Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 16. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: A

Lasst beides wachsen bis zur Ernte

Hast Du schon einmal gewünscht, dass alles Böse in unserer Welt entfernt würde? Hast Du Dich schon einmal gefragt: Warum trennt Gott die Bösen nicht von den Guten, damit die Welt besser werden kann? Warum vernichtet er das Böse nicht? Vielleicht hast Du auch schon einmal gedacht, unsere Welt wäre gut, wenn Gott alle bösen Menschen vernichten würde. Liebe Brüder und Schwestern, wir haben zu Recht solche Wünsche.

Das Problem ist nur, dass wir weder das Böse noch seinen Ursprung oft nicht genauer verstehen oder erklären können. Wir denken manchmal, ein Mensch sei böse, wegen seines Verhaltens. Manche von uns denken manchmal, die Welt sei böse, weil es in der Welt viel Böses gebe. Manche meinen sogar, eine ganze Rasse sei böse, nur weil sich manche ihrer Mitglieder schlecht verhalten. Ein Land oder ein Stamm oder sogar eine Familie wird manchmal als böse gekennzeichnet, nur wegen seiner oder ihrer Geschichte.

Solch eine Kennzeichnung entspricht aber nicht ganz der Wahrheit. Sie ist oft ein Vorurteil, das wir nicht vernünftig verteidigen können. Solch ein Vorurteil ist auch z.B. der Beweggrund des Rassismus oder Nazismus oder Antisemitismus: Vorurteile gegenüber jemandem, der gar nicht schuldig ist. Wenn ich beleidigt werde, nur weil ich eine schwarze Hautfarbe habe – wie es manchmal passiert –, wenn ich bei einer Reise eine zusätzliche Passkontrolle erlebe, nur weil ich aus Nigeria komme, mache ich die Erfahrung, wie peinlich solch ein Vorurteil ist. Diese Erfahrung ist nicht immer leicht für mich. Vielleicht hast Du schon einmal so etwas erlebt.

Kein Mensch ist von Grund auf böse. Kein Mensch ist wegen seines Stammes, seiner Hautfarbe, oder seiner Herkunft böse. Auch wenn ein Mensch sich schlecht verhält, ist er nicht deswegen böse. Der Mensch kann sicher böse Taten vollbringen, aber der Mensch wird nicht dadurch böse. Ebenso ist keine Rasse böse. Auch die Welt ist nicht böse. Diese Stellungnahme ist vielleicht schwer zu verstehen, aber genau das lehrt uns Jesus im heutigen Evangelium.

Durch drei Gleichnisse lehrt uns Jesus dem Guten (nicht dem Bösen) unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Damit der Weizen nicht mit dem Unkraut ausgerissen wird, muss der Gutsherr beides bis zur Ernte wachsen lassen. Wenn es nicht möglich ist, das Böse auszureißen, ohne dem Guten zu schaden, - meint Jesus - dass wir das Böse zu Gunsten des Guten lassen sollen. Dass bedeutet, wir müssen einen Menschen nicht ganz und gar als böse kennzeichnen und ihn verurteilen, wenn er noch die Möglichkeit zur Umkehr hat, wenn er in seinem Leben noch etwas Gutes bewirken kann. Deswegen haben wir in der ersten Lesung gehört: „Du hast deinen Söhnen und Töchtern die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst.“ Deswegen hat Jesus Petrus als den Vorstand der Apostel ernannt, auch wenn er wusste, dass Petrus Ihn verleugnen würde. Schlechte Taten, die der Mensch einst vollbracht hat, sind ein Teil der Vergangenheit, die man zwar nicht mehr ändern kann, aber der Mensch kann lernen, sich zu verändern.

Jesus hat uns durch seine Lehre und sein Leben die Lösung des Problems des Bösen gegeben, und zwar, unsere Aufmerksamkeit auf das Gute (statt auf das Böse) zu richten. Die Frage ist nicht: „Was hat er Böses getan?“, sondern: „Wer ist er und was kann er Gutes?“ Wichtig ist nicht, woher er stammt, sondern wer er ist und was er Gutes jetzt und in der Zukunft bewirken kann. Auf die Frage: „Wer ist der Mensch?“ bekommen wir von Gott die Antwort: „Er ist mein Ebenbild!“ Deswegen verzeiht Gott dem Menschen seine Fehler. Er schaut auf den Schatz, den jeder und jede von uns als Gottes Ebenbild in sich trägt. Er hat das Vertrauen, dass unsere Vergangenheit nicht unserer Zukunft gleicht. Denn mit Ihm können wir etwas Gutes bewirken.

Durch das zweite Gleichnis lehrt uns Jesus geduldig zu sein, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf das Gute richten. Denn – wie ein kleines Senfkorn, das das Kleinste von allen Samenkörnen ist, – ist es oft nicht einfach, das Wachstum des Guten im Menschen zu sehen. Es braucht viel Arbeit und Zeit, bevor es sichtbar wird. Aber wie der Sauerteig, der allmählich das ganze Mehl durchsäuert, wird das Gute, das im Menschen verborgen ist, das Leben des Menschen wunderbar machen. 

Liebe Brüder und Schwestern, wir brauchen es alle, einander mit Liebe und Vertrauen zu begegnen, ohne Vorurteile, ohne Hass, die oft unbegründet sind. Durch Vertrauen und Liebe richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das Gute in den anderen. Dadurch ermutigen wir sie, mehr Gutes zu bewirken. Fragt nicht, woher er kommt, bevor ihr dem anderen eine Chance gebt. Denn er ist ein Mensch, ein Ebenbild Gottes, egal, woher er kommt. Denkt nicht, dass er immer weiter Fehler machen wird, nur, weil er in der Vergangenheit einen Fehler gemacht hat. Denn seine Zukunft ist noch geheimnisvoll. Er trägt in sich eine Größe, die sich noch nicht völlig entwickelt hat. Verzeiht ihm seine vergangenen Fehler und schenkt ihm eine neue Chance.



Evangelium vom 16. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, vom Senfkorn und vom Sauerteig

Mt 13,24-43

In jener Zeit erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.

Weizen und UNkraut wachsen zusammen auf einem Feld.
Beides wächst bis zur Ernte! 

Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.
Als die Saat aufging und sich die √Ąhren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker ges√§t? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausrei√üen? Er entgegnete: Nein, sonst rei√üt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in B√ľndel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

Er erzählte ihnen ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.

Und er erz√§hlte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen gro√üen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchs√§uert war. Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge durch Gleichnisse; er redete nur in Gleichnissen zu ihnen. Damit sollte sich erf√ľllen, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich √∂ffne meinen Mund und rede in Gleichnissen, ich verk√ľnde, was seit der Sch√∂pfung verborgen war.

Dann verlie√ü er die Menge und ging nach Hause. Und seine J√ľnger kamen zu ihm und sagten: Erkl√§re uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.

Neben einem ertragreichen Weizenfeld bl√ľhen am Rand rote Kornblumen.
Am Schluss wird abgerechnet! 

Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen s√§t, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die S√∂hne des Reiches; das Unkraut sind die S√∂hne des B√∂sen; der Feind, der es ges√§t hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verf√ľhrt und Gottes Gesetz √ľbertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Z√§hnen knirschen. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der h√∂re!





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf√ľhrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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