Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 25. Sonntag im Jahreskreis

Meinem NĂ€chsten dienen und ihn um Jesu Willen annehmen (Mk 9,30-37)

Der Streit um die Frage der Macht: "Wer kommt zuerst?“ scheint mir heute das schwierigste Problem der Menschheit. Solche Behauptungen wie z.B. „Ich zuerst,“ „America first" sind uns in der heutigen Weltgesellschaft nicht nur bekannt, sondern auch fast normal.

Auch in der Zeit Jesu war es nicht anders. Denn seine Apostel waren auch mit der Frage, „Wer ist der Größte?“ beschäftigt. „Wer wird bevorzugt?“ „Ich“ oder „der Andere?“ Die Menschen aller Zeit stellen sich die gleiche Frage. Wie diese Frage beantwortet wird, ist abhängig vom Geist, der die betroffene Gesellschaft leitet. Und wie jeder von uns das beantwortet hängt davon ab, welcher Geist in ihm herrscht.

Jesus lehrt uns heute die richtige Antwort: Er sagt: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein". Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: "Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“

Was genau will Jesus uns durch diese Antwort lehren? Jesus hat in dieser Aussage weder „Mich“ noch „den Anderen“ bevorzugt. Er zeigt uns den richtigen Weg zur wahren Würde: Dienste zu leisten an dem Anderen. Das heißt, ich gewinne die richtige Würde, wenn ich mich in den Dienst meines Mitmenschen stelle und ihm meine Kraft, Talente, Zeit und Liebe schenke.

Im Dienst füreinander finden wir heraus, wer wir sind und wo sich unsere Stärken befinden. Das bedeutet, dass es uns nichts nutzt wenn wir um Macht streiten und einander erniedrigen. Jesus Christus sagt uns, dass wir unsere Würde nicht verlieren, wenn wir dem Anderen dienen und ihn achten. 

Der zweite Teil der Lehre Jesu ist die Annahme des Anderen wie ein Kind. Wie wir uns selbst die Annahme nicht verweigern, so ist es auch wichtig, dass ich meinen Mitmenschen annehme. Ich habe hier die Worte „wie ein Kind“ in Schrägschrift gedruckt, da es in der Lehre Jesu sehr wichtig ist. Normalerweise achten wir auf die Kinder, da wir wissen, dass sie unsere Beachtung und Hilfe brauchen. Solche Aufmerksamkeit auf die Kinder hilft uns, ihre Nöte zu entdecken, damit wir ihnen spontan helfen können. Kinder anzunehmen und ihnen zu helfen ist einfach, weil wir sie für schwach und zärtlich halten. Darum denken wir, dass sie unserer Hilfe bedürfen. Jesus will, dass wir alle Menschen so beachten, wie wir es mit den Kindern tun.

Würden wir so an die hilfsbedürftigen Menschen denken wie wir es bei den Kindern tun, dann würden wir sie achten und ihnen dienen. Das Problem ist aber, dass wir denken, wir würden mit den anderen in Konkurrenz stehen, sie wären unsere Gegner oder sie haben böse Absichten uns gegenüber. Solche Vorurteile verhindern wahre Verbindungen zwischen uns und unserem Gegenüber. Je mehr wir aber an das Gute denken, dass wir der Welt tun können, desto mehr entdecken wir die Bedürftigkeit der Welt an Liebe. Ansonsten können wir nur an unser Recht und unsere eigenen Nöte denken.

Diese Liebe zu meinem Nächsten kann ich nicht aus mir heraus machen, sondern ich muss sie mir von Gott schenken lassen und darum beten und bitten. Sonst bin ich nicht im Stande, diesen Dienst verrichten zu können und fühle mich dann schnell ausgelaugt und erschöpft!

Darüber hinaus ist es wichtig zu erkennen: Gott hat uns so erschaffen, dass jeder von uns einzigartig ist. Die Welt ist so bunt gemacht, dass jede Person einen einzigartigen Beitrag für den Nächsten leisten kann. Deswegen braucht der andere meine Hilfe, weil es etwas Einzigartiges gibt, das ich für ihn tun kann. Meine Einzigartigkeit bedeutet aber nicht, dass meine Schwester und Bruder in Christus von geringerer Bedeutung sind als ich.

Also, die Frage ist nicht „wer kommt zuerst?“ oder „wer ist der Größte?“ sondern: „wozu bin ich geschaffen?“ oder „wo drin liegt meine Einzigartigkeit?“ „Wie kann ich den anderen dienen?“ „Was kann ich zum Wohl der Welt und zum Wohl meines Nächsten beitragen?" Je mehr ich den Weg des Dienens folge, desto mehr entdecke ich nicht nur meine Stärke, sondern auch meinen inneren Frieden, Freude und Zufriedenheit.



Evangelium vom 25. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A:

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

Mt 20,1-16a

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.

Ein Man hÀlt reife Trauben in der Hand.
Wer arbeitet hat Recht auf Lohn!

Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden.

Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten.

Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.

Mit Handschellen gefesselte HĂ€nde halten viele Geldscheine.
Werde kein Diener des Geldes!

Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?

So werden die Letzten die Ersten sein.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde BlindenfĂŒhrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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