Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum Gründonnerstag Lesejahr: B

Die Eucharistie und die Grundhaltung der Dankbarkeit

Liebe Schwestern und Brüder, nicht oft denken wir daran, dass wir viel zu viel von Gott beschenkt worden sind. Nicht oft erkennen wir, dass unser Leben und alles, was wir im Leben erfahren und erleben dürfen, auch Geschenke Gottes sind. Ein Geschenk ist das, was wir erhalten, nicht, weil wir es verdienen, sondern weil der Geber an uns denkt. Ein Geschenk ist deswegen kein Verdienst, sondern ein Zeichen der Liebe, das wir unverdient erhalten. Weil wir aber oft nur das im Auge behalten, was noch nicht gut funktioniert oder wo unser Leben noch nicht gelungen ist, verlieren wir die vielen Gründe aus den Augen, für die wir danken sollen. Dankbarkeit ist aber eine Grundhaltung, die unser Leben schön und glücklich machen kann.

Lasst uns jetzt eine kurze Zeit nehmen, um die Bedeutung der Dankbarkeit im Zusammenhang mit der Eucharistie zu betrachten. Wir wissen ja, dass das Fest, das letzte Abendmahl, in erster Linie mit der Eucharistie zu tun hat. Beim letzten Abendmahl hat Jesus die Eucharistie als ein Sakrament eingesetzt. Er fordert seine Jünger auf: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Auch in der ersten Lesung haben wir gehört, was der Apostel Paulus dazu schreibt: „Sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Christi, die wir bei der Eucharistiefeier immer neu begehen, ist aber keine bloße Erinnerung dessen, was in der fernen Vergangenheit geschehen ist, sondern eine jetzige Zusage zu einer Beziehung, in der wir immer weiter wachsen können – die Beziehung mit Jesus Christus.

In der Eucharistie schenkt uns Jesus sich selbst – ein Memento dessen, was Er durch sein Leiden und seinen Tod der Welt gegeben hat. Aber was eigentlich bedeutet das Wort „Eucharistie“? Eucharistie bedeutet: Danksagung feiern. Eu-charis-tein kann man so übersetzen: „für eine 'Gabe' (Charis – etwas, das man gratis erhält) Danke sagen.“ Beim letzten Abendmahl führt Jesus in eine Danksagungsfeier ein, angesichts seines bevorstehenden Leidens und Sterbens. Damit macht Er zur Spitze eine Grundhaltung, die sein Leben tief geprägt hat: die Grundhaltung der Dankbarkeit.

Gegenüber seinem Vater, und zwar in allen Situationen, ist die Haltung Jesu immer die der Dankbarkeit. Als viele Menschen seine Lehre ablehnten, richtete Er seinen Blick auf seinen Vater und betete: „Ich preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und den Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.“ (Mt 11,25). Das war eine Situation, wo ich gejammert und geklagt hätte, wäre ich an seiner Stelle gewesen. Vor dem Grab seines Freundes Lazarus, der vier Tage vorher gestorben war und seitdem im Grab lag, erhob Jesus, trotz der schmerzhaften Situation, in der Er auch weinte, seine Augen und sprach: „Vater, ich danke dir, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 11,41-42). In jeder Situation hat Er dem Vater gedankt, weil Er glaubt, alles vom Vater erhalten zu haben. Auch jetzt, angesichts seines bevorstehenden Leidens und seines Todes, nahm Er das letzte Abendmahl als einen Anlass, uns zu zeigen, dass Er auch sein Leiden und seinen Tod als ein Geschenk von oben angesehen hat, auch wenn es schmerzhaft ist.

Wer sein Leben als ein Geschenk ansieht und annimmt, der kann sich den anderen schenken. Genau das hat Jesus durch sein Leiden und seinen Tod getan. Er schenkt uns sich selbst in der Eucharistie als das lebendige Vorzeichen seiner Opfergabe am Kreuz. Und in diesem Geschenk ist Er nicht nur immer gegenwärtig, sondern Er will uns auch begegnen und uns seine Grundhaltung der Dankbarkeit lehren.

„Dankbarkeit als religiöse Grundhaltung hat ihren Ursprung im Staunen darüber, dass nichts selbstverständlich ist“, so erklärt Andreas Knapp das in seinem wunderbaren Buch: „Vom Segen der Zerbrechlichkeit. Grundworte der Eucharistie“. Staunen darüber, dass nichts selbstverständlich ist! Liebe Schwestern und Brüder, wir jammern und klagen über zu viele Dinge, weil wir viele schöne Gaben, die wir gratis erhalten haben, zum festen Besitz machen wollen. Wenn wir aber diese Gaben zum festen Besitz machen, dann denken wir, sie gehörten uns, sie dürften uns nie fehlen. Und, wenn wir sie verlieren, klagen wir viel zu viel darüber.

Alles ist ein Geschenk. Ob ich von meiner Gesundheit spreche oder von den schönen Beziehungen, die mein Leben prägen, oder von der Gelegenheit, die Ostergottesdienste präsent zu feiern, es sind alles Geschenke, für die ich Danke sagen soll. Auch die schwierigen Erfahrungen und Situationen, die mein Leben schwer machen, können auch als Geschenke angesehen werden, wenn ich das Vertrauen habe, solche Situationen geben mir die Gelegenheit, Gottes Beistand und Liebe zu spüren. Denn nach solchen Erfahrungen kann ich zurückblicken und erkennen, von Gott getragen worden zu sein. Dann wären sie auch schon eine Gelegenheit zur Vertiefung meiner Beziehung mit Gott. Wie wäre es, wenn ich jeden Morgen mindestens drei Dinge suche, für die ich dankbar bin, und dafür wirklich Danke sage? Wie wäre es, wenn ich auch in schwierigen Situationen, Gott danke, weil Er mich trägt? Mein Leben wäre schöner und heller!



Evangelium vom Gründonnerstag im Lesejahr :








Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276