Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Mein Bestes zu geben aus den Gaben, die ich empfangen habe

Wir Menschen suchen nach leistungsfähigen und tüchtigen Menschen, die uns einen benötigten Dienst am besten leisten können. Für unsere Gesundheitsfragen z.B. suchen wir nach dem besten Arzt. Auch wenn wir ihn nicht finden, ist das zumindest unser ernsthafter Wunsch. Jeder Arbeitgeber sucht nach den Arbeitern, die die beste Leistungsfähigkeit für eine geforderte Arbeit besitzen. Fast in allen Bereichen unseres Lebens ist es auch so: Wir wollen Menschen finden oder solchen begegnen, die für uns den benötigten Dienst am besten leisten können. Auch in der Kirche wollen wir nicht nur Priester haben, sondern auch solche Priester, die sich in ihren priesterlichen Aufgaben gut auskennen. Ja, Menschen, die tüchtig sind in dem, was sie tun, sind am meisten gefragt. Keine Frage: den Menschen, die sich mit dem gut auskennen, was sie tun, öffnen sich Türen voller Möglichkeiten und guter Chancen. Es lohnt sich, tüchtig zu sein. In der ersten Lesung heißt es sogar: „Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert.“ Wie erwünscht und wertvoll ist es, tüchtig zu sein! Es ist nur, dass es uns nicht immer gelingt, tüchtig zu sein.

Die heutigen Lesungen lehren uns nicht nur, dass Gott erwartet, dass wir tüchtige Verwalter seiner Gaben werden, sondern auch, was wir überwinden sollen, um diese Erwartung zu erfüllen. Das Gleichnis, das wir im heutigen Evangelium gehört haben, bringt uns diese Lehre sehr nahe. Wie der Mann, der seinen Dienern sein Vermögen anvertraut hat, so vertraut Gott uns die Grundgaben – den Glauben und die Liebe – an, und viele Chancen, in denen wir diese Gaben zum Einsatz bringen dürfen. Als Verwalter dieser Gnaden, müssen wir sie zum Einsatz bringen. Je mehr wir die Chancen, die wir haben, gut nutzen und gebrauchen, desto tüchtiger werden wir in der Verwaltung dieser Gaben, desto mehr Früchte werden wir damit hervorbringen.

Am ersten Tag dieses Monats haben wir das Fest Allerheiligen gefeiert. Die Heiligen sind Menschen, die mit den Gaben Gottes tüchtig umgegangen sind. Sie waren tüchtige Verwalter von Gottes Vermögen. Ebenso haben wir am 11. November das Fest des heiligen Martin gefeiert. Der heilige Martin zeigt uns, wie man ein tüchtiger Verwalter von Gottes Gaben sein kann. Er hat seinen Mantel zerteilt, um einen frierenden Mann zu wärmen und zu schützen gegen die Kälte. Man könnte denken: „Naja, einen Mantel zu zerteilen? Das ist aber Dummheit, weil man dabei den Mantel nur zerstört!“ Das stimmt aber nicht. Die Logik der Liebe wirkt ganz anders. Die Logik der Liebe und Großzügigkeit macht reicher statt ärmer. Sie zerstört nicht die Gabe. Stattdessen vermehrt sie die Gabe. Wir verlieren nicht die Gabe, die wir zum Dienst unserer Mitmenschen einsetzen, sondern wir vermehren sie. Martin zerstört nicht den Mantel, Nein, er verdoppelt die wärmende Wirkung. Fortan haben zwei was davon – das Talent, das Martin gegeben wurde, hilft nun doppelt.

Auch jeder von uns hat von Gott Gaben empfangen, die er – wie Martin – im Dienst an den anderen einsetzen kann. Mag der eine oder die andere hier mehr beschenkt und begabt worden sein, es zählt nicht die Menge, sondern die Bereitschaft, damit etwas zu tun, was einem gegeben wurde. Also, wichtig ist zu wissen, was zählt: Nicht wieviel Sie haben, womit Sie begabt worden sind, sondern, dass Sie Ihre Gaben zum Einsatz bringen; dass Sie sie nicht verstecken oder horten, sondern sie freigeben.

Aber unsere Gaben freizugeben ist nicht immer leicht oder selbstverständlich. Oft trauen wir es uns nicht zu, unsere Gaben einzusetzen, weil wir denken, sie sind zu klein, oder sie werden nichts ausmachen - modern gesagt: 'es bringt doch nichts'. Das Gefühl von Unsicherheit und Angst hindert uns oft, unsere Chancen und Gaben zum Dienst an den anderen zu nutzen und zu gebrauchen. Angst vor der Möglichkeit, Fehler zu machen; Angst vor dem, was der andere über uns sagen könnte, usw. Wir können so gefangen sein vom Verlangen nach Sicherheit, dass wir aus Angst vor jeder Unsicherheit unsere Gaben vergraben. Aber es lohnt sich nicht, die Gaben zu sichern, wenn sie ihren Zweck verfehlen. Angst ist wohl einerseits ein Schutzmechanismus für unser Leben, andererseits hemmt Angst den Fortschritt. Angst kann bis zur Lähmung, Faulheit und Apathie führen. In solch einem extremen seelischen Zustand lassen sich kaum Lebensperspektiven oder gar Zukunftshoffnungen entwickeln. Diesen Zustand prangert Jesus im Gleichnis an.

Der Diener, der überängstlich um seine eigene Sicherheit und sein eigenes Bestehen besorgt ist, hat das Vermögen seines Herrn nicht genutzt, sondern brachliegen lassen. Die Haltung „ja nichts falsch zu machen“ geht am Willen Gottes vorbei. Sie behindert das Wirken Gottes, der in die Welt hineinwirken will.

Liebe Schwestern und Brüder, diejenigen, die im Leben tüchtig mit der Verwaltung ihrer Gaben sind, sind nicht die, die überängstlich sind, sondern die, die den Mut haben, das Gute zu tun, trotz der bestehenden Unsicherheit. Sie sind nicht diejenigen, die – scheu vor Fehler, Kritik und Unsicherheit – ihre Gaben verstecken und vergraben, sondern die, die sich trauen, die Begabungen und Fähigkeiten einzusetzen, die sie ins Leben mitbekommen haben oder die ihnen im Laufe ihres Lebens zugewachsen sind, auch, wenn damit ein hohes Risiko verbunden ist. Lasst uns unser Bestes geben aus den Gaben, die wir empfangen haben.



Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Das Kommen des Menschensohnes und der nahe, aber unbekannte Zeitpunkt

Mk 13,24-32

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

Aus einer golden gl├Ąnzendem Halbkugel kommt Jesus in einem wei├čem Gewand zu uns!
Foto: Pascal Höfig
Altarbild im Würzburger Dom

Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.

Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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