Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 4. Adventssonntag im Lesejahr C:

Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erf√ľllt, was der Herr ihr sagen lie√ü (Lk 1,45)

Zwei Tage sind es noch bis zum Weihnachtsfest. Die ganze Welt brennt in der Vorbereitung auf das Mitfeiern der Geburt Jesu Christi, der uns geboren wurde. Wir beschäftigen uns mit dieser Geschichte, in deren Mitte eine Frau steht, die durch ihr Ja-Wort den Lauf der Menschheit unabänderlich verändert hat. Nehmen wir uns eine kurze Zeit in dieser Predigt, den Beitrag der seligen Jungfrau Maria zu betrachten, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ, um dann zu überlegen, wie durch unser „Ja“ die Bedeutung der Geburt Jesu in unserer Zeit verbreitet werden kann. Alle drei Lesungen deuten darauf hin, wie wichtig Maria ist in diesem Plan Gottes. In der ersten Lesung hören wir: „Darum gibt der Herr sie preis, bis die Gebärende einen Sohn geboren hat. Dann wird der Rest seiner Brüder heimkehren zu den Söhnen Israels.“ (Mi 5,1-4a) In der zweiten Lesung heißt es: „Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus: „Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen“ (Hebr 10,5). Dann hören wir im Evangelium schon von dem ersten Zeugnis über Marias „Ja-Wort“, das Elisabet ausgerufen hat: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1,45)

An dem Fall Marias lernen wir, dass unsere Entscheidung für den Plan Gottes in unserem Leben einen Raum schafft, in dem dieser Plan in Erfüllung gehen kann. Ohne einen solchen Raum errichten wir Menschen eine Blockade gegen den Plan Gottes. Das Ja-Wort Marias – „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38) – ist die Zustimmung, die sie bewusst und freiwillig zum Plan Gottes gegeben hat. Ihr war schon bewusst und klar, zu was sie von Gott zu tun berufen worden war. Das Ja-Wort ist eine Zustimmung, mit der man jemandem für etwas seine Bewilligung, Einwilligung oder Zusage gibt, wodurch man erlaubt oder zustimmt, dass etwas geschieht. Wir Menschen sind Mitarbeiter Gottes. Aber nur freiwillig können wir wirklich diese Rolle als Mitarbeiter Gottes annehmen. Das bedeutet, Gott zwingt uns niemals, etwas zu tun. Denn er hat uns als freie Menschen erschaffen. Daher können unsere Taten schuldig oder lobenswert sein. Ein Ja-Wort gibt man dem anderen bewusst und freiwillig. So ist es auch bei einer Eheschließung. Die Partner vermählen sich als Erwachsene bewusst und freiwillig.

Ein Ja-Wort ist auch eine Form des Glaubens. Einem Plan zuzustimmen, ist zu glauben, dass der Plan durchführbar und wichtig ist, also, dass es sich lohnt, an der Verwirklichung des Plans teilzuhaben. Das bedeutet auch der Glaube an die Treue des anderen, mit dem ich zusammenarbeiten will. Maria ist deswegen „die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ Die Frage ist, glauben wir noch, dass unser Leben ein Teil des Planes Gottes ist? Glauben wir immer noch, dass die Entwicklung der Welt ein göttliches Projekt ist? Glauben wir noch, dass Jesus Christus gekommen, gestorben und auferstanden ist, dass dieses Projekt gerettet wird? Glauben wir wirklich, dass, was wir miteinander tun, was wir in der Ehe tun, was wir bei der Arbeit tun, was wir in jedem Bereich unseres Lebens, unserer Beziehungen tun, auch ein Teil dieses Projekts ist? Wenn wir das glauben, wird uns bewusst, dass wir nur Mitarbeiter sind. Denn Gott ist unser Partner in der Verwirklichung seines Planes in unserem Leben und in der Welt. Es braucht daher unsere Zusage, unser Ja-Wort, das wir jeden Tag sprechen oder erneuern dürfen und sollen.

Das Bewusstsein, dass wir Mitarbeiter Gottes sind, verändert unsere Haltung zum Leben. Das verändert die Sicht auf das, was wir tun, wir verstehen besser, was wir tun; auch verstehen wir (besser), was die anderen tun, ja, wie wir überhaupt die anderen sehen. Wir sehen Gott als unseren treuen Partner, mit dem wir alles planen dürfen, mit dem wir über alles sprechen dürfen. Wir bewerten unsere Möglichkeiten nicht mehr abhängig von unserer eigenen Stärke, weil uns bewusst ist, dass unser Partner Gott auch etwas beitragen will. Das ermutigt uns! Wir sehen unsere Mitmenschen auch als Mitarbeiter in dem großen Projekt – die Entwicklung des Planes Gottes in der Welt. So können wir einander ermutigen, statt uns gegenseitig zu beneiden, beleidigen oder bekämpfen. Schauen wir mal auf Maria und Elisabet. Sie sehen einander als Mitarbeiterinnen in einem großen Projekt – der Welt den Erlöser zu gebären und näher zu bringen. Sie teilen miteinander die Freude und ermutigen einander. Wir können sie beide nachahmen. Die Botschaft des Kommens Christi ist, dass die Welt durch ihn die Liebe Gottes erfahren darf. Wir, die wir daran glauben, sollen – wie Maria – eine Brücke sein, zur Erfüllung und Weitergabe dieser Botschaft. Bitten wir dazu um die Gnade Gottes!

 



Evangelium vom 4. Adventssonntag im Lesejahr C:

Die Begegnung zwischen Maria und Elisabet

Lukas 1,39-45

Die schwangere Elisabeth schaut zu Maria auf.  Maria f√ľhrt ihre Hand und blickt auf Jesus.
Frans Francken, St. Pauls Kirche Antwerpen
Maria und Elisabeth

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.

Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme:

Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.

Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.







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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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