Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 6. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Aussätzige gibt es in jeder Gesellschaft: Was wir aber von Jesus lernen können, sind Mitleid und Barmherzigkeit ihnen gegenüber

Das heutige Evangelium handelt von der Begegnung eines Aussätzigen mit Jesus. Damals war der Aussatz eine ansteckende und erbarmungslose Krankheit, die den Menschen entstellte und das Symbol der Unreinheit war. Daher waren die Aussätzigen der Inbegriff allen Übels, Ausgestoßene, „Exkommunizierte“, die man meiden musste wie die „Pest“. Sie galten sogar als von Gott verflucht. Daher musste der Aussätzige außerhalb der Wohngebiete bleiben und den Vorübergehenden seine Anwesenheit signalisieren. Er wurde von der zivilen und der religiösen Gemeinschaft ausgegrenzt. Er war wie ein wandelnder Toter.

Je tiefer wir das körperliche, soziale und religiöse Schicksal der Aussätzigen betrachten, desto mehr kann uns die heilende Begegnung des Aussätzigen mit Jesus berühren. Diese Heilung geht in drei kurzen Schritten vor sich: das Bitten des Kranken, die Antwort Jesu, die Folgen der wunderbaren Heilung. Sie bezeichnet Mut, Glauben, Mitleid und Barmherzigkeit. Vonseiten des Aussätzigen sehen wir einen großen Mut: Er sollte isoliert bleiben und durfte nicht den anderen Menschen begegnen. Aber seine Suche nach Heilung und sozialer Begegnung führte ihn trotzdem zu Jesus. Auch wenn er von anderen Menschen isoliert war, glaubte er, dass er nicht auch noch von Jesus ausgegrenzt würde. Seine Begegnung mit Jesus galt nicht nur als ein Mut zeigender Akt, sondern auch als ein Zeichen seines großen Glaubens. Seine Heilung begann mit diesem Mut und diesem starken Glauben. Dann folgte sein Bitten an Jesus.

Von Jesu Seite erkennen wir Mitleid und Barmherzigkeit gegenüber dem Aussätzigen. Seine Antwort auf die Bitte des Mannes zeigt uns, wie die Barmherzigkeit Gottes jede Barriere überwindet. Jesus berührt den Aussätzigen ohne jegliche Angst, von der Krankheit angesteckt zu werden. Diese Begegnung Jesu mit dem Aussätzigen deutet aber auch darüber hinaus darauf hin, wie Gott selbst zu uns Sündern gekommen ist. Er hält keinen Sicherheitsabstand ein und reagiert nicht, indem er jemand anderen bevollmächtigt, sondern er setzt sich selbst direkt der Ansteckung durch unser Übel aus. Und so wird gerade unser Übel zum Ort des Kontaktes: er, Jesus, nimmt unser krankes Menschsein von uns, und wir nehmen von ihm sein gesundes und heilendes Menschsein an.

Dies geschieht jedes Mal, wenn wir mit Glauben ein Sakrament empfangen: Jesus, der Herr, »berührt« uns und schenkt uns seine Gnade. In diesem Fall denken wir besonders an das Sakrament der Versöhnung, das uns vom Aussatz der Sünde heilt. Erneut zeigt uns das Evangelium, was Gott angesichts unseres Übels tut: Gott kommt nicht, um über den Schmerz »eine Vorlesung zu halten«; er kommt auch nicht, um das Leid und den Tod aus der Welt zu schaffen; er kommt vielmehr, um die Last unseres Menschseins auf sich zu nehmen, um es bis zum Ende zu tragen, um uns von der Wurzel her und endgültig zu befreien. So bekämpft Christus die Übel und die Leiden der Welt: indem er sie auf sich nimmt und durch die Kraft der Barmherzigkeit Gottes besiegt.

Was Jesus uns zeigt, ist, dass wir alle trotz des Übels unseres Menschseins nicht von Gott ausgegrenzt sind. Sein Mitleid und seine Zärtlichkeit können wir nachahmen, indem auch wir mit Mitleid und Zärtlichkeit auf die Situation der Ausgegrenzten unserer Gesellschaft schauen und auf sie antworten. Wie wir wissen, jede Zeit und jede Gesellschaft hat ihre Aussätzigen. Mutter Teresa von Kalkutta hat für unsere Zeit formuliert: „Die größte Krankheit heute ist nicht die Lepra oder die Tuberkulose, sondern vielmehr unerwünscht zu sein, ohne Fürsorge und verlassen von allen. Das größte Übel ist der Mangel an Liebe und Nächstenliebe, die schreckliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Nachbarn, der am Wegesrand lebt, von Ausbeutung, Verderbnis, Armut und Krankheit heimgesucht.“

Heute am 14.02., dem Valentinstag, dürfen wir als Christen und Christinnen daran denken, wie wir den Ausgegrenzten in unserem Leben und in unserer Gesellschaft Gottes Liebe zeigen können. Es sind diejenigen, vor denen wir Berührungsängste haben. Es sind diejenigen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen oder sogar an den Rand gedrängt worden sind – die Isolierten, die Verkannten, die Hilfesuchenden, die Abgeschobenen, usw.  Lassen wir uns von Jesus berühren und geben wir diese Berührung weiter. So kann unser Alltag zum Ort werden, an dem Heil und Heilung geschieht.



Evangelium vom 6. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Die Heilung eines Aussätzigen

Mk 1,40-45

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.

Jesus beugt sich zu einem Knieenden und berührt ihn am Kopf!
Maler: Rembrandt, Jesus heilt einen Aussätzigen, Quelle: Amsterdam Rijksprentenkabinet

Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein!

Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.

Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276