Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 3. Adventssonntag im Lesejahr C:

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!

Heute, der 3. Adventssonntag, wird auch Sonntag Gaudete genannt. Das lateinische Wort „Gaudete“ bedeutet „Freut euch!“ Eigentlich sollen wir uns freuen, weil die Ankunft des Herrn bereits vor der Tür steht. Aber sich zu freuen, ist nicht nur für eine bestimmte Zeit – ich sag‘ mal Weihnachten – gemeint. Paulus ermahnt uns in der heutigen zweiten Lesung: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4). Er meinte, dass man sich zu jeder Zeit freuen kann. Wieso? Wie ist es möglich, sich zu freuen, egal, was im Leben kommt? Wie kann man sich freuen, wenn man z.B. unter einer unheilbaren Krankheit leidet? Wenn sein Lebensplan zerstört wurde? Wenn seine Ehe gescheitert ist? Wenn man ein Opfer der Ungerechtigkeit geworden ist? Wenn …? Noch viel mehr kann man hier hinzufügen, und ich denke, die Liste kann immer weitergehen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Paulus im Gefängnis war, als er diesen Brief an die Gemeinde in Philippi geschrieben hat. Er muss mit allem rechnen. Trotzdem wünscht er seinen Christen in Philippi, dass sie sich freuen. Es ist schwer, das in Worte zu fassen, welche Freude er meint. Ich denke aber schon, dass die Freude, die Paulus uns empfiehlt, nicht von dem abhängt, was im Leben passiert, sondern von dem, wie wir die Geschehnisse des Lebens bewerten. In diesem Sinn ist die Freude das Ergebnis unserer Denkweise und Haltung in Bezug auf das Leben. „Für mich ist Christus das Leben…“ sagt Paulus (Phil 1,21). Wie wir das bewerten, was in unserem Leben passiert, kann uns Freude bereiten oder nicht. Anders gesagt, wir können unser Leben so gestalten, dass die Freude nicht mehr ein zufälliges Gefühl ist, sondern eine Entscheidung, die wir selbst bestimmen können.

Für Paulus war es egal, ob er im Gefängnis ist oder nicht. Was für ihn zählte, war, dass er zu Christus gehört. Ihm zufolge sollen wir uns freuen, nicht nur, weil alles läuft, wie geplant oder wie wir es uns wünschen, sondern, weil wir zu Christus gehören. Dieser Glaube, zu Christus zu gehören, ist aber nicht ein leerer Glaube, den man nur in Worten bekennt. Es ist ein lebendiger Glaube, der im Leben umgesetzt werden soll, bevor er wahre Freude im Leben erzeugen kann. Jesus ist ein Lehrer der Praxis, der uns den tätigen Weg zur Freude lehrt, und zwar die Liebe. Die Liebe ist die Waffe, mit der wir die Feinde der Freude überwinden können. Die Liebe zeigt uns nicht nur, wie wir die anderen, die Welt, das Leben sehen und verstehen sollen, sondern auch, dass Gott über alles zählt. Nur ein kurzer Blick darauf, wie die Liebe die Feinde der Freude überwindet:

Als Erstes schauen wir auf den Umgang mit unseren Mitmenschen. Wenn wir den anderen mit Neid und Vorurteilen begegnen, wenn wir nur das schlechte an ihnen sehen, wenn wir nur an ihnen herumnörgeln, wird das uns alle Freude rauben. Was lehrt uns Jesus? Den anderen mit Liebe zu begegnen. So können wir das Gute in ihnen sehen, egal, wie schlecht sie sich gegenüber uns verhalten haben. So vergeben wir ihnen. Wir unterlassen es, uns mit ihnen zu vergleichen, weil wir wissen, dass jeder Mensch einzigartig ist. Viele Menschen leben allerdings in Bitterkeit, weil sie den anderen ihre Fehler nicht vergeben können, oder sogar, weil sie denken, dass es den anderen besser geht als ihnen. Sie erkennen aber nicht, dass sie sich ihr eigenes Leben dadurch ruinieren. Aber wer die anderen liebt, versucht, ihnen ihre Fehler zu vergeben, sich die Einzigartigkeit jedes Menschen bewusst zu machen, den anderen ohne Vorurteile zu begegnen, usw.. Diese Haltungen, die aus der Liebe fließen, erzeugen in uns Freude statt Bitterkeit.

Zweitens: wie nehmen wir die Dinge, Zustände und Ereignisse im Leben wahr? Manchmal gibt es Dinge im Leben, von denen wir denken, sie müssen uns gehören. Wenn es uns an solchen Dingen fehlt, sind wir mit dem Leben unzufrieden. Es könnte sein, dass ich z.B. denke, ich muss gesund sein. Ja, es ist wichtig, dass ich mich bemühe, mich um meine Gesundheit zu kümmern. Aber, wenn ich krank werde, ungeachtet meines Bemühens, ist es auch wichtig, dass ich meine Denkweise so verändere, dass ich diese neue Situation annehme und ein gesundes Verhältnis dazu entwickle. Liebe zu Jesus hilft uns, an Dinge oder erwünschte Umstände nicht so gekettet zu sein, dass wir keinen Sinn mehr im Leben finden, wenn sie uns fehlen. Die Liebe lehrt uns, das loszulassen, was außerhalb unserer Macht steht. Sie lehrt uns, Gott solche Dinge und Umstände anzuvertrauen. Das Vertrauen auf Gott bewirkt in uns innere Freude.

Liebe Brüder und Schwestern, die Freude ist daher das Ergebnis unserer Denkweise über Dinge, Menschen, Umstände und über uns selbst. Wir können lernen, uns zu freuen. Es ist eine Entscheidung, die wir bewusst treffen können. Eine solche Haltung ist eine Quelle der Kraft, die es uns ermöglicht, auch in unerfreulichen Situationen unser inneres Gleichgewicht zu erhalten. Wie Nehemiah geschrieben hat: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8,10b). Freut euch daher im Herrn zu jeder Zeit!



Evangelium vom 3. Adventssonntag im Lesejahr C:

Das Auftreten des Täufers

Lukas 3,10-18

In jener Zeit fragten die Leute den Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.

Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.

Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!

Johannes der Täufer kniet beim Gebet und blickt nach oben.
Juan van der Hamen y León
Johannes der Täufer beim Gebet!

Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.

Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.









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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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