Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 1. Sonntag in der Fastenzeit Lesejahr: B

Kehrt um und glaubt an die gute Nachricht

Die Botschaft der Fastenzeit kann man in diesem Satz – „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ – zusammenfassen. Ich denke, der Satz ist uns bekannt. Vielleicht haben wir ihn auch am Aschermittwoch beim Empfang der Asche mit auf den Weg bekommen, da der Priester sagt - entweder: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ oder „Bekehre dich und glaube an das Evangelium.“ Diese beiden Aussagen haben etwas gemeinsam: sie rufen uns zu, uns selbst nicht zu überschätzen, sondern in aller Demut anzunehmen, dass wir Rettung und Gottes Hilfe brauchen. Also, unsere Menschlichkeit und Hilfsbedürftigkeit anzuerkennen.

Jesus hat uns zwar die gute Nachricht gebracht, dass Gott uns mit seiner unendlichen Liebe nahe ist, vor allem in seinem Erlösungsplan, der in Jesus Christus verwirklicht wurde. Man kann aber diese gute Nachricht nicht einfach und selbstverständlich in unserer alltäglichen Denkweise verstehen und annehmen, sondern nur in dem verinnerlichten Verständnis, dass wir Menschen Gottes Hilfe auf jeden Fall brauchen. Umkehr und der Glaube an die gute Nachricht gehören deswegen zusammen: es benötigt Umkehr, damit man das Evangelium überhaupt erst annehmen kann. Denn ohne Umkehr – besonders die des Denkens – kann das Evangelium für uns keinen Sinn haben.

Aber was bedeutet Umkehren? Alles, was wir im Leben tun, und wie wir uns verhalten, wird grundsätzlich von der Vorstellung bestimmt, die wir über uns selbst und über die Welt haben. Die Frage ist, welche geistliche Vorstellung habe ich über mich selbst? Wer denke ich, dass ich bin? Wenn ich denke, ich bin der Herrscher meines Lebens und kann alles in meinem Leben zuordnen, wie ich will, dann verhalte ich mich auch nach dieser Vorstellung. Beginnend mit dem Satz beim Empfang der Asche am Aschermittwoch erinnert uns die Fastenzeit aber daran, dass wir Menschen der Faktizität, d.h. der Gegebenheit der Endlichkeit, ausgesetzt sind: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ Und wenn wir das Beste aus dieser Faktizität machen wollen, müssen wir zuerst unsere hilfsbedürftige Situation anerkennen - und annehmen. Daher beginnt Umkehr mit der des Denkens.

Die „Umkehr“, die Jesus von uns Menschen möchte, ist daher zunächst ein „Umdenken“. Er möchte mit dem Umkehrruf zu einer neuen Sichtweise der Situation unseres Lebens und der Welt anregen. In dieser neuen Sichtweise soll uns wieder bewusst werden, dass wir Gott auf jeden Fall brauchen. Sie macht uns bewusst, welche Illusion es ist, zu denken, dass wir uns selbst aus der Lage unserer Endlichkeit befreien könnten. Die Illusion der Selbstrettung führt den Menschen zur Sünde, die alles das bedeutet, was er tut, was ihn von Gott trennt. Umkehr kann dann für mich bedeuten, dass ich von meiner bisherigen Denkweise der Selbstrettung ablasse. Das heißt, alles loslassen, was mich unabhängig von Gott macht, um freier zu werden für ihn. Denn nur über Gott allein kann ich mich selbst entdecken. Umkehr macht mich frei für die gute Nachricht, dass Gott mir mit seiner unendlichen Liebe beisteht.

Umkehr gelingt mir aber nicht durch eigene Leistung. Wie Prof. Ludger Honnefelder in seiner Aschermittwochspredigt geschrieben hat: „Die Umkehr, die uns zu uns selbst befreit, ist kein moralischer Kraftakt, sondern Geschenk: Gnade. … Gott ist der Handelnde, er ist der ‚Andere‘, über den allein ich mich finde, oder besser, der mich findet und mich zu mir selbst befreit.“

Verborgen im Ruf Jesu zur Umkehr ist auch der Ruf, mit Ihm (Jesus) nach Jerusalem zu gehen. Durch Fasten, Beten und Almosengeben lässt uns die österliche Bußzeit mit Jesus nach Jerusalem gehen. Es ist eine Reise, durch die wir ins Leben Gottes hineinsterben, und das neue Leben geschenkt bekommen. Lasst uns beten, dass Gott uns hilft, zu entdecken, wo wir der Umkehr bedürfen, und dass wir dazu seine begleitende Gnade annehmen. Amen!



Evangelium vom 1. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr :

Die Versuchung Jesu

Mk 1,12-15.

In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste.

Der Teufel zeigt Jesus die Welt
Der Teufel zeigt Jesus die Welt!
Maler: Duccio di Buoninsegna,
Quelle: Wikimedia Commons

Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach:

Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.

Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276