Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Mach dich auf den Weg und folge mir nach!

Haben Sie schon einmal eine innere Unruhe erlebt, die in Ihnen den Impuls weckt, einen neuen Weg zu suchen oder sich um eine Veränderung in Ihrem Leben zu bemühen? Oft entsteht diese Unruhe aus einer Begegnung oder aus einem Erlebnis, durch das wir plötzlich herausfinden, wie unzufrieden wir sind mit unserem bisherigen Leben oder mit einer Situation in unserer Welt. Vielleicht hat diese Unzufriedenheit ihren Ursprung in dem Wunsch einer Verbesserung unserer Lebensperspektive oder in einer neuen Erkenntnis, die diese Begegnung in uns auslöst. Wenn wir dem Ursprung der Unruhe ernsthaft nachgingen, würde uns schon die Tür eines Weges zur Veränderung und zu einem neuen Leben geöffnet.

In den Lebensgeschichten einiger berühmter Heiligen entdeckt man oft diesen Pfad: erst eine Begegnung und ein Erlebnis, dann das Entstehen der Unruhe oder Unzufriedenheit über den bisherigen Zustand des eigenen Lebens oder einer Situation, dann die Bemühung um Veränderung oder die Aufforderung, etwas unbedingt zu tun. Das war zum Beispiel die Erfahrung des Jona in der heutigen Lesung. Die Sicht auf die schlimme Situation Ninives brachte Jona zur Unruhe, bis er sich entschied, Ninive die Botschaft zur Umkehr zu verkünden. Erst danach machte er sich auf den Weg nach Ninive, um seinen Auftrag zu erfüllen. Seine Motivation war es, von Ninive eine bevorstehende Katastrophe abzuwenden.

Im Evangelium haben wir von der Berufung der ersten vier Jünger Jesu – Simon und Andreas, Jakobus und Johannes – gehört. Man findet das gleiche Muster in dieser Geschichte: die Begegnung mit Jesus hat ihnen eine neue Perspektive für ihr Leben aufgezeigt. Sie gaben ihren Beruf sofort auf, um eine neue Aufgabe zu übernehmen. Wie konnte es sein, dass diese erfahrenen Fischer ihren Beruf so einfach aufgeben konnten, um Jesus nachzufolgen? Nein, das ist nicht so einfach passiert. Sie sind Jesus begegnet, haben ihm zugehört und waren von seiner Botschaft tief überzeugt. Sie spürten, dass diese Botschaft ihnen eine erfüllendere Aufgabe versprach. Die Tiefgründigkeit des Evangeliums Jesu löste in ihnen eine tiefe Unzufriedenheit mit ihrem bisherigen Beruf, ja, mit ihrem ganzen bisherigen Leben aus. Erst ab diesem Moment konnten sie die Entscheidung treffen, auf dem Weg mit Jesus zu gehen. Statt Fischer zu bleiben, wollten sie Menschenfischer werden.   

Liebe Schwestern und Brüder, eine Berufung beginnt oft mit einer Erkenntnis, die eine innere Unruhe oder Unzufriedenheit mit dem bisherigen Zustand des eigenen Lebens oder der Welt auslöst. Eine junge Frau hat eine ganze Nacht hindurch die Lebensbiografie einer großen Heiligen gelesen. Nachdem sie das Buch gelesen hatte, schloss sie das Buch und sagte zu sich: „Das ist die Wahrheit.“ Sie war eine Atheistin. Aber in jener Nacht beschloss sie, künftig als Christin zu leben. Später wurde sie auch heiliggesprochen. Ich spreche von der heiligen Edith Stein.

Auch heute ruft uns Gott. Es macht nichts, ob wir jung oder alt sind. Er ruft uns durch Begegnungen. Er ruft uns in der Tiefe unseres Herzens, indem Er in uns eine innere Unruhe oder Unzufriedenheit auslöst, vielleicht über den bisherigen Zustand unseres Lebens, oder über die Situation unserer Familie, oder sogar über den Zustand unserer Gesellschaft. Diese Unruhe könnte auch über die Situation eines Menschen oder mehrerer Menschen sein. Wir werden aufgefordert, etwas anderes oder sogar Neues in dieser Situation zu tun. Der Herr ruft Sie durch solch eine innere Unruhe, damit Sie sich auf den Weg mit Ihm machen. Wollen Sie Ihm nachfolgen – wie Jona, und die vier Jünger? Hören Sie mal genauer hin, um herauszufinden, was Sie zu tun berufen sind! Vielleicht ist Ihnen jetzt noch nicht klar, was genau zu tun ist. Wir beten mit dem Psalmisten: „Herr, zeige mir deine Wege, lehre mich deine Pfade! Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heiles. Auf dich hoffe ich den ganzen Tag!“



Evangelium vom 3. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Die ersten Jünger

Mk 1,14-20

Nachdem man Joh den Täufer ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Jesus steht im Mittelpunkt vieler Menschen am See.  Zwei der Jünger knieen vor ihm.
Maler: Ghirlandaio Domenico,
Berufung des Heiligen Petrus,
Sixtinische Kapelle

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Joh; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sofort rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276