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Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 12. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Vertrauen auf Gott wachsen lassen und Gelassenheit lernen

Wir alle haben sicher schon einmal eine Situation erfahren, in der wir Gott die Frage stellten: „Warum lässt du mich im Stich, lieber Gott?“ In dieser Situation dachten Sie vielleicht: es konnte doch gar nicht sein, dass Gott bei mir war! Denn wäre Er bei mir gewesen, wäre mir etwas so Schreckliches nicht widerfahren.

"Warum lässt Du mich im Stich, lieber Gott“ Oder: „Wo bist Du, Gott?“ Dieses fragt man sich auch bei einer schweren oder unheilbaren Krankheit oder zum Beispiel bei Misserfolgen im Beruf, für die man nichts kann. Ich persönlich habe ein gutes Beispiel aus meinem Leben, als ich noch sehr jung war. (Ihr kennt vielleicht bzw. Sie kennen meine Berufungsgeschichte): Als ich dreimal die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium nicht geschafft hatte, fühlte ich mich extrem von Gott verlassen. Erst in einem anschließenden Gebet fand ich dann meine wirkliche Berufung, die Berufung, Priester zu werden, was ich seitdem noch keine Minute bereut habe. Auch unsere Corona-Krise: Warum lässt Gott zu, dass ein so böses Virus unser Leben, unsere Gesellschaft und unsere Welt so stark belastet hat? Wo ist Gott da?

An der Frage erkennt man zwei Dinge: 1) das Gefühl der Ohnmacht und der Angst und 2), dass man denkt, dass Gott nicht mehr bei einem ist und helfen kann. Das heutige Evangelium zeigt eine ähnliche Situation. Jesus ist mit den Jüngern unterwegs, als ein gewaltiger Sturm losbricht. Ihr müsst, Sie müssen bedenken, dass die Jünger alle von Beruf Fischer sind, sich also in ihrem Element befinden. Der Sturm ist aber so stark, dass sie Angst haben zu ertrinken und deshalb in heller Aufregung sind. Jesus dagegen ist die Ruhe selbst und schläft im Boot. Die Jünger verstehen das nicht, wecken Ihn auf und fragen Ihn, ob Er sich nicht fürchtet.

Liebe Schwestern und Brüder, wir alle haben bestimmt schon eine solche Situation erlebt, in der wir die Anwesenheit Gottes und seine Nähe hinterfragt haben. Das Bild eines Bootes, das untergehen könnte und alle mitreißt, passt auch sehr gut auf die Situation unserer Kirche im Moment. In Köln und in Deutschland ist die Krise der Kirche allgegenwärtig. Vor allem die junge Generation stellt viele Fragen über den Sinn des Lebens und glaubt oft nicht mehr, dass die Kirche ihnen gute Antworten geben kann und ihnen eine Heimat bedeuten könnte.

Wie im Evangelium heute, kann jeder Gläubige einzeln dazu beitragen, dass die Kirche überleben kann. Jeder von uns hat sicher eine eigene Meinung, wie die Kirche am besten aus dieser Krise aussteigen kann. Manche tun auch schon bestimmt viel. Aber ich denke, das Wichtigste ist, das Bewusstsein zu wecken, dass Jesus der Mittelpunkt und die Säule des Lebens der Kirche ist. Wir können durch das Vorbild unseres Lebens und die Innigkeit unserer Gebete einiges tun, um die Krise aufzuhalten. Natürlich ist das nicht viel, könnte man denken. Es ist aber genau das, was Gott von uns möchte. Es gibt für Ihn keine Ohnmacht, weil Er immer den ganzen Rest dazu tun kann. Das ist wie in dem Boot des heutigen Evangeliums: die Jünger geraten völlig aus der Fassung und Jesus steht ruhig auf und mit dem kleinen Wort „Schweig!“, bringt Er den drohenden Sturm zu Ruhe. Ich denke, wenn jeder in der Richtung des Gebetes sein Bestes tut, wird die Kirche auf lange Sicht wieder ihre alte Stärke zurückgewinnen. Liebe Gläubige, lasst uns alle noch viel besser und tiefer das Vertrauen in Gott lernen.



Evangelium vom 12. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Der Sturm auf dem See

Mk 4,35-41

An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.

Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.

Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann.

Josef sitzt schlafend auf einem Stuhl. Ein Engel steht hinter ihm und zeigt ein eine andere Richtung.
Christus im Sturm auf dem See
Rembrandt

Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein.

Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?

Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?





Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276