Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 1. Adventssonntag Lesejahr: B

Im Hier und Jetzt leben: Achtsamkeit!

Liebe Schwestern und Brüder, die Zeit wird normalerweise eingeteilt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Aber im richtigen Sinn erkennen wir, dass wir nur in der Gegenwart leben können. Das aktuelle Leben verbringt man im Hier und Jetzt. Die Vergangenheit bedeutet eigentlich die Gegenwart, die bereits verbracht oder auch verpasst ist. Und die Zukunft heißt die erwartete Gegenwart. Alles, was wir erleben, geschieht im Hier und Jetzt unseres Lebens. Darum müssen wir achtsam sein, damit wir das wahre Leben nicht verpassen. Achtsamkeit bedeutet, im Hier und Jetzt unseres Lebens zu leben. Auch ist Achtsamkeit das erkennbare Thema der heutigen Lesungen. Wie verbindet man Achtsamkeit und Adventszeit?

Das Wort „Advent“ kommt vom lateinischen Begriff „adventus“, was „Ankunft" bedeutet. Die Adventszeit hat deswegen mit der Ankunft zu tun. Aber von wessen Ankunft ist hier die Rede? Ankunft Jesu Christi! In dieser Zeit machen wir uns bewusst, dass Gott zu uns kommt. Das Kommen unseres Gottes zu uns erkennen wir aber nicht nur an der Geburt Jesu vor ca. 2000 Jahren oder an seinem zweiten Kommen in Herrlichkeit – wie in der Bibel zu lesen ist, – sondern auch – und das ganz besonders – an seiner täglichen Ankunft in unserem Leben. Die Hauptsache ist, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, zu uns kommt!

Da seine Ankunft oft nicht erkennbar ist, weil sie meist in der Stille und ohne große Erhebung passiert, müssen wir, um seine Anwesenheit wahrzunehmen, unsere Sensibilität schärfen. Als Jesus Christus vor 2000 Jahren geboren wurde, waren die Menschen zu beschäftigt, als dass sie erkennen konnten, dass der erwartete Messias geboren wurde. In der kleinen Stadt Bethlehem, in der Stille der Nacht in einem Stall, wurde Er geboren. Als Er aufwuchs und größer wurde und seine Botschaft der Liebe verkündete, glaubten nur wenige seiner Zeitgenossen, dass Er der Messias ist. Als ein Zeichen des Widerspruchs wirkte seine Anwesenheit im damaligen Nazareth und seinen umgebenden Städten. Seine Ankunft kann man nicht einfach als eine Geschichte erzählen. Denn Er kommt an jedem Tag im Leben jedes Menschen. Aber es sind immer nur die wenigen, die achtsam sind auf seine Anwesenheit.

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die uns während unserer Vorbereitung auf die Erstkommunion erzählt wurde. Gemäß der Geschichte sei Jesus Christus von einer Familie eingeladen worden. Er sollte diese Familie zu einem vereinbarten Termin besuchen. Da sie Jesus als einen angesehenen Menschen ansahen, habe sie sich sehr gut für seinen Besuch vorbereitet: sie habe verschiedenes Essen gekocht und einige gute Weine auf den Tisch gestellt. Zur vereinbarten Uhrzeit habe jemand an ihre Tür geklopft. Die Familie sei glücklich gewesen und habe gedacht, Jesus sei gekommen. Sie habe die Tür aufgemacht, aber da habe statt Jesus ein blinder Bettler vor der Tür gestanden. Die Familie sei wütend auf diesen Bettler gewesen und habe ihn weggeschickt und die Tür wieder zugemacht. Nach einer Stunde habe sie wieder ein Klopfen an der Tür gehört. Das sei aber ein Verkrümmter gewesen. Ihn habe die Familie auch weggeschickt. Noch drei bedürftige Menschen hätten nacheinander an ihre Tür geklopft und seien weggeschickt worden. Die Familie habe bis zur Nacht auf Jesus gewartet, aber Er sei nicht gekommen. Sie habe sich von Jesus getäuscht gefühlt. Als sie Jesus beim nächsten Mal getroffen habe, hätte sie Ihn zurechtgewiesen, weil sie gedacht habe, Jesus habe sie getäuscht. Jesus aber habe ihr erwidert: „Ich bin fünfmal zu euch gekommen, aber fünfmal habt ihr mich weggeschickt.“

Diese Familie hat also den Besuch Jesu fünfmal verpasst, ohne zu wissen, dass er in dem blinden Bettler, in dem Verkrümmten und in den hilfsbedürftigen Menschen zu sehen gewesen war. Sie hatte einen Jesus erwartet, der gar nicht mit ihren Mitmenschen identifiziert wurde.

Es gibt viele Menschen, auch vielleicht unter uns, die die Ankunft und den Besuch Jesu verpassen werden, obwohl sie in ihrem Zimmer einen schönen Adventskranz aufgestellt und schöne Adventsideen haben. Aber seien Sie achtsam, damit Sie die Anwesenheit Jesus wahrnehmen können in den verschiedenen Weisen, in denen Er Sie besuchen wird. Er könnte Sie besuchen in der Form eines Menschen, der Ihre Hilfe benötigt. Vielleicht auch in der Form eines Menschen, der Ihre Vergebung braucht. Verpassen Sie diese Möglichkeiten nicht. Verschärfen Sie Ihre Sensibilität für die Anwesenheit Jesu in Ihrem Leben. Er sucht nach Ihrer Achtsamkeit und die erneuerte Beziehung mit Ihm. Machen Sie Ihr Herz auf für Ihn. 



Evangelium vom 1. Adventssonntag im Lesejahr :

Das Kommen des Menschensohnes

Mk 13,24-37

In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.

Wir sehen rote Schäfchenwolken in einen leuchtenden Sonnenaufgang.
Es wird ein neues Leben in einer anderen Welt geben!
Foto: K. Stitz

Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.

Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Ein Security-Mann sorgt für Sicherheit.
Sei wachsam und sieh Deine Grenzen ...
Foto: Daniel Ernst, Quelle: Fotolia

In jener Zeit, sprach Jesus zu seinen Jüngern: Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.

Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.

Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen. Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen. Was ich aber euch sage, das sage ich allen:

Seid wachsam!





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276