Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 30. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Die Klageschreie der Benachteiligten und der Notleidenden in unserer heutigen Welt

Heute, am Weltmissionssonntag, denke ich besonders an alle, deren Klageschreie keine Zuhörer und helfenden Hände gefunden haben. In der heutigen ersten Lesung haben wir die Weisung Gottes gehört, dass wir die Fremden, die Witwen und die Waisen nicht ausnützen oder ausbeuten, sondern auf ihre Klageschreie hören sollen. In den westlichen Kulturen, wo das Sozialsystem so organisiert ist, dass die Witwen und die Waisen nicht als benachteiligt oder notleidend zu betrachten sind, können wir vielleicht nicht wirklich verstehen, was mit den Klageschreien der Witwen und der Waisen gemeint ist. Aber die Benachteiligten und Notleidenden haben wir überall in der Welt – in allen Kulturen und Gesellschaften. Die Not dieser Menschen und die Benachteiligung, unter der sie leiden, können unterschiedlich sein, aber die Tatsache, dass sie um Gerechtigkeit und Hilfe schreien, ist überall gleich.

Wenn wir die Haltung vieler Menschen gegenüber der Situation der Notleidenden und der Benachteiligten betrachten, sehen wir, wie unterschiedlich diese Haltungen sind. Manche haben kein Interesse und manche haben keinen Sensus dafür.  Und es gibt die, die meinen, es sei nicht ihre Sache. Ihre Haltung ist die einer totalen Apathie. Wenn ich heute von Apathie gegenüber den Klageschreien der Notleidenden spreche, denke ich auch an die Gleichgültigkeit, mit der die Weltregierungen auf die Situation in Afrika meistenteils reagieren. Es gibt Studien, die behaupten, manche westlichen Regierungen haben viel Unruhe und Ungerechtigkeit in Afrika sogar gefördert, weil sie davon profitieren. Wenn ich von solchen Behauptungen höre, denke ich, „das kann nicht wahr sein!“ Aber wiederum, wenn ich an manche aktuellen Geschehnisse in der Welt denke, befürchte ich doch, dass diese Behauptungen vielleicht teilweise wahr sein könnten.

Ich gebe ein paar Beispiele: Vor ein paar Monaten ist das Video von der Polizeibrutalität gegenüber Georg Floyd um die Welt gegangen. Gegen diese Ungerechtigkeit und Brutalität haben fast alle Regierungen durch alle möglichen Medien protestiert. Die Reaktion der Welt war so klar und deutlich, dass alle, die bei dieser Brutalität mitspielten, eine klare Warnung bekommen haben. Aus Afrika dringen die Klageschreie derjenigen zu uns, die unter der Brutalität der von den Regierungen geförderten Gruppen und ungerechten Systeme leiden. Aber man hört diese klagenden Stimmen hier in der westlichen Welt kaum. Es gibt überall im Internet diese Klageschreie, aber es gibt kaum Zuhörer unter den westlichen Regierungen, die gegen diese Brutalität sprechen und handeln. Stattdessen fördert man genau die Politiker, die Afrika zerstören wollen. Viele afrikanische Politiker und Regierenden horten ihre durch Ungerechtigkeit angesammelten Vermögen hier in westlichen Ländern. Sie kommen hierher zum Urlaub machen und für ihre gesundheitliche Fürsorge, sie kommen mit dem Geld, das Millionen von Menschen gehört, die kaum etwas zu essen haben. Sie leben im Überfluss und ihr Vermögen wird hier für sie aufbewahrt. Also, ich spreche von der Apathie der Medien gegenüber dieser Brutalität und Ungerechtigkeit. Ich spreche sogar von der Unterstützung dieser Brutalität durch das Schweigen der westlichen Regierungen. Manchmal zwingen sie sogar den Afrikanern diese korrupten Politiker auf. Daher frage ich, nutzt man die Unruhen in Afrika aus?

Liebe Brüder und Schwestern, ich bitte Euch um Entschuldigung, wenn ich Euch mit der Situation in Afrika belaste. Ihr seid nicht die Regierenden weder in Afrika noch im Westen. Ihr vernehmt doch diese Klageschreie, die kaum zu überhören sind. Diese Klageschreie über Ungerechtigkeit hören wir besonders durch die Menschen, die zu uns als Flüchtlinge gekommen sind. Ihre Flucht nach Europa und andere westliche Länder ist wirklich ein großes Klageschrei gegenüber Brutalität und Ungerechtigkeit in ihrer Heimat. Sie befinden sich auf der Flucht, denn, wenn sie in ihrer Heimat geblieben wären, ohne zu klagen, würden sie vom Hunger getötet. Aber auch, wenn sie dort klagen, würden sie ebenfalls von den Förderern dieser Ungerechtigkeit verfolgt und oft getötet. Vielleicht können wir ihnen irgendwie helfen durch die Nächstenliebe, die Jesus von uns im heutigen Evangelium fordert.

Wenn ich heute vom Weltmissionssonntag spreche, tue ich das mit einer tiefen Dankbarkeit für die Kirche in Europa und andere westliche Länder, die in verschiedener Weise die Last der Notleidenden in Afrika leichter machen wollen. Und wenn ich von der Kirche in Europa spreche, meine ich Euch und viele andere, die durch ihre Großzügigkeit und Spenden, die Mission der Liebe in der Weltkirche ermöglicht haben. Ich meine auch damit viele unter Euch, die in Afrika viele großartige Projekte zugunsten der Armen unterstützen, ob sie das privat oder auch durch die Gemeinde tun. Ich meine viele von uns, die die Ausbildung vieler Kinder und Jugendlicher in Afrika unterstützen. Ich meine diejenigen, die heute – wie immer an jedem Weltmissionssonntag – großzügig spenden, und das als eine kleine Gelegenheit sehen, jemandem vielleicht etwas zum Essen oder ein Glas Wasser zum Trinken zu geben. Wenn wir heute Mitleid haben gegenüber der Bitte oder dem Flehen oder dem Klageschrei der Notleidenden in Afrika, und ihnen durch diese kleine Aktion helfen, dann haben wir den Bedürfnissen unserer Mitmenschen eine fürsorgliche Aufmerksamkeit geschenkt und werden dadurch Gottes Mitarbeiter in der Mission der Nächstenliebe. Gott wird solche Hilfe nie geringschätzen.



Evangelium vom 30. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Die Heilung eines Blinden bei Jericho

Mk 10,46-52

Die Heilung des blinden Bartimäus.
Carl Bloch, via Wikimedia Commons
Jesus macht den Blinden sehend!

In jener Zeit als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus.

Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!

Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.

Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.

Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.

Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.


Eine Frau breitet die Arme aus und schaut zum Himmel.
Foto: kieferpix, via Fotolia
Jesus, lass mich Dein Reich erkennen!




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Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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