Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum Fest der Heiligen Familie Lesejahr: B

Kind, wie konntest du uns das antun?

Vieles hat sich in der Denkweise des Menschen verändert. Man erwartet schon, dass der Mensch sich im Laufe der Zeit verändert. Es wäre aber wunderbar, wenn unsere Denkweise sich so verändert, dass wir dadurch unsere Lebenssituation verbessern könnten. Wenn die Veränderung unserer Denkweise die Fundamente des menschlichen Lebens in eine Krise bringt, wie wir das heute erleben, ist das keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung. Eines der von veränderter Denkweise des Menschen betroffenen Fundamente des menschlichen Lebens, weswegen sich die Lebenssituation der Menschen verschlechtert hat, ist das Familienleben. Viele Menschen legen heute weniger Wert auf die Familie, als es früher der Fall war. Die Struktur der Familie ist in allmählicher Auflösung begriffen. Erheblich ist die Gegnerschaft gegen die traditionelle Familienstruktur: Von der Rollenverteilung der Männer und Frauen bis zum Kinderwunsch der Eheleute, alles verändert sich. Heute ist Ehescheidung fast normal und viele Eheleute beschließen ohne Mühe, sich scheiden zu lassen. Viele Kinder leiden unter dieser Familienkrise. Viele Kinder erleben nicht mehr die erziehende Liebe ihrer Eltern, wenn sie überhaupt das Glück haben, zwei Elternteile haben zu dürfen. Das ist sehr tragisch, weil dadurch viel zuviel in den Lebenssituationen der Menschen zerstört worden ist. Das schlimmste ist jedoch, dass viele von uns das Problem immer noch nicht wirklich realisiert haben.

 

Wir dürfen heute glücklicherweise das Fest der Heiligen Familie feiern – also, der Familie Jesus, Maria und Josef, die Familie, die uns als Vorbild geschenkt wird. Das Fest ist für uns ein Anlass, wahrzunehmen, dass etwas mit der Lebenssituation in unseren Familien nicht stimmt, und neu zu lernen, wie die Liebe im Familienkreis die Situation verbessern kann. Denn in der Heiligen Familie finden sowohl Kinder als auch die Eltern ein Vorbild, das sie nachahmen dürfen und könnten. Aus der Geschichte der Heiligen Familie lernen wir, dass sie vor den normalen Herausforderungen des Familienlebens nicht bewahrt worden ist. Denn sie hat auch viele Krisen erlebt, aber sie hat sie aus Liebe überstanden. Ich nenne jetzt ein paar Beispiele.

 

Als Erstes überlegen wir, wie Josef die Schwangerschaft Marias aufgenommen hat, obwohl er nicht verantwortlich dafür war. Er hatte sich Zeit zum Nachdenken und Beten genommen, eine Zeit, in der er vom Engel Gottes überzeugt wurde, Maria  trotzdem zu sich zu nehmen. Wollten wir uns – wie Josef – eine Zeit zum Nachdenken und zum Beten nehmen, wenn plötzlich überraschende Krisensituationen in unserer Familie auftauchten, bekämen wir bessere Einsicht, wie wir mit solchen Situationen und miteinander umgehen könnten, dann würden unsere Familien solche Krisen besser überstehen. Die Liebe füreinander wächst und vertieft sich allmählich  nach solchen überstandenen Krisen. Darüber Hinaus hat Josef wegen seiner Frau und dem Kind Jesus viel gelitten, aber er hat auch viel Kraft durch die Anweisungen und die Begleitung des Engels geschöpft. Er war ein Mann des Gebetes! Kannst du dir jetzt vorstellen, dass es vielen Familien besser gegangen wäre, wenn der Mann und die Frau solche Anweisungen und Begleitung gehabt und gehorcht hätten?

 

Zweitens schauen wir auf Maria, eine Frau, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ, eine Frau, die in ihrem Herzen alles bewahrt hat, was im Leben ihres Kindes geschehen war. Wenn eine Frau solch eine tiefe Beziehung mit Gott hat und die Geschehnisse in ihrer Familie nicht nur oberflächlich sehen würde, sondern sie in ihrem Herzen bewahrt, würde ihre Beziehung zu ihrem Mann und ihren Kindern nicht oberflächlich sein. Wenn eine Frau glaubend mit der Situation ihrer Familie umgehen würde, entstünde daraus eine tiefe Liebe, die die Beziehung in der Familie vertiefte. Es gibt eine Art von Liebe, die das Verhalten des anderen nicht oberflächlich sieht, sondern die mitleidend die Fehler des anderen betrachtet. Solche Liebe ist göttlich. Sie ermöglicht es, gläubig miteinander umzugehen und zu arbeiten. Maria war eine tief Gläubige und hat bei der Erziehung des Kindes Jesus aus dieser Liebe heraus und im Team mit ihrem Mann gearbeitet. Im heutigen Evangelium hat Maria Jesus gefragt: „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“ Wenn Mann und Frau bei der Erziehung ihrer Kinder als ein Team arbeiten, sprechen sie mit einer Stimme. So hat Maria zu Jesus gesprochen. Erziehung ist nicht eine Sache der Frau oder des Mannes allein, sondern eine Teamarbeit.

 

Bemerkenswert ist auch die Beziehung des Kindes Jesus mit seinen Eltern – Maria und Josef. Wir haben im heutigen Evangelium gehört, wie Jesus sich verhalten hat – was er zu seinen Eltern gesagt hat und wie er sich dann gegenüber ihnen verhalten hat: „Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam. … Jesus wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.“ (Lk 2,49-52) Jesus hat sich gefragt – wie viele andere Kinder –: „Warum verstehen meine Eltern mich nicht?“ Die Kinder fragen sich so, wenn die Eltern ihre Leidenschaft oder Berufung nicht so verstehen, wie sie selbst sie verstehen.

 

Manche Kinder denken, dass die Eltern sie nicht freigeben wollen, oder dass sie an ihrer Berufung und Leidenschaft Anstoß nehmen. Dann - was tun sie als nächstes? Sie meiden ihre Eltern und lehnen ihre Anweisungen ab. Jesus aber hat sich anders verhalten. Er kehrte mit seinen Eltern zurück nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Er blieb noch achtzehn Jahre bei seinen Eltern, bevor er seinen eigenen Weg gehen konnte. Wir müssen das zwar nicht buchstäblich nehmen, aber den Eltern gehorsam zu sein und bei ihnen geduldig die Weisheit für das Leben zu lernen, sind wichtige Phasen für den zukünftigen Weg der Kinder. Normalerweise haben die Eltern viel mehr an Leben Erfahrungen gesammelt, als dass das Kind alles einfach verstehen könnte. Wenn das Kind seinen Eltern gehorsam ist, lernt es viel, für das es später im Leben dankbar sein kann. Es ist aber bedauerlich, dass die Kinder einer Familie manchmal um ihr Recht so streiten, dass sie vergessen, wie viel Last ihre Eltern für sie aus Liebe getragen haben. Dass deine Mutter dich neun Monate im Mutterleib getragen hat - dabei geht es nicht um Recht, sondern um Liebe. Sie liebt dich, deswegen konnte sie für dich ihre Freiheit, Zeit und Komfort aufgeben. Warum vergisst du das alles? Warum streitest du jetzt nur um dein Recht und meidest deine Eltern? Warum denkst du, dass sie keine Dankbarkeit und Liebe von dir verdient haben?

 

Liebe Brüder und Schwestern, im Familienleben geht es um Liebe, die Liebe, die Gott vermehrt, wenn wir ihn [Gott] in den Mittelpunkt der Familie stellen; die Liebe von Eltern zu Kindern und umgekehrt, die Liebe zueinander; die Liebe, mit der wir  mitleidend miteinander umgehen.  Mit Glauben und Liebe können wir unsere Familie besser gestalten und miteinander friedlicher leben. Lasset uns die Heilige Familie nachahmen und das Fundament der gesunden Gesellschaft – die Familie – mehr schätzen und bewahren.

 

Gebet: Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt. Gib unseren Familien die Gnade, dass auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben und einander in Liebe begegnen. Amen.



Evangelium vom Fest der Heiligen Familie im Lesejahr :

Das Zeugnis des Simeon und der Hanna

Lk 2,22-40

Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

Simeon schaut zum Jesuskind, welches auf dem Scho├č Mariens sitzt.
Maler: Rembrandt Van Rijn, Quelle: Wikimedia Commons

In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe.

Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:

Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.

Hanna schaut zum Jesuskind, welches auf dem Scho├č Simeons sitzt.
Maler: Rembrandt Van Rijn, Simeon und Hannah im Tempel

Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.

In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.

Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.





Ausdruck als pdf im A4 Format
Druckversion


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

├ťbersicht