Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom Aschermittwoch im Lesejahr C:

Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade (2 Kor 6,2)

Die Jahreszeiten sind ganz eng mit dem Rhythmus unseres Lebens verbunden. Wie Salomon geschrieben hat, gibt es eine Zeit, die für jedes Ereignis im Leben des Menschen geeignet ist. Es gibt die Zeit, um zu pflanzen und die für die Ernte. Der Rhythmus der Zeit ist in allen Bereichen unseres Lebens ganz wichtig. Wer ein stabiles Leben gestalten möchte, sollte lernen, diesem Rhythmus der Zeit treu und geduldig zu folgen. Und wer dem Rhythmus der Zeit gut zu folgen lernt, profitiert vieles geistliche, körperliche, ökonomische, usw. davon. Liebe Brüder und Schwestern, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade – wie Paulus sie beschrieben hat. Mit dieser Überschrift denken wir an die Fastenzeit, in die wir eingetreten sind. Sie ist wirklich die Zeit der Gnade.

Die Zeit der Gnade? Wieso? Zwei Dinge sind hier wichtig zu verstehen: 1. die Zeit, und 2. diese Zeit ist die der Gnade. Dietrich Bonhoeffer schrieb einmal: „Es gibt in der ganzen Weltgeschichte immer nur eine wirklich bedeutsame Stunde – die Gegenwart. Wer aus der Gegenwart flieht, [ent]flieht den Stunden Gottes.“ Die Zeit, in der wir uns befinden dürfen, gleicht wirklich Bonhoeffers Begriff – „die Stunde Gottes“. Denn in dieser Zeit haben wir Gelegenheiten, unsere Beziehungen zu Gott, zu den anderen und zu uns selbst durch die Lehre und das Beispiel Jesu neu zu gestalten. Wir sollen diese Zeit nicht nur im Sinne des griechischen Wortes „Chronos“ verstehen – also, als etwas, was wir in Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, oder Monaten messen können, sondern auch als „Kairos“ verstehen – eine unwiederbringliche Entscheidungs- und Bewährungssituation. Solche eine Situation haben wir jetzt. Wir sollen also diese Zeit als einen Augenblick, der nicht wiederkehrt, ansehen; denn diese Zeit bietet uns viele Chancen, die man beim Schopf packen muss, sonst sind sie vorbei. Es ist eine Zeit der Gnade, weil wir in so kurzer Zeit viel Gnade im geistlichen Wachstum, zur Umkehr und zur Buße geschenkt bekommen.

Denken Sie daran, dass diese Zeit bald vorbei sein wird. Die Frage ist dann, wofür und wie nützen wir diese wunderbare Zeit am besten? Jesus gibt uns schon im heutigen Evangelium eine ausreichende Antwort: Beten, Fasten und Almosen geben. Diese drei Dinge sind untrennbar miteinander verbunden. Durch sie können wir wahrhaft erfahren, was es bedeutet, Mensch zu sein – also, ein Lebewesen, das gleichzeitig in die dreifaltige Beziehung hineinwachsen muss, wenn es das Ziel seines Lebens erreichen will. Das Beten verbindet uns mit Gott, in dem wir das wahre Bild unserer Existenz entdecken können. Jesus rät uns, in dieser Zeit im Gebet zu bleiben, nicht, um von den Leuten gesehen zu werden, sondern, weil wir unser Herz wirklich ganz auf Gott richten wollen. Nur in einer solch intimen Verbundenheit mit Gott kann unser Herz umgewandelt werden. Das Fasten verbindet einen mit sich selbst, d.h., mit dem Zustand seines Herzens; es bekräftigt einen, sein Inneres – wie z.B. seine Begierden, Wünsche, usw. – beherrschen zu können. Jesus rät uns, beim Fasten, kein finsteres Gesicht zu machen, sondern es mit gesalbtem Haar und gewaschenem Gesicht zu tun; denn was wichtig beim Fasten ist, es nicht vor den Leuten zu zeigen, dass wir fasten, sondern in unserem Herzen die Zuneigung zur Wahrheit und zum Guten wiederzugewinnen. Die Almosen verbinden uns mit den anderen, die unsere Hilfe und unseren Dienst brauchen. Was für eine Zeit der Gnade!

Können Sie sich vorstellen, wie herrlich und wunderbar unser Herz in der Osternacht sein könnte, wie erneuert unsere Beziehungen, wie strahlend unser Gesicht sein könnte, wenn wir in dieser unwiederbringlichen Zeit die obengenannten entscheidenden Taten begehen? Wie schön wäre es, mit Jesus diese 40 Tage auf dem Weg zur Besserung zu sein! Wie wäre es zudem, wenn Sie ganz am Anfang dieser Zeit durch das Sakrament der Beichte in der Gnade Gottes bestärkt würden? Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gelingende Fastenzeit.

Gebet: Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße. Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht, damit wir dem Bösen absagen und mit Entschiedenheit das Gute tun. Amen.



Evangelium vom Aschermittwoch im Lesejahr C:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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