Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 7. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr C:

Dem, der dich auf eine Wange schlägt, halt auch die andere hin

In den heutigen Lesungen geht es um die Liebe für diejenigen, die uns hassen und uns Böses tun. In der ersten Lesung haben wir vom Beispiel Davids gehört. Wie wir gehört haben, hat der König Saul nach David gesucht, um ihn zu töten. David war gerade auf der Flucht vor Saul, als er plötzlich eine Chance bekam, Saul zu töten. Er fand Saul und seine Leute mitten im Lager schlafend. Abischai, Davids Begleiter, sagte zu David: „Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand gegeben.“ David hatte wirklich eine Chance zur Rache gegen Saul. Aber er weigerte sich, Saul umzubringen. Er sagte: „Bring ihn nicht um! Denn wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des Herrn erhoben und ist ungestraft geblieben?“ (1 Sam 26,7-9) Er dachte nicht an das Böse, das Saul ihm angetan hatte, sondern an das Gute, das er ihm tun kann. Das ist Liebe – das Gute für die anderen zu tun. Jesus erklärt im Evangelium weiter, worum es bei dieser Liebe geht: Denen Gutes zu tun, die uns hassen; die zu segnen, die uns verfluchen; für die zu beten, die uns misshandeln; dem die andere Wange hinzuhalten, der uns auf die eine Wange schlägt; nicht zu verlangen, was Jemand uns wegnimmt;  jemand etwas zu leihen, ohne zu erwarten, etwas zurückzubekommen. Das ist schlichtweg ein schwieriges Thema. Wie kann man so leben? Kann man sich überhaupt gegenüber der Bösartigkeit eines anderen Menschen so verhalten? 

Ich erinnere mich an die Erfahrung eines Professors, der einen Vortrag über die Lehre Jesu von der Liebe gehalten hat. Er hatte intensiv die Lebbarkeit der Lehre Jesu über die Liebe verteidigt. Nach dem Vortrag hat ein anderer Professor, der Anhänger des Islam war, ihn zu sich gerufen, ihn auf die eine Wange geschlagen, und von ihm gefordert, alle seine Kleidung bis zu der Unterhose auszuziehen. Er hat gedacht, wenn er dies nicht tut, wäre dessen Verteidigung dieser Liebeslehre nichts wert. So hat er es getan. Alles ist vor seinen Studenten geschehen. Unter großen Schwierigkeiten hat dieser Professor die Lehre Jesu verteidigt, nicht nur in Worten, sondern auch in den Taten. Aus dieser Erzählung merkt man, wie schwer es sein kann, dieser Lehre der Liebe buchstäblich in Taten zu folgen. Die Liebeslehre Jesu verlangt von uns das, wie es scheint, was unsere menschliche Kraft und Vernunft übersteigt. Und ich denke, in Wirklichkeit ist es auch so. Diese Art von Liebe können wir nicht haben, wenn wir nicht die größere Kraft in Gott schöpfen. Das stimmt, was Paulus in der zweiten Lesung schreibt: „… der zweite Mensch [Jesus] stammt vom Himmel und ist himmlisch. … Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des himmlischen gestaltet werden.“ (1 Kor 15,45-49). Also, ohne diese Kraft Gottes, die uns in das Bild des himmlischen Menschen umwandelt, können wir die zusätzliche Meile gar nicht gehen, die die Liebeslehre Jesu von uns fordert.

Es gibt ein Prinzip, das hinter dieser Lehre steckt, das unserer menschlichen Vernunft bewusst und verständlich ist, das diese Lehre umso lebbarer macht. Das Prinzip lautet: Was sinnvoll ist, ist, gegenüber dem Verhalten des anderen zu agieren - statt zu reagieren. Unsere Handlung kommt aus unserer eigenen Überzeugung oder aus unserem Glauben. Wenn wir die Verantwortung in einer Situation übernehmen, und aus unserer Überzeugung und unserem Glauben agieren, egal, wie sich der andere gegenüber uns verhalten hat, können wir - der Liebe folgend - uns verhalten. Unsere Überzeugung und unser Glaube als Christen sind in der Liebe verankert. Also, wenn wir das Böse bekommen, geben wir das Gute. Denn nur das Gute fließt aus der Liebe. Das bedeutet nicht, dass wir buchstäblich die andere Wange für einen weiteren Schlag hinhalten sollen - nach dem ersten Schlag auf die eine Wange. Das bedeutet, dass wir etwas Sinnvolles gegenüber dieser Situation tun, etwas, das das Gute fördert, ein Zeichen unserer Überzeugung geben. So ist es auch mit allen anderen Beispielen Jesu in dieser Liebeslehre. Wenn der andere aus seiner Überzeugung das Böse wirkt, lasst uns aus unserer Überzeugung das Gute wirken, egal, welche Situation es ist.

Liebe Brüder und Schwestern, schließlich möchte ich erwähnen, dass es eigentlich zugunsten unseres inneren Friedens ist, dass wir die zusätzliche Meile der Liebe gehen sollten. Denn, wenn wir gegen unsere Überzeugung leben, die doch in der Liebe verankert ist, erleben wir einen inneren Widerspruch, der eine innere Unruhe hervorruft. Wir bitten um die Kraft des Heiligen Geistes, so zu lieben, wie der Herr uns gelehrt hat. Amen.



Evangelium vom 7. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr C:

Liebe zu den Feinden und Verzicht auf Verurteilung

Lukas 6,27-38

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich:

  • Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.
  • Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
  • Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.
  • Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
  • Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
Jesus erscheint Saulus, welcher getroffen vom Pferd st√ľrzt. Soldaten brgleiten die Situation.
Hans_Speckaert
Umkehr des Heiligen Paulus vor Damaskus!

Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.

Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

  • Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
  • Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden.
  • Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden.
  • Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
  • Gebt, dann wird auch euch gegeben werden.

In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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