Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum Allerseelen Lesejahr: B

Allerseelen: Eine Balance finden zwischen Trauer und Hoffnung

Es gibt Geschehnisse in unserem Leben, die uns ganz schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Der Tod eines geliebten Menschen ist ein gutes Beispiel solcher Geschehnisse. Beim Tod eines lieben Menschen kommen wir schnell aus dem Takt unseres Lebens und wir erleben, wie schwer es sein kann, eine Balance zu finden zwischen Trauer und Hoffnung. Vielleicht hatten Sie auch innerhalb dieses oder letzten Jahres durch den Tod eines geliebten Menschen die Trauer zu verarbeiten und haben erlebt, wie schwer so etwas ist. Vielleicht leiden Sie immer noch unter Ihrer Trauer. Tatsache ist, dass ein Trauerfall uns dem Gefühl der Trauer so erbarmungslos aussetzen kann, dass wir nur noch die Dunkelheit des Todes sehen können. In solch einer Situation verlieren wir oft die Hoffnung, ob das Licht noch scheint am Ende des Tunnels. Es gibt sogar Menschen, die nach einem solchen Erlebnis ihre Trauer nicht mehr verarbeiten können. Die Frage ist: „Wie kann man beim Tod eines geliebten Menschen eine Balance finden zwischen Trauer und Hoffnung?“

Heute am Gedächtnistag aller verstorbenen Gläubigen (Allerseelen) haben wir die Gelegenheit, nicht nur für unsere verstorbenen Brüder und Schwestern zu beten, sondern auch unsere Trauer zu verarbeiten und in uns das Licht der Hoffnung durchdringen zu lassen. Aber wie? Zuerst müssen wir daran denken, dass der Tod nicht nur unsere Angehörigen trifft, sondern die ganze Menschheit. Er ist ein Schicksal des Menschen. Ein Schicksal, das selbst den Sohn Gottes seiner Menschwerdung wegen nicht verschont hat. Wir können dieses Schicksal weder leugnen noch das damit verbundene Leid und die Trauer verstecken. Wenn Jesus am Grab seines Freundes Lazarus weint, zeigt er, wie schmerzhaft der Tod eines geliebten Menschen ist. Es tut uns gut, unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Besonders in diesem Jahr ist das wichtig - manche von uns haben vielleicht in der Zeit des Lockdowns jemanden verloren, konnten nicht gut oder nur im kleinsten Kreis Abschied nehmen. Aber auch, wenn der Verlust schon längere Zeit her ist: es bleibt eine Lücke. Eine Lücke, die jemand hinterlassen hat, die von mir mit Trauer gefüllt wird, die aber auch Platz bietet für schöne Erinnerungen und vielleicht auch für das Licht des Trostes und der Hoffnung!

Der Tod hat nicht das letzte Wort über unser Leben. Deswegen müssen wir bewusst über den Tod hinausblicken, damit wir – dank unseres Glaubens – das Licht sehen können, das über dem Tunnel des Todes scheint. Jesus lehrt uns, dass unser Blick beim Tod eines geliebten Menschen nicht am Grab endet, sondern gen Himmel gerichtet sein soll, von wo unsere Hoffnung kommt, von wo das Licht des Lebens noch einmal auf unsere Verstorbenen scheinen kann. Nachdem Er geweint und ins Grab des Lazarus hineingeblickt hatte, hat Er bewusst seinen Blick zum Himmel gerichtet und gebetet: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!“ (Joh 11,41-43)

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir im Monat November die Gräber unserer verstorbenen Lieben besuchen, sollen wir den Blick nicht nur in die Gräber hinein tun und trauern, sondern auch unsere Augen zum Himmel erheben, und zum Vater für sie beten, der die Macht über den Tod besitzt. Wir müssen unseren Blick auf Jesus richten, der unsere Verstorbenen aus ihren Gräbern herausruft, wie Er es bei seinem Freund Lazarus getan hat. Heute sind wir in dieser Heiligen Messe um Jesus versammelt. Lasst uns auf Ihn blicken. Er ist die Auferstehung und das Leben. Wenn wir daran glauben, dass wir nicht nur für diese vergängliche Zeit leben, sondern auch für die Ewigkeit, müssen wir auch in unserer Trauer bekennen – wie Ijob – „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Er ist der Erlöser unserer verstorbenen Angehörigen. Daher lassen wir in uns die Hoffnung durchdringen, dass wir mit ihnen in Gott verbunden bleiben, auch wenn wir sie nicht mehr körperlich wahrnehmen können.



Evangelium vom Allerseelen im Lesejahr :








Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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