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Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: C

Auch wenn alles vergeht, Gottes Verheißung bleibt vertrauenswürdig

Wir haben heute das Evangelium gehört, in dem über apokalyptische Ereignisse die Rede ist, die mit dem Kommen des Menschensohnes und mit dem eschatologischen Endzeitgericht verbunden sind. Es werden noch viele schlimmere Ereignisse eintreten, kosmische Veränderungen, die zeigen werden, dass alles, wirklich alles, vergeht. Wenn sogar die Sonne untergehen kann, würde man sich da nicht wundern, wenn noch irgendetwas bestehen bliebe? Alles, woran man seinen Halt finden kann, besteht nicht ewig. Alles vergeht. Es gibt aber doch eines, was in all diesem als Halt bleibt, was immer besteht: das Wort Gottes, die Verheißung, dass Gott mit den Seinen in all den Situationen des Lebens mitgeht; die bleibt bestehen, egal was passiert.

Liebe Schwestern und Brüder, über apokalyptische Ereignisse hören wir ungern etwas. Denn sie sind immer angsterregend. Aber diese sind Ereignisse, über die Jesus sagt, dass sie geschehen müssen. Wenn wir jetzt einmal konkret nachdenken, sehen wir, dass es schon viele Ereignisse gibt, die als Teilerfüllung des heutigen Evangeliums anzusehen sind. Man hört oft, wie einige Menschen die Corona-Pandemie mit den Endzeitgeschehen verbinden. Auch wenn ich ihre Meinungen nicht völlig vertrete, weiß ich doch, wie schlimm diese Corona-Situation ist, wie sich der Mensch wehrlos fühlt und befürchtet, dass die verlorengegangene vorherige gesellschaftliche Ordnung, so wie wir sie gewohnt waren, nicht wiederkehren könnte.

Es gibt aber noch schlimmere Situationen, die die Menschheit zwar nicht so global wie Corona betreffen, die aber den Betroffenen widerfahren und die sie als hoffnungslos empfinden. Was könnte einen Menschen schlimmer treffen als die Prognose einer tödlichen Krankheit? Was könnte einer Familie schlechteres widerfahren, als von einem Tag auf den anderen die Heimat zu verlieren? Dies sind Ereignisse, die jeden Tag geschehen. Menschen leiden darunter und meistens sind sie ohne Hoffnung, dass es wieder gut werden könnte. Und wir, die wir hier in diesem Gottesdienst versammelt sind, haben unsere eigenen Erfahrungen über hoffnungslose Situationen.

Der Sinn des heutigen Evangeliums ist es nicht, uns ängstlich zu machen. Es berichtet nicht, wie die heutigen Medien, über schlimme Geschehnisse, die unvermeidbar kommen werden, oder zum Teil schon geschehen sind, ohne uns eine Lösung zu geben. Innerhalb der eschatologischen Rede findet damit auch eine deutliche Akzentverlagerung statt. Der Blick der Christen soll sich nicht vorrangig auf die Ereignisse richten. Wichtiger ist es, auf die bleibende, die Zukunft bestimmende, Gültigkeit der Worte Jesu zu vertrauen. Mit dieser Verheißung werden Zukunftsaussichten eröffnet, die es uns möglich machen, die Endzeitrede auch für unsere Gegenwart als Mahnung ernstzunehmen.

Als Gläubige halten wir sicher Rückschau auf die Geschichte Jesu. Unser Glaube ist sogar von seinem stellvertretenden Sterben und dem Bekenntnis zu seiner Auferstehung und der Erwartung seines Wiederkommens bestimmt. Mindestens genauso wichtig ist aber auch der Blick auf die Gegenwart. Wenn wir daran denken und glauben, dass Jesus hier und jetzt gegenwärtig ist, dass er mit uns unterwegs ist in allen Situationen des Lebens, dann werden wir die Endzeitreden anders hören. Ein Kind, das mit seinem Vater unterwegs ist, wird keine Angst vor den fremden Menschen haben, denen sie begegnen, wenn es glaubt, dass sein Vater es vor aller möglichen Gefahr beschützen kann.

Wenn wir Berichte über schlimme Geschehnisse in der Welt hören, wenn uns und den Unsrigen etwas Schlimmes widerfährt, sollen wir nicht vergessen, dass der Einzige, der uns rettet und schützt, mit uns geht. Egal, was in unserem Leben vergeht, seine Worte und seine Verheißungen werden nicht vergehen. Und dieses Vertrauen auf die Gegenwart Jesu soll auch unseren Blick in die Zukunft bestimmen. Denn es gibt die Hoffnung, weil er, der auch auf krummen Linien gerade schreiben kann, mit uns geht.



Evangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr C: