ und der „Ich“. Denn in Ihm gibt es keine Vielfältigkeit, aber in Bezug auf seine Offenbarung zu uns Menschen und zur Schöpfung erkennen wir Ihn in drei Personen – als den Schöpfer (den Vater), als den Erlöser (den Sohn) und als den Beistand (den Heiligen Geist).

Jesus Christus hat auch seine Einheit mit dem Vater deutlich gemacht und hat viel über seine Verbundenheit mit dem Heiligen Geist gesprochen. „Ich und der Vater sind eins“, sagt er (Joh 10,30). "Wer den Sohn kennt, kennt auch den Vater", so Jesus. Diese Einheit schließt den Heiligen Geist ein. Denn Jesus sagt: „Wenn jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Er wird nicht aus sich selbst reden, … denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden, was kommen wird. Alles was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.“ (Joh 16,13-15) Man identifiziert den Heiligen Geist als die Liebe, die den Sohn mit dem Vater verbindet. Die Kraft dieser Liebe verbindet auch uns – die Schöpfung – mit Gott.

Diese Hinweise deuten die Dreieinigkeit Gottes an. Sie sagen uns, dass Gott Gemeinschaft der Liebe ist. Aber man darf nicht denken, dass man durch den menschlichen Verstand die Bedeutung dieser Gemeinschaft der Liebe völlig begreifen könnte. Denn sie bleibt immer noch ein Geheimnis. Ich erinnere mich an das, was die Legende über Augustinus berichtet: dass er am Strand entlang gegangen sei und über das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit nachgedachte habe, das er mit seinem Verstand erfassen wollte. Am Meer habe ein Kind gesessen, das mit einer Muschel Wasser aus dem Meer in ein kleines Loch geschöpft habe. Auf die Frage von Augustinus, was es da mache, habe das Kind geantwortet: „Ich will das Meer in dieses Loch schöpfen.“ „Aber das ist unmöglich. Das Meer ist viel zu groß und zu tief“, sagte Augustinus zu dem Kind. Darauf antwortete das Kind: „So unmöglich ist es auch, dass du das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit mit deinem Verstand erfasst. Es ist viel zu groß und zu viel“. Also, wir können Gott, der Gemeinschaft und Liebe ist, nicht mit unserem Verstand begreifen, aber ihn mit unserem Herzen lieben. Diese Liebe zu Gott wird uns geschenkt durch den Heiligen Geist. Nur, wenn uns durch den Heiligen Geist diese Liebe geschenkt wird, können wir besser verstehen, was es bedeutet, dass Gott Gemeinschaft und Liebe ist.

Die Lehre der Dreieinigkeit Gottes ist uns wichtig, nicht nur, weil wir dadurch Gott besser kennenlernen können, sondern auch, weil wir nach dem Bild Gottes erschaffen sind. Das göttliche Personsein ist Urbild unseres Personseins. Das heißt, obwohl jeder von uns einzigartig, also eine unersetzbare Persönlichkeit ist, bildet die Menschheit eine Einheit, in der alle Menschen verbunden sind. Weil wir Ebenbild des lebendigen Gottes sind, bleibt der einzige Maßstab für wahrhaftes Menschsein der dreifaltige Gott, dessen Gemeinschaft und Liebe wir nachahmen sollen. Nur in göttlicher Gemeinschaft und Liebe können wir unser Menschsein verwirklichen. Es ist eine Gemeinschaft, in der die Eigenheit und Würde der einzelnen Person nicht geringgeachtet wird, aber auch eine Gemeinschaft, in der diese Eigenheit und Würde zum Dienst der anderen eingesetzt wird. In diesem Sinn gibt es keinen Unterschied zwischen Gemeinschaft und Liebe. Denn bei Beiden werden die Eigenheit und die Würde jeder Person geschätzt, und damit ermöglicht man eine höhere Ebene des Miteinanders. Das heutige Fest erinnert uns deswegen an das Ziel unseres Menschseins. Je mehr wir uns mit der Gemeinschaft Gottes vertraut machen, desto mehr können wir diese Gemeinschaft ersehnen. Bitten wir darum, dass diese Sehnsucht in uns verwirklicht wird, durch die Hilfe und den Beistand des Heiligen Geistes, der uns dazu geschenkt ist. Amen.




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Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Jeder, der an ihn glaubt... hat in ihm das ewige Leben, Hl. Athanasius (295-373)
Der Geist der Wahrheit wird euch in die ganze Wahrheit fĂŒhren (vgl. Joh 16,13), Katechismus der Katholischen Kirche
Ein einziger Gott, [...] ein einziger Herr, in der Dreifaltigkeit der Personen und der Einheit ihrer Natur“ (Vorwort), Katechismus der Katholischen Kirche
Alles, was der Vater hat, ist mein. Der Geist wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkĂŒnden, Schott - Messbuch