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Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 14. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Meine Gnade genügt dir

Liebe Schwestern und Brüder,

nach zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen, an denen wir die Wundererzählungen Jesu gelesen bzw. gehört und betrachtet haben, lehren uns die heutigen Lesungen noch etwas wichtigeres als Wunder, und zwar die Tatsache, dass Gott uns mit seiner Gnade begleitet. Wunder zu erleben, wünschen wir uns und erhoffen wir oft. Gott wirkt auch für uns solche Wunder, die zur Erfüllung seines Plans für uns besonders notwendig sind. Aber wichtiger als alle Wunder ist seine Begleitung. Da sagt Er uns: „Du braucht meine Begleitung und Gnade mehr als alle anderen Dinge und ich begleite dich mit meiner Gnade, auch wenn du von mir schwierige Aufgaben im Leben bekommst und schwere Lasten ertragen musst.“

Diese Botschaft, dass Gott uns mit seiner Gnade begleitet, steht im Mittelpunkt der heutigen Lesungen. In der ersten Lesung bekommt Ezechiel die schwierige Berufung, als Prophet zu wirken unter Menschen, die Gott als „Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen“ beschreibt. Wie kann er eine solche schwierige Aufgabe meistern? Nur mit Gottes Begleitung kann er das! In der zweiten Lesung spricht Paulus metaphorisch von einem Stachel, der ihm ins Fleisch gestoßen wurde. Was dieser Stachel ist, beschreibt Paulus nicht ganz. Aber er will das nicht weiter erleben. Dreimal fleht er den Herrn an, die schwierige Situation möge er von ihm nehmen. Als Antwort bekommt er vom Herrn gesagt: „Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet.“ (2 Kor. 12,9f) Am Ende seiner Erfahrung mit der Gnade Gottes in dieser Situation bekennt Paulus: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark!“ Das heißt, ich habe erfahren dürfen, dass Gott angesichts meiner Ohnmacht vor der schwierigen Situation seine Kraft in mir wirken lässt.

Manchmal stehen alle Bereiche des Lebens plötzlich Kopf und es gibt nichts mehr, woran wir uns festhalten können. Wir können unsere Ziele nicht erreichen und der Weg, den wir zu gehen haben, scheint uns sehr weit und voller Hindernisse zu sein. Unsere Zeit und Energie haben wir in Dinge investiert, die es nicht wert waren, oder wir haben viel verloren. Enttäuscht und ohne Energie versuchen wir weiterzuleben, aber uns fehlt der Halt. Und gerade dann, wenn wir ängstlich in den neuen Tag blicken und nicht wissen, wo wir die Kraft für den nächsten Tag hernehmen sollen, dann spricht Gott: „Ich sehe, dass du Vieles verloren hast. Du denkst, dass du jetzt nichts mehr bewirken kannst. Aber warte! Du brauchst das alles nicht! Meine Gnade genügt dir!“

Liebe Schwestern und Brüder, Gott möchte uns reichlich mit seiner Kraft beschenken und uns die schweren Lasten, die auf unserem Herzen und Gewissen liegen, abnehmen. Weil Er uns liebt, will er unsere Seele wieder aufatmen lassen.

Das Angebot der Gnade Gottes gilt heute auch uns. Er sagt jedem und jeder von uns heute, „Meine Gnade genügt dir!“ Wollen wir diese Gnade annehmen?

Es muss vielleicht nicht für mich die Gnade bedeuten, einem Märtyrertod standhaft entgegenzugehen, oder unter Menschen mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen als ein Prophet zu wirken, wie Ezechiel, oder wie Paulus eine schwierige Situation zu erleben, die mir ein Stachel im Fleisch ist. Sie ist aber sicher die Gnade, die ich im Moment benötige. Es könnte für Sie die Gnade sein, die Sie für die Herausforderungen in Ihrer Familie oder auch bei der Arbeit brauchen. Die Gnade Gottes wirkt im Verborgenen. Wir können sie nicht sehen oder körperlich fühlen. Oft wird es uns erst im Rückblick bewusst, dass wir in einer schwierigen Situation viel Gnade geschenkt bekamen. Wir erfahren dann erst im Laufe der Zeit, dass dieser schwierigen Situation der Stachel genommen wurde.



Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Die Ablehnung Jesu in seiner Heimat

Mk 6,1-6

In jener Zeit kam Jesus in seine Heimatstadt; seine Jünger begleiteten ihn.

Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen!

Vater, Mutter, Verwante und Kinder sind in einer Holzwerkstatt.
John Everett Millais, Jesus im Haus seiner Eltern

Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.

Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.

Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Und er wunderte sich über ihren Unglauben.

Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte dort.





Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenführer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276