Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Wenn wir glauben, dass Gott auch eine Person ist, die uns zum Handeln ruft!

Ich war einmal bei einem Glaubensaustausch und jemand erzählte, wie ihm seine Gebete und die persönliche Beziehung mit Gott geholfen haben, Fortschritte in seinem Geschäft und in seinem Arbeitsleben zu machen. Und ein anderer hat als Rückmeldung davor gewarnt, unseren Fortschritt im praktischen Leben Gott zuzuschreiben und dabei nicht die Verantwortung für das zu übernehmen, was wir tun oder erreichen. Er meinte, dass das ein abergläubischer Wahn sein könnte. Ich habe mich dann gefragt: Dürfen wir Christen unseren Fortschritt und Erfolg Gott und Seiner Hilfe zuschreiben oder widmen? Vielleicht kommt noch eine grundlegendere Frage hinzu: „Greift Gott in konkreten Situationen in unserem Leben ein, so dass wir Ihm auch das Ergebnis solcher Situationen zuschreiben können?“

Meine Antwort: Wir alle leben mit Menschen, die unser Leben so beeinflusst haben, dass wir auch ihnen unsere Fortschritte im Leben zuschreiben können oder sogar müssen. Das bedeutet nicht, dass wir auf diese Menschen die Verantwortung für unser Handeln abwälzen, sondern, dass wir anerkennen, dass wir nicht ohne ihre Hilfe so etwas erreicht hätten. Wer Gott als eine Person erlebt, die uns auch zum konkreten Handeln ruft, der wird keinen Zweifel daran haben, dass Gott in konkreten Situationen in unser Leben eingreifen kann. Vielleicht haben Sie auch schon erlebt, wie Ihnen das Gebet oder sogar ein Wort aus der Heiligen Schrift geholfen hat, in einer bestimmten Situation so oder so zu handeln. Unser Glaube an den persönlichen Gott lässt uns erkennen, dass Gott uns zum Handeln in konkreten Situationen rufen kann, dass Er unser Leben und unsere Welt beeinflussen will.

Das Problem ist nur, dass wir oft – wie Samuel in der heutigen Lesung – nicht fähig sind, seinen Ruf oder seine Stimme zu erkennen und zu unterscheiden. Dreimal hat Samuel Gottes Ruf gehört, aber er ist immer zu Eli gegangen, weil er die Stimme für Elis Stimme gehalten hat. Aber dieser Samuel wird durch persönliche Erfahrungen lernen, wenn Gott ihn ruft. Er musste erst zum Glauben kommen, dass Gott eine Person ist, bevor er eine solche Beziehung mit Gott aufbauen konnte. Er suchte auch ernsthaft nach dem wahren Besitzer der Stimme, die er gehört hatte. Nachdem Johannes der Täufer - im heutigen Evangelium - seinen Jüngern das Lamm Gottes gezeigt hat, konnten die Jünger Jesus nachfolgen und fragen, „Wo wohnst Du?“ Sie konnten Jesus als eine Person treffen und sich mit ihm unterhalten. Eine persönliche Beziehung entsteht zwischen zwei Personen. Und jede Seite muss auch überzeugt sein, dass der andere sprach- und antwortfähig ist, bevor ein Gespräch entstehen kann.

Es gibt aber unglücklicherweise viele Lehren und Überzeugungen, die viele Christen zum Zweifel an die Wirklichkeit eines persönlichen Gottes gebracht haben. Sie behaupten: Gott sei einfach eine Kraft, die sich gar nicht persönlich auf den Menschen und die Welt beziehe oder sogar, dass alles, was wir über Gott sagen und erfahren innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft sein müsse. Viele kommen deswegen zwar zu Gott, aber leider nicht mit der Überzeugung, dass Gott eine Person ist, und dass Er sprach- und antwortfähig ist. Sie glauben einfach nicht daran, dass ein Gespräch mit Gott möglich ist.

Liebe Schwestern und Brüder, ich weiß nicht, wie Sie bisher Gott erfahren haben. Ich weiß nicht, ob Sie das Vertrauen haben, dass Gott Sie persönlich kennt und Sie auch persönlich ruft. Aber eines ist mir klar, wir können keine persönliche Beziehung mit Gott haben, wenn wir der Überzeugung sind, dass Er keine Person ist; wir können uns nicht mit Ihm unterhalten, wenn wir nicht daran glauben, dass Er sprach- und antwortfähig ist. Martin Buber hat einmal geschrieben: „Gott wohnt, wo man Ihn einlässt.“ Wir werden fähig sein, Gottes Ruf zu hören, wenn wir der Überzeugung sind, dass Er wirklich spricht, und dann auch, dass Er uns persönlich ansprechen kann.



Evangelium vom 2. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Die Berufung der ersten Jünger

Joh 1,35-42

In jener Zeit stand Johannes wieder am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Joh seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus.

Jesus steht am Umfer eines Sees. Zwei Fischer auf dem See holen ihre netze ein!
Berufung der Jünger Petrus und Andreas
Maler: Duccio di Buoninsegna, Quelle: Wikimedia Commons

Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.

Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Joh gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte - Christus. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte:

Du bist Simon, der Sohn des Joh, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels - Petrus.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276