Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 24. Sonntag im Jahreskreis

Wer ist Jesus? Wer bin ich? (Jes. 50,5-9a; Mk. 8,27-35)

Eine Woche nachdem Jesus uns den Effata-Moment geschenkt hat, stellt er uns zwei wichtigen Fragen: „Für wen halten mich die Menschen?“ und „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Es ist einfach, die erste Frage zu beantworten. Denn wir haben sehr viel über Jesus gehört und gelesen. Selbst wenn man nicht ein Christ ist, kann man die Frage beantworten. Denn jeder kann etwas über Jesus sagen. Dafür braucht man keine tiefere Beziehung mit Jesus zu haben. Aber von welchem Nutzen ist es, wenn ich viel über Jesus sagen kann und ihn gar nicht erkenne? Deswegen ist die zweite Frage wichtiger als die erste: „Für wen halte ich Jesus?“

Diese zweite Frage ist eine Frage des Glaubens. Denn sie bedarf eine persönliche Überzeugung. Meine Antwort darauf hängt darauf an von meiner persönlichen Erkenntnis und Überzeugung über Jesus. Man kann leider über keine richtige Überzeugung über Jesus verfügen, wenn man keine persönliche Erfahrung von ihm hat, oder wenn ihm die Offenbarung Gottes verborgen bleibt. Wir können keine Beziehung mit Jesus haben, ohne dass er uns den Effata-Effekt schenkt. Effata-Effekt ist die Eröffnung unserer inneren Ohren und die Befreiung unseres Mundes. Wenn unsere inneren Ohren Gott offen sind und unseren Mund befreit ist, erkennen wir wer Jesus ist. Auch in der ersten Lesung ist zu lesen, „Gott der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.“ (vergl. Jes. 50,5). Genau das kann Petrus sagen. Denn wenn Gott sein Ohr nicht geöffnet hat, konnte er Jesus nicht als der Messias erkennen. Wichtig ist nicht was die Menschen über Jesus sagen, sondern was Gott uns über Jesus offenbart.

Auch in unserem Leben ist es wichtig zu unterscheiden, zwischen was die Menschen über uns denken oder sagen und was Gott über uns sagt. Wenn wir uns fragen, „für wen halten uns die Menschen?“ bekommen wir viel zu viel Antworten. Denn die Menschen sagen viel über uns. Sie sagen heute so und morgen so, aber was sie sagen stimmt nicht ganz. Was zählt ist nicht das, was die Leute über uns sagen, sondern was Gott über uns sagt. Denn die Einschätzung Gottes stellt dar, genau wer wir sind. Nur er weiß genau wen ich bin. Nur das, was er über mich sagt ist mir wichtig.

Die wichtige Frage ist deswegen, „unter wessen Blick stellen wir uns?“ Stellen wir uns unter den Blick der Menschen, dann werden wir hin und her geworfen und erkennen wir nicht was richtig ist. Stellen wir uns aber unter den Blick des barmherzigen Gottes, der uns unsere Würde gibt, dann erkennen wir, dass wir eben geliebte Kinder von ihm sind. Auch in dieser heiligen Messe offenbart uns Gott seine Liebe, indem er uns sagt, „ich habe eure Schwäche und Sünde weggenommen; ihr seid meine geliebten Kinder.“ Liebe Brüder und Schwestern, wir sind zur Seligkeit geschaffen. Aber nur durch Gottes Offenbarung kann uns diese Wahrheit bekannt werden. Betrifft uns der Misserfolg beim Umgang mit unserer Schwachheit, sagt uns Gott „meine Gnade ist euch genug.“ Er sieht uns nicht teilweise an, sondern ganz und gar. Nichts über uns ist ihm verborgen. Auch unsere Zukunft ist ihm bekannt, selbst wenn wir sie gar nicht kennen. Die großartige Zukunft, die er gemäß seiner Vorsehung für uns bereitet hat, will er uns offenbaren. Er sieht uns an mit bedingungsloser Liebe, und möchte, dass wir erkennen, wer wir sind. Ihm sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.



Evangelium vom 24. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlieĂź Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

Ăśbersicht