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Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 4. Sonntag der Osterzeit Lesejahr: B

Meine Schafe hören auf meine Stimme

Wer die tiefe Beziehung versteht, die zwischen einem Hirten und seinen Schafen ist, kann schon eine gute Kenntnis haben von der Bedeutung der Aussage Jesu im heutigen Evangelium, dass seine Schafe auf seine Stimme hören. Wie sieht eigentlich die Beziehung zwischen einem Hirten und seinen Schafen aus? Mit der Geschichte der Wanderschafhaltung, bei der der Hirt mit seinen Schafen meistens unterwegs ist, kann man besser verstehen, wie tief diese Beziehung ist. Das Leben des Hirten ist ganz eng verbunden mit dem seiner Schafe. Er kümmert sich um fast alles, was für das Leben der Schafe notwendig ist – er sucht geeignete Weidegebiete für die Schafe aus, führt sie zum Ruheplatz und zum Wasser, schützt sie vor gefährlichen Tieren und sorgt dafür, dass die Verletzten unter ihnen schnell geheilt werden. Er verbringt meist seine Zeit mit ihnen. Und währenddessen gewöhnen sich die Schafe an seine Stimme. Wenn er spricht, wissen die Schafe schon, worum es geht, sie hören es an der Stimme – ob er sie auffordert, zu gehen oder zu kommen, erkennen sie an seiner Stimme. Mit dieser Annährung, die zwischen den Tieren und einem Menschen stattfindet, bezeichnet Jesus die Beziehung zwischen ihm und uns. Wie ein Hirt an der Welt seiner Schafe aktiv teilnimmt, so nimmt Gott teil an unserem Leben und unserer Welt. Und wenn wir wirklich zu seinen Schafen gehören, können wir seine Stimme erkennen und auf sie hören.

Die Frage ist jedoch: Wieviel Zeit verbringen wir eigentlich mit Jesus, um uns an seine Stimme zu gewöhnen? Beziehung ist immer ein Faktor der Zeit und gemeinsamer Entwicklung. Beziehung wirkt nicht wie eine Magie, die im Leben eines Menschen wirken könnte, ohne eine bewusste Entscheidung dafür getroffen zu haben. Man muss sich bewusst bemühen, sich Gott anzunähern und mit ihm in Kontakt zu bleiben, bevor eine wachsende Beziehung mit ihm überhaupt entstehen kann. Die Zeit, die wir bewusst mit Gott verbringen – im Gebet, im Lesen seines Wortes, im vertrauensvollen Mitteilen unseres Lebens, unseren Ängsten und allem, was wir erfahren mit ihm, ist lebensnotwendig. Das Wort „Hineinwachsen“ bezeichnet ganzheitlich, was ich hier meine. Wie die Vorsilbe „hinein-“ die Richtung von außen nach innen bezeichnet, so schenkt uns das Wort „Hineinwachsen“ den Sinn, dass die Beziehung in die Richtung des Herzens gehen soll. Wenn Jesus den Weg zu unserem Herzen findet, wird unsere Beziehung mit ihm tief und nachhaltig. Nur dann können wir seine Stimme erkennen und auf sie hören. Das geschieht aber durch tägliche Taten der Annäherung und des stetig wachsenden Interesses an seiner Botschaft.

Liebe Brüder und Schwestern, es gibt viele Stimmen, die uns in unserer Welt ansprechen. Man muss irgendwie in seinem Leben auf eine der Stimmen hören. Das Problem ist jedoch, dass viele Stimmen unsere Feinde sind – die Feinde der Menschen. Denken Sie an die vielen Stimmen, die Sie jeden Tag vom Morgen bis zur Nacht hören – sowohl von innen als auch von außen. Manche von diesen Stimmen machen uns krank und bringen unser Leben durcheinander. Ich nenne zum Beispiel die Stimme der Verurteilung, die wir von anderen über uns hören. Sie erinnern uns nur an all das, was wir nicht gut gemacht haben. Wer diese Stimme zur Musterstimme seines Lebens macht, wird nicht lange psychisch oder körperlich oder geistig gesund bleiben. Ein anderes Beispiel ist die Stimme des Selbstzweifels, die am Wert unseres Lebens zweifelt. In der Öffentlichkeit hören wir auch viele andere Stimmen, die unser Leben nicht direkt betreffen, die aber auf unser Leben einen schlechten Einfluss ausüben. Wie schön wäre es dann, wenn wir die Stimme Jesu zur Musterstimme unseres Lebens machen würden, indem wir jeden Tag auf sie hören und ihr alle anderen Stimmen – ob von außen oder von innen – unterordnen. Es wäre wunderbar, wenn wir auf seine Stimme – sowohl am Anfang als auch am Ende des Tages – hören würden. Sie verspricht uns Leben, Sicherheit und Schutz. Sie strömt aus der Liebe, die niemanden verloren gehen lässt.



Evangelium vom 4. Sonntag der Osterzeit im Lesejahr :

Der gute Hirt

Joh 10,11-18

In jener Zeit sprach Jesus: Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

Schafe weiden verstreut auf einer grünen Aue.
Schafe weiden zerstreut auf einer grünen Aue.

Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,
weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.

Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

Die Schafherde hält zusammen.
Der gute Hirt führt sie zusammen!

Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.

Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276