Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 1. Adventssonntag

Wo ist Jesus in meinem Leben? Wie erlebe ich seine Gegenwart hier und jetzt?

Wir sind wieder angekommen! Wir sind wieder in der Adventszeit, einer Zeit, in der wir uns gespannt und mit viel Laune der Erwartung widmen, uns mit vielen Aktivitäten beschäftigen. Natürlich sind uns diese Aktivitäten schon bekannt. Das Wort "Advent" stammt vom lateinischen Begriff "adventus" ab. „adventus“ bedeutet „Ankunft". Die Adventszeit ist die Erwartung und das Ausschauhalten auf die Ankunft Jesu. In dieser Zeit machen wir uns bewusst, dass Gott zu uns kommt. Die Kirche lehrt uns, auf dreierlei Weise die Ankunft Jesu zu verstehen, wie es auch in der Bibel zu lesen ist: 1. Die Geburt Jesu. 2. Das Kommen des Menschensohnes mit Macht und Herrlichkeit. 3. Die Gegenwart Jesu, die wir jeden Tag in den großen und kleinen Erlebnissen unseres Alltags erfahren dürfen, wenn wir wollen.

Ich möchte diese drei Weisen der Ankunft Jesu im Vergleich mit der Zeit verdeutlichen, um damit anzudeuten, wo die Wichtigkeit der Adventszeit liegt. Wie wir wissen, ist die Zeit normalerweise in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eingeteilt. Die Vergangenheit enthält alles, was schon passiert ist, die wir uns zwar in Erinnerung rufen, aber nicht noch einmal erleben können. Wenn wir daran denken, dass die Geburt Jesu schon vor 2000 Jahren stattgefunden hat, dann verstehen wir, dass diese Geburt nur in Erinnerung gerufen werden kann. Doch das Wachrufen der Erinnerungen der Vergangenheit beeinflusst auch die Gegenwart, sofern das vergangene Geschehen für uns noch von Bedeutung ist. Dagegen bezieht sich die Zukunft auf alles, was in unserem Leben – erwartet oder unerwartet – noch geschehen kann, aber noch nicht stattgefunden hat. Solche Dinge können uns in der Gegenwart beschäftigen, indem sie in uns Angst erwecken oder gute Hinweise für unser gegenwärtiges Leben geben können. In Bezug auf Jesus erwarten wir in der Zukunft sein Wiederkommen mit Macht und Herrlichkeit. Die Frage ist: "Wie kommen wir ihm entgegen, wenn er wiederkommt?" Was die Antwort auf diese Frage betrifft, so geht es aber hier noch um eine weitere Frage: „Wie erfahren wir im Hier und Jetzt unseres Lebens die Gegenwart Jesu?“

Wir wissen es, wir können nur in der Gegenwart leben. Das aktuelle Leben verbringt man im Hier und Jetzt. Und genau das ist, was die Gegenwart enthält. Alles, was wir erleben, geschieht im Hier und Jetzt unseres Lebens. Auch die Ankunft Jesu. Seine Ankunft wäre nicht so bedeutsam für uns, wäre es nur ein vergangenes oder ein zu erwartendes Geschehen, wie wenn wir uns tatsächlich der Gegenwart Jesu im Alltag bewusst wären und was sie uns tatsächlich bedeutet. Deswegen ist die Frage sehr wichtig: „Wo ist Jesus in meinem Leben?“

Liebe Brüder und Schwestern, diese Frage soll uns durch diese Adventszeit begleiten und beschäftigen. „Wo ist Jesus in meinem Leben?“ Wo er in meiner Berufung, Wo ist er in meiner Familie?  Ehe? Jeder von uns kann ähnliche Fragen noch hinzufügen. Heute haben wir bereits die 1. Kerze angezündet. Das Licht deutet daraufhin, dass Jesus Gegenwart ist. Aber inwiefern ist uns seine Gegenwart bewusst? Es könnte sein, dass vieles, was zur Zeit in unserem Leben, in der Welt, oder in der Kirche passiert, uns das Gespür für die Gegenwart Christi verdorben hat. Vielleicht ist das Gespür verloren gegangen. Deswegen ist uns diese Adventszeit umso wichtiger. In den vor uns liegenden Wochen lasst uns in unser Inneres schauen, damit wir das Bewusstsein der Gegenwart Jesu wiedergewinnen können.

Alle spirituellen Aktivitäten, die uns in dieser Zeit zur Verfügung stehen, werden uns dabei helfen. Auch die Farbe violett bezeichnet das, was wir in dieser Zeit tun sollen: in unser Inneres schauen. Violett ist bekannt als die Farbe der Meditation und steht für Innenschau und spirituelle Vertiefung. In der Laune der Erwartung, die wir jetzt haben, wollen wir die Aktivitäten dieser besonderen Zeit ganz ruhig und meditativ begehen. Jesus ist immer da. Lasst uns ihm neu begegnen. Amen.



Evangelium vom 1. Adventssonntag im Lesejahr A:

Mahnungen im Hinblick auf das Ende

MatthÀus - 24,37-44

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

In einem Tal hat sich ein Waldsee gebildet. Über der linken HĂ€lfte ist ein grĂŒner Schweif vom Himmel her zu kommen.
1. Advent!

Wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

In einem Tal hat sich ein Waldsee gebildet. Über der linken HĂ€lfte ist ein grĂŒner Schweif vom Himmel her zu kommen.
Macht Euch bereit!

Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.

Darum haltet auch ihr euch bereit!

Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.





Kommentare zu diesen Evangelium:
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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