Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 8. Sonntag im Jahreskreis

Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund

Heute setzt Jesus seine Lehre auf dem Berg fort. Die ganze Lehre bezieht sich auf das Gute und unsere Haltung gegenüber dem Guten. Heute spricht er von der Blindheit, mit der man nicht richtig sehen kann, um das Gute richtig einzuschätzen. Und wenn man in dieser Blindheit bleiben will, und das zur Vortäuschung nützt, entwickelt sich diese Blindheit in Heuchelei. Dann sieht man den Splitter im Auge seines Bruders, aber den Balken in seinem eigenen Auge bemerkt man nicht – wie Jesus die Situation beschrieben hat.

Die Blindheit, von der Jesus spricht, ist die des Herzens. Viele Menschen sind so blind geworden im Herzen, dass sie das Gute und die Wahrheit nicht mehr erkennen. Das Herz des Menschen sind die wahren Augen, mit denen er das Leben richtig einschätzen kann. Aus dem Herzen strömt die Kraft der Liebe, die das Gute und die Wahrheit sucht, findet und erkennt – sowohl in der eigenen Situation als auch in der des anderen. Wenn aber die Augen des Herzens erblindet sind, sieht und versteht man weder seine eigene Situation noch die des anderen. Jesus sagt: „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor.“ Er meint, dass das Herz, das das Gute sucht und erkennt, auch das Gute widerspiegelt. Es geht eigentlich um den Zustand und die Haltung des Herzens zur Welt, zur Realität und zum Anderen. Und das ist ganz wichtig im Leben. Deswegen habe ich die Worte Jesu am Ende des heutigen Evangeliums als Thema dieser Predigt genommen: „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.“  Ähnliche Worte, die wir in der ersten Lesung gehört haben, sind: „Der Art des Baumes entspricht seine Frucht.“ Denn, wie der Art des Baumes seine Frucht entspricht, so entspricht die Haltung und Überzeugung des Herzens des Menschen seinem Verhalten.

Liebe Brüder und Schwestern, es geht eigentlich um die Haltung unseres Herzens. Das erklärt den Unterschied in unserem Verhalten und unserer Haltung zum Leben. Wovon wir reden, wie wir die Welt sehen, wie wir die anderen verstehen, wie wir uns verhalten, wird von der Haltung unseres Herzens bestimmt oder geregelt. Wenn wir das gleiche Wasserglas vor zwei Menschen stellen, und der eine dankbar ist, weil er das Wasserglas als halbvoll ansieht, während der andere enttäuscht und undankbar ist, weil er das Wasserglas als halbleer ansieht, verstehen wir, worum es bei diesem Unterschied geht. Also, bei diesem Unterschied geht es nicht um die Qualität oder die Quantität des Wasserglases, sondern um die Haltung des Herzens des Empfängers. Denn aus der Haltung unseres Herzens kommt unsere Einschätzung der Realität.

Ich erinnere mich an meine Erfahrung, als ich noch in der Priesterausbildung war. 2003, mein drittes Jahr im Philosophiestudium, hat unser damaliger Direktor meinem Bischof empfohlen, mich aus der Priesterausbildung wegzuschicken. Denn er meinte, dass ich mich zu schlecht verhielte, als dass ich qualifiziert wäre, die Ausbildung fortzusetzen. Zum Glück hat mein Bischof seiner Empfehlung nicht zugehört. Noch am Ende des gleichen Jahres kam die Einschätzung der Seminaristen. Jedes Jahr wählen die Seminaristen unter ihnen den aus, der sich am besten benommen hat. In jenem Jahr wurde ich als der sich am besten benommene Seminarist gewählt. Welch ein Widerspruch! Aber so ist es. Die Frage ist dennoch: „Welche von diesen widersprüchlichen Einschätzungen ist die Richtige?“ Vielleicht zeigt mein künftiges Leben etwas dazu. Wir schätzen einander nach der Haltung unseres Herzens ein. Und wenn die Augen unseres Herzens blind geworden sind, wird unsere Einschätzung völlig falsch.

Es ist dann wichtig, dass wir unser Herz in der Erkenntnis und in der Wahrnehmung der Wahrheit ausbilden. Das heißt, wir sollen unsere eigene Überzeugung und Neigung auf die Probe stellen, um herauszufinden, ob sie uns überhaupt dabei helfen, die Wahrheit wahrzunehmen, oder ob sie uns für die Wahrheit blind machen. Wir treten bald in die Fastenzeit ein. Lasst uns die Fastenzeit dieses Jahres als Anlass nehmen, zu entdecken, wovon unser Herz voll ist, und wieviel Umkehr wir brauchen, und zu versuchen, unser Herz der Wahrheit zuzuneigen



Evangelium vom 8. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A:

Von der falschen und der rechten Sorge

Mt 6,24-34

In Berlin ragen der Fernsehturm und ein Kirchturm in den Himmel.
Entscheide Dich!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt.

Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?

Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie.

Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung?

Eine Frau schaut der Sonne entgegen und bebt sorglos ihre Arme.
... sorglos vertrauen und standhaft sein!

Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!

Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht:

Was sollen wir essen?
Was sollen wir trinken?
Was sollen wir anziehen?

Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.

Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage. 





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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