Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 25. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: A

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege

„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege … so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“ Diese Worte, die Gott den Israeliten als Antwort auf ihre Zweifel an Ihm gegeben hat, passen auch gut in unsere heutige Glaubenssituation. Damals hatten die Israeliten Zweifel an Gott und seinen Verheißungen. Sie konnten an ihrem Bund mit Gott nicht festhalten, wegen ihres Zweifels. Sie hatten ihre bestimmten Vorstellungen von Gott, die immer wieder enttäuscht wurden, weil sich Gott immer anders verhalten hatte als sie erwarteten.

Wir haben einen Gott, der sich oft anders verhält, als wir es von ihm erwarten. Stelle Dir vor, Du bittest um etwas und erwartest von Gott eine bestimmte Antwort, und zwar innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Die Zeit vergeht, aber nichts passiert. Deine Erwartung oder Dein Gebet bleiben unerfüllt. Wie erlebst Du solch eine Situation? Was denkst Du nach einer solchen Erfahrung über Gott, über das Gebet und über den Glauben? Es sind gar keine einfachen Erlebnisse, aber wenn ich ehrlich bin, darf ich sagen, dass diese Erlebnisse, durch die ich Gottes Andersartigkeit erfahren durfte, auch die Erlebnisse sind, die meinen Glauben an Gott weiter gestärkt haben.

Ich gebe ein Beispiel über meine Erfahrung bei der Wohnungssuche in Bonn. Während meines Deutschkurs 2016 sollte ich nach Bonn umziehen, weil ich an der Universität Bonn einen Platz bekommen hatte, um dort den Deutschkurs abzuschließen und mein Studium zu beginnen. Ich war sehr glücklich, dass ich den Platz bekommen hatte. Denn in der Universität war der Deutschkurs viel billiger als in einem Sprachinstitut. Außerdem würde ich in der Universität die Möglichkeit haben, mich schon beim Deutschkurs mit der Atmosphäre in der Universität vertraut zu machen. Dann habe ich mich auf Wohnungssuche begeben: eine große Herausforderung! Weil für mich das Gebet ein sicherer Ort ist, wo ich die Lösung in allen Schwierigkeiten in meinem Leben finde, habe ich um Erfolg bei der Wohnungssuche gebetet. Meine Erwartung war es, eine einfache Wohnung in der Nähe der Universität zu finden.

Das hat aber nicht funktioniert. Nach drei Monaten intensiven Suchens und Betens habe ich nur Absagen der Wohnungseigentürmer bekommen. Da ich nur noch ein paar Wochen hatte, um dann das Sprachinstitut zu verlassen, bin ich an einem Tag in die Kapelle gegangen und habe Gott gefragt: ‚Wo bist Du, o Gott? Warum lässt Du mich jetzt im Stich? Was soll ich nun tun?‘ Nach diesem Gebet, als ich die Kapelle verließ, traf ich plötzlich den Priester, der dort tätig war. Er fragte mich: „Ezekiel, was ist los mit Dir? Du scheinst traurig zu sein. Kann ich Dir helfen?" Dann habe ich ihm meine frustrierenden Erfahrungen bei der Wohnungssuche erzählt. Er hat dann an alle katholischen Gemeinden in der Nähe der Universität Bonn eine Anfrage wegen einer Wohnung geschickt und drei positive Rückmeldungen bekommen. Eine davon war die vom Pfarrer von Bad Godesberg – Pfarrer Picken. Er hat mir hier in der Gemeinde eine schöne Wohnung gegeben, die für ein Jahr kostenlos war.

Wenn ich meine Erwartung und die vom Gott erhaltene Antwort vergleiche, sehe ich einen großen Unterschied. Denn ich habe nicht nur eine kostenlose Wohnung bekommen, sondern auch die Möglichkeit, während meines Studiums meine priesterlichen Dienste auszuüben. Am Ende war es schöner und besser als erwartet, aber der Weg zu diesem Ergebnis war nicht einfach: er bestand aus vielen Nächten von Weinen und frustrierenden Gedanken, in denen Gott fern zu sein schien. Am Ende wurde mein Glaube gestärkt. Ich durfte erfahren, dass Gott alles zu meinem Guten lenkt, dass er auch auf ‚krummen Linien‘ gerade schreibt. Es lehrte mich, im Gebet zu verharren, auch wenn mein Gebet ungehört zu bleiben scheint.

Liebe Brüder und Schwestern, ich glaube, dass jeder von uns seine eigenen Erfahrungen von Gottes Andersartigkeit hat. Die Erfahrungen, in denen wir erleben durften - oder vielleicht auch schmerzlich erleben mussten, wie anders Gott ist als unsere Erwartungen und Vorstellungen. Das richtige Verhalten gegenüber solchen Erfahrungen ist, nicht wegzugehen von Gott, oder aufzuhören mit Gebet, sondern an Gott Deine Fragen zu richten. Auch wenn Du Zweifel hast, komm einfach zu Gott mit Deinem Zweifel. Sag Ihm, wie Du die Situation erlebst. Versuche im Gebet die Situation zu betrachten. Lese in der Heiligen Schrift, wie Gott in solch einer Situation gehandelt hat, oder was Er dazu sagt. Nimm Dir Zeit zuzuhören, was Er Dir sagt.  Das eine sind Deine Erwartungen, das andere ist Gottes Plan. Zwischen Deinen Erwartungen und Gottes Plan für Dich musst Du einen Weg finden, bevor Du vorankommen kannst. Der Weg ist mit Geduld, Demut, Zuversicht und Vertrauen zu gestalten: diese Haltungen können uns zum Umdenken führen. Denn sie helfen uns, unsere ichhaften Gedanken zu lassen und den Willen Gottes in unseren Situationen zu suchen. Wollen wir auch heute zu Gott in Demut und mit offenen Ohren kommen. Er sagt uns: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege.“ Und was uns voranbringen kann sind Gottes Gedanken und Wege. Lasst uns um seine Führung und Begleitung beten.



Evangelium vom 25. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

Mt 20,1-16a

In jener Zeit erz├Ąhlte Jesus seinen J├╝ngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der fr├╝h am Morgen sein Haus verlie├č, um Arbeiter f├╝r seinen Weinberg anzuwerben.

Ein Man h├Ąlt reife Trauben in der Hand.
Wer arbeitet hat Recht auf Lohn!

Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar f├╝r den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden.

Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag unt├Ątig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten.

Da kamen die M├Ąnner, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, ├╝ber den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag ├╝ber die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.

Mit Handschellen gefesselte H├Ąnde halten viele Geldscheine.
Werde kein Diener des Geldes!

Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir geh├Ârt, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen g├╝tig bin?

So werden die Letzten die Ersten sein.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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