Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 6. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Warum auf dem Berg?

Es ist sehr interessant für mich, dass Jesus seine wichtige Lehre auf dem Berg gehalten hat. Und man könnte sich fragen: „Warum hat Jesus seine wichtige Lehre auf dem Berg gehalten?“ - „Warum ist der Begriff „Berg“ sehr wichtig, wenn man von Begegnungen mit Gott spricht?“ - „Warum hat Gott wichtige Begegnungen mit den Menschen auf dem Berg gehabt?“ - „Was für eine Bedeutung hat der Begriff „Berg“ in diesem Sinne?“ Diese Fragen sind wichtig. Damit beschäftige ich mich in dieser Predigt.

Im Alten Testament bezeichneten Berge Orte, an denen die Menschen Gott besonders begegneten. Es sind Orte, an denen Gott besonders nahe ist. Aus den ersten fünf Büchern der Bibel, „dem Pentateuch“, bekommt man den Eindruck, dass das Motiv des Berges zentral für die Theophanie – die Erscheinung Gottes – ist. Fast immer, wenn Gott den Menschen erschienen ist, geschah das auf einem Berg. Wir kennen die Geschichte von Noach, Abraham, Mose und vielen anderen Figuren im Alten Testament gut. Ihre Begegnungen mit Gott waren immer auf dem Berg. Warum? Wie schon gesagt, Berge bezeichnen örtlich die Nähe Gottes. Sie sind Orte, wo sich – bildlich gesprochen – Himmel und Erde verbinden.

Es ist deswegen nicht überraschend, dass Jesus sein Leben und wichtige Taten mit diesem Zeichen der Nähe Gottes verbindet. Wenn er in Einsamkeit betet, zieht er sich oft auf einen Berg zurück (vgl. Mt 14,23; Joh 6,15, usw.). Auf den Berg führte er die berufenen Apostel, um sie zu lehren. Wie wir im heutigen Evangelium gehört haben, fand seine wichtige Lehre auf dem Berg statt (vgl. auch Mt 5,1-5). Ebenso ereignete sich die Verklärung des Herrn auf einem Berg (ein „hoher Berg“) (vgl. Mt 17,1).

Wir blicken in ein Tal i JerusalemDer Berg spielt deswegen eine äußerst wichtige Rolle bei der Begegnung mit Gott. Denn dort ist man bildlich näher bei Gott und einfacher mit Gott verbunden. Wir dürfen aber den Begriff „Berg“ nicht rein örtlich betrachten. Der Zustand des Geistes kann auch diese Rolle spielen, die man in der Bibel dem Berg zuschreibt. Wichtiger als die örtliche Ebene, wo wir Gott begegnen, ist der geistliche Zustand, in dem wir Ihm begegnen. Man kann also auf einen Berg kommen, ohne geistlich bereit zu sein, Gott wirklich zu begegnen. In diesem Fall hilft die örtliche Ebene kaum jemand. Jesus hat sogar zur Frau am Jakobsbrunnen gesagt: „Weder auf diesem Berg (Garizim) noch in Jerusalem, sondern im Geist und in der Wahrheit soll Gott fortan angebetet werden“ (Joh 4,21). Also, im Geist und in der Wahrheit. Der örtliche Berg ist hilfreich bei der Begegnung mit Gott, insofern er dabei unseren geistlichen Zustand fördert. Das erinnert mich an die Beschreibung des Schweizer Theologen Josef Pfammatter von seiner Erfahrung in den Bergen: „Bergwanderungen sind eine besondere Art der ‚Auszeit’. Von dem Augenblick, da der Mensch den Alltag hinter sich lässt, steigt in seinem Inneren ein Gefühl von Freiheit auf, das immer beherrschender wird, je näher das Ziel rückt. Nicht mehr die Sorgen, auch nicht das unaufhörliche ‚Ich sollte noch ...’ bestimmen sein Lebensgefühl. Die Seele weitet sich: Sie wird fähig, Freude zu empfinden, die Schönheit der Schöpfung wahrzunehmen und dafür dem Schöpfer zu danken.“ Pfammatters Erfahrung zufolge änderte sich der Zustand des Geistes, wenn man auf dem Berg ist, weil man aus der Unruhe des Alltags aussteigt - während man auf dem Berg ist.

Gott ist vielen Menschen auf dem Berg erschienen, nicht wegen des örtlichen Zustands der Berge, sondern wegen des veränderten geistlichen Zustands der Menschen. Auf dem Berg bekommt der Mensch eine andere Sicht auf die Welt, das Leben und einen tieferen Einblick in die Realität. Wenn Jesus auf dem Berg all seine wichtigen Taten wirkt und seine Lehre hält, deutet er die Wichtigkeit des geistlichen Befindens an, in dem man Gott wirklich begegnen und seine wichtige Lehre verstehen kann. Er wollte seine Jünger lehren, ihren geistlichen Zustand zu erheben, um Gott wirklich zu begegnen.

Liebe Brüder und Schwestern, ob wir in der Kirche, allein zu Hause oder auf dem Berg sind, wir können Gott nur wirklich begegnen, wenn unsere geistliche Haltung zu ihm erhoben ist. Wir tun das, indem wir aus der Unruhe des Alltags aussteigen und der Gegenwart Gottes alle uns mögliche Aufmerksamkeit schenken. So gewinnen wir die innere Fähigkeit, die Schönheit der Gegenwart Gottes wahrzunehmen, so geschieht die geistliche Kommunikation mit Gott. Wir beten um die Gnade auch jetzt, in diesen höheren Zustand des Geistes aufzusteigen, damit wir Gott begegnen.

Foto: Holger Winkelmann 2018



Evangelium vom 6. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Die Heilung eines Aussätzigen

Mk 1,40-45

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.

Jesus beugt sich zu einem Knieenden und berührt ihn am Kopf!
Maler: Rembrandt, Jesus heilt einen Aussätzigen, Quelle: Amsterdam Rijksprentenkabinet

Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein!

Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.

Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.





Ausdruck als pdf im A4 Format
Druckversion


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276