Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 1. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Die Lehre aus den Versuchungen Jesu

Wir haben im heutigen Evangelium den Bericht von den Versuchungen Jesu gehört. Wichtig ist nicht die Figur des Teufels, die in der Bibel immer mit Versuchungen verbunden ist. Wichtig sind die Umstände, in denen oder durch die Jesus versucht wurde. Denn diese Umstände sind uns sehr bekannt. Auch wir werden in solchen Umständen versucht. Es geht bei diesen Umständen um 1. etwas zu essen oder trinken, 2. etwas zu besitzen – die Reiche der Erde und 3. Macht und Ansehen. Diese Versuchungen haben mit den menschlichen Begierden zu tun. Die menschliche Begierde ist nichts Böses in sich. Denn sie gehört zur menschlichen Natur. Die Versuchung besteht darin, den Gegenstand der Begierde zum Ziel des Lebens zu machen, statt zum Mittel.

Bei der ersten Versuchung befiehlt der Teufel Jesus, das Essen zum Ziel des Lebens zu machen. Wir leben nicht, um zu essen. Aber genau das hat der Teufel Jesus befohlen, zu tun. Diese Versuchung macht den Eindruck, als ob ohne das Essen das Leben keinen Sinn hat. Das ist aber nicht die Wahrheit. Ohne das Essen kann man noch leben, insofern es einen Sinn gibt, für den man leben will. Und diesen Sinn entdecken wir im Wort Gottes. Deswegen hat Jesus auf diese Versuchung geantwortet: „In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot.“ (Lk 4,4) Es gibt Leute, die von dieser Art von Versuchung ganz in Besitz genommen sind. Sie meinen, ohne das Essen, ohne diese Getränke, fehlt es dem Leben an Glück. Sie denken, nur das Essen oder die Getränke machen ihr Leben sinnvoll. Um diese Versuchung zu überwinden, müssen wir einen Sinn entdecken, für den wir leben wollen. Denn der Mensch lebt nicht nur von Brot. Als ich die Geschichte der Leute las, die die Konzentrationslager überlebt hatten, dachte ich: Ja, der Mensch lebt nicht nur von Brot.

Bei der zweiten Versuchung befiehlt der Teufel Jesus, die Reiche der Erde zum Ziel des Lebens zu machen. Er sagt zu Jesus: „All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben, … wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest …“ (Lk 4,5-7). Er befiehlt Jesus, seinem Glauben abzuschwören, um die Reiche der Erde zu besitzen. Der Reichtum ist nicht in sich Böses. Aber der Reichtum macht keinen Sinn, wenn er mir meinen Glauben wegnimmt. All unsere Besitztümer sollen nur als Mittel, statt als das Ziel des Lebens angesehen werden. Die Frage ist: „darf ich Gott und meinen Glauben an Ihn für den Reichtum eintauschen?“ Wenn es in meinem Leben etwas gibt, für das ich bereit bin, meinen Glauben an Gott aufzugeben, befinde ich mich schon in der gleichen Versuchung. Wie hat Jesus auf diese Versuchung geantwortet? „In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“ (Lk 4,8) All das, was wir besitzen, soll uns helfen, dem Willen Gottes zu dienen. Wenn es nicht so ist, wird unser Besitz zu Göttern gemacht. Denn was den Glauben an Gott von uns wegnimmt, wird uns zu Göttern werden.

Bei der dritten Versuchung geht es um Macht und Ansehen. Der Teufel befiehlt Jesus, für Macht und Ansehen zu leben. Er meint, dass der Sinn des Lebens darin besteht, von den anderen bedient und gelobt zu werden. Damit macht man sich selbst zu einem Gott. Es gibt doch Leute, die so leben. Sie sind ganz versessen auf Macht und Ansehen und tun alles Mögliche, um es zu erreichen. Auch heute gibt es viele Menschen, die meinen, die anderen sollten ihnen dienen und sie loben. Jesus aber lehrt uns, den anderen zu dienen, statt von ihnen bedient zu werden. Wir entdecken den Sinn des Lebens, indem wir alle unsere Gaben und unseren Besitz in den Dienst an den anderen einsetzen.

Liebe Brüder und Schwestern, die Fastenzeit gibt uns die Gelegenheit zu lernen, unser Leben umzustellen, damit wir die Dinge, die nur Mittel sind, nicht mehr zum Ziel des Lebens machen. Das Leben macht doch Sinn, selbst, wenn wir das Essen, die Getränke, oder sonst was nicht besitzen, selbst, wenn uns die anderen für machtlos und unwürdig halten. Der Sinn des Lebens besteht darin, wer wir vor Gott sind, dass wir Gott als den wichtigsten Besitz unseres Lebens haben, und das wir den anderen dienen dürfen. Die wahre Würde und Anerkennung kommen von Gott. Und das können wir immer besitzen, egal, wie die Umstände unseres Lebens sein mögen.



Evangelium vom 1. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Die Versuchung Jesu

Lukas 4,1-13

In jener Zeit verließ Jesus, erfüllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger.

Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden.

Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot.

Auf der Pupille eines Auges ist das Gesicht Jesus zu erkennen.
Duccio di Buoninsegna, via Wikimedia Commons
Der Teufel zeigt Jesus die Welt

Da führte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören.

Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.

Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.





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Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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