Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 2. Adventssonntag Lesejahr: B

Innere Wegbereitung für den kommenden Herrn

In den heutigen Lesungen hören wir eine Stimme, die in der Wüste ruft und uns auffordert, den Weg des Herrn zu bereiten. Im Evangelium heißt es: „Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straße!“ Auch in der ersten Lesung haben wir gehört: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“ Liebe Schwestern und Brüder, es geht um einen Weg, den wir bereiten sollen: Den Weg des Herrn; eine Straße, die Gott gehört!

Wie wir wissen, jedes Ding hat seinen Weg. In Deutschland bahnt man entsprechende Wege für verschiedene Verkehrsmittel. Der Zug hat seinen Weg. Wir haben die Autobahn. Es gibt sogar Fahrradstraßen und Fußgängerüberwege. Jeder Weg hat seine Eigenschaften, die für die entsprechenden Verkehrsmittel geeignet sein müssen. Wir kennen diese gut.

Die Botschaft, die wir heute erhalten, ist, dass auch Gott seinen Weg hat. Der kommende Herr hat seinen Weg, den wir bereiten müssen, um Ihm entgegenzukommen. Sein Weg ist unser Herz: mein Herz und Ihr Herz. Wir sollen für Ihn diesen Weg bereiten. Aber wie? Die Straße soll geebnet werden. Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Stellen wir uns vor, was die Schlucht, der Berg und der Hügel bedeuten, wenn sie sich auf einer Alltagsstraße befänden. Diese sind nur zu erwarten, wenn man eine abenteuerliche Reise machen möchte, aber nicht auf einer normalen Straße; denn sie würden die Fortbewegung auf der Straße fast unmöglich machen.

Diese Dinge – Schlucht, Berg und Hügel – bezeichnen auch spirituelle Symbole. Der Berg und der Hügel bezeichnen das, was da in unserem Leben zu finden ist, was den Weg Jesu blockiert – nämlich die Sünde, die Angst, usw. –, aber die kommt durch unser Tun. Die Schlucht dagegen bedeutet, dass etwas in unserem Leben fehlt. Es ist ein fehlendes Ding, das eine Lücke lässt, die den Weg Jesu zerstört, wie eine Schlucht die normale Straße zerstören kann. Da könnte man die Liebe nennen. Wenn in unserem Leben die Liebe fehlt, kann Jesus keinen Durchgang zur Welt durch uns finden. Denn die Liebe ist die Brücke, durch die Jesus einen Zugang zu den anderen und zur Welt hat. Wenn der Mangel an Liebe nicht aufgefüllt wird und die Berge und Hügel der Sünde und Angst nicht gesenkt werden, bleibt der Weg des Herrn krumm und uneben.

Es gehört zur Adventszeit, dass wir überlegen, wo noch die Berge und Hügel der Sünde und Angst in uns sind, und wo - oder wie sehr - es uns noch an Liebe fehlt. Also, wir erwarten das Kommen des Herrn nicht nur für uns und in unserem Leben, sondern auch, dass er durch uns einen Weg zu den anderen findet. Deswegen wäre es sinnvoll zu überlegen, ob ich das Sakrament der Beichte brauche. Auch kann ich überlegen, ob es möglich ist, Jesus jeden Tag etwas mehr Zeit zu schenken im Gebet und für das Nachsinnen über sein Wort, um in meinem kalt gewordenen Herzen das Feuer der Liebe wieder neu zu entfachen.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus kommt. Wir erwarten seine Ankunft. Zum einen soll die Erwartung nicht so laut und schrill sein, dass es uns zur Unruhe bringt. Es soll eine Suche nach innerer Ruhe und innerem Frieden sein. Wir können auch die jetzige Situation, in der nicht viele Begegnungen und Treffen in der Öffentlichkeit stattfinden sollen, als eine Chance zur inneren Begegnung mit uns selbst und mit dem Herrn nutzen. Durch innere Ruhe und inneren Frieden können wir die Nöte der anderen besser sehen. Wenn der Weg des Herrn bereitet ist, kommt Er nicht nur zu uns, sondern auch durch uns in die Welt. Dann werden alle Menschen das Heil sehen und erleben, das von Ihm kommt.

Es gibt viele angsterzeugende Situationen in unserer Welt, in unserer Familie, in unserer Umgebung, in die Jesus eintreten will, wenn wir ihm denn unser Leben und unser Herz überlassen. Die vernachlässigten Kinder, die fast zerstörte Ehe, die ungepflegten alleinstehenden Älteren, die Kranken und alle Menschen, die so leicht übersehen werden, sie alle brauchen offene Herzen und hilfsbereite Hände, die eine Brücke für Jesus bauen wollen, so dass Er sie erreichen kann. Vielleicht sind wir direkt von einer dieser Situationen betroffen. Vielleicht sind sie auch nur in unserer Umgebung zu finden. Unser Herz wird geöffnet sein und unsere Hände hilfsbereit für solche Situationen, wenn wir unser Leben so gestalten, dass es der Weg Jesu wird. Jesus will, dass alle Menschen das Heil sehen, wenn Er kommt. Wie und wo kann ich dabei helfen?                                                                                                                                                                 



Evangelium vom 2. Adventssonntag im Lesejahr :

Das Auftreten des Täufers

Mk 1,1-8

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes:

Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht:

Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

Joh der Täufer weist mit übergroßem Zeigefinger auf den gekreuzigten Christus hin!
Johannes weist auf Jesus, dem Lamm Gottes, den Erlöser und Retter hin!
Maler: Mathis Gothart Grünewald, Werk: Hl. Johannes der Täufer

So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.

Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.



Er verkündete:

Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276