Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom Hochfest der Geburt des Herrn im Lesejahr C:

Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst

Heute ist der Tag, auf den wir uns vorbereitet und gewartet haben. Der Tag, an dem das Licht Gottes begonnen hat, uns Menschen und der Welt zu leuchten. Wie das normale Licht in unserer Wohnung es uns ermöglicht, Dinge voneinander zu unterscheiden, so hilft uns das Licht Gottes nicht nur zwischen Bösem und Gutem zu unterscheiden, sondern es befähigt uns auch, das Gute zu wählen. Die Menschheit befand sich in einem Zustand, in dem sie keinen Unterschied mehr zwischen dem Bösen und dem Guten kannte. Aber um diese Unfähigkeit zu besiegen, hilft uns Gott, indem er uns sein Licht schenkt. Das Licht Gottes zeigt uns den Unterschied zwischen dem, wo wir sind - wo wir gerade stehen - und wohin wir gehen sollen. Aber es schenkt uns auch die Gnade, damit wir diesen nötigen Schritt tun können. Auf dieses Licht haben wir gewartet und es ist da! Es leuchtet! Wir haben aber im Evangelium gehört: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. … Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1,9-11) Diese Verse spiegeln die Spannung wider, die zwischen dem Kommen Christi und der Realität seines Empfangs durch die Menschen besteht, sowohl damals als auch heute. Das Licht ist da. Es leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Aber wer hat es empfangen? Stellen wir uns vor, wie das Licht unsere Wohnungen nicht erleuchten kann, wenn es niemand anmacht. Wir können trotz des Lichtes in der Finsternis bleiben, wenn wir es nicht anmachen wollen. In der gleichen Weise kann Jesus Christus unser Leben nicht erleuchten, wenn wir ihm nicht unser Herz öffnen, obwohl er schon da ist. Angelus Silesius, ein deutscher Lyriker und Theologe, hat einmal gesagt: "Wäre Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du bliebst noch ewiglich verloren." Und ich denke, er hat Recht. Wichtig für mich ist nicht, dass er in Betlehem geboren wurde, sondern, dass er in meinem Leben geboren wird, dass er in mir bleibt. Denn ohne das kann das Licht – das er ist – mein Leben nicht erleuchten. Ich erinnere mich an meine Predigt zum ersten Adventssonntag, in der ich darauf hingedeutet hatte, welches die wichtigste Frage zu unserer Vorbereitung auf die Geburt Christi ist, es war die Frage: „Wo ist Jesus in meinem Leben?“ Heute feiern wir die Geburt Christi. Es ist auch wichtig, dass jeder von uns sich noch heute diese Frage stellt: „Wo ist Jesus jetzt in meinem Leben?“ Also, Jesus ist geboren. Aber ist er in meinem Leben geboren? Um diese Frage noch deutlicher werden zu lassen, ist es wichtig, dass wir daran denken, dass unser Leben alles einschließt, was wir steuern oder erfahren dürfen – unsere Beziehungen, Aktivitäten, Entscheidungen, Denkweisen, usw. Wenn wir in unser Leben Jesus Christus einlassen, erfahren wir wirklich die Freude seiner Geburt – also, seiner Geburt nicht irgendwo, sondern in unserem Leben und in allem, was dazu kommt. Dann kann er in meinem Alltag, in meinen Beziehungen, in meinen Aktivitäten, in meiner Berufung mein lebendiger Begleiter sein. Liebe Brüder und Schwestern, wir dürfen uns heute freuen, wir dürfen feiern, weil Jesus uns geboren ist. Und diese Freude, die wir feiern, soll nicht oberflächlich gezeigt werden oder nur von kurzer Dauer sein. Sie soll nicht auf die Geschenke, die wir uns gegenseitig überreicht haben, oder auf die Reise, die wir in dieser Feierzeit machen dürfen, oder auf das Miteinanderfeiern beschränkt sein. Es soll eine lebenslange Freude sein, indem wir die Gegenwart Christi in uns bewahren. Bei der Taufe empfängt jeder Christ das Licht, das er sein ganzes Leben lang bewahren soll. Das Licht ist Jesus. Er kommt zu uns, so dass er mit uns sein und bei uns bleiben will. Deswegen heißt er auch Immanuel – Gott mit uns. Öffnen wir ihm unser Herz und jeden Bereich unseres Lebens. Öffnen wir ihm mit Dankbarkeit jeden Bereich unseres Lebens, der gut gelungen ist, und mit tiefem Vertrauen jeden Bereich, der nicht so gut läuft. Legen wir in seine Hand alle unsere Anliegen, Sorgen und Ängste. Feiern wir die Freude seiner Gegenwart nicht nur heute oder in dieser Weihnachtszeit, sondern auch immerfort im Leben. Dann wird das Licht in unserem Leben niemals von der Finsternis erfasst werden. Amen.

Evangelium vom Hochfest der Geburt des Herrn im Lesejahr C:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlieĂź Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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