Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 5. Sonntag der Osterzeit Lesejahr: C


Liebe macht Neu!

Liebe Schwestern und Brüder, vor vier Wochen haben wir Ostern gefeiert. Für viele von uns liegt das schon weit zurück und ist fast vergessen. Doch die Botschaft von Ostern bleibt. Auferstehung geschieht jeden Tag neu – in uns und durch uns. Die Erzählungen, die wir in den Lesungen seit Ostern gehört haben und hören, sind Geschichten darüber, wie die Jünger Jesu die Auferstehung erlebten.

Es sind Geschichten darüber, wie sie trotz aller Widrigkeiten und Drangsale die Liebe, die sie von Gott durch Jesus erfahren haben, weitergegeben haben. Nachdem ihre Ängste und Traumata durch die Begegnungen mit dem auferstandenen Herrn überwunden waren, erlebten sie einen neuen Anfang. Diese Begegnungen machten sie zu neuen Menschen, Menschen, die nicht mehr ängstlich, sondern mutig waren.

Wir haben eben gehört, was Johannes in seiner Offenbarung sieht – einen neuen Himmel und eine neue Erde! Johannes, der auf der Sträflingsinsel Patmos verbannt ist und von dort nicht mehr wegkommen wird, wenn es nach dem Willen des Kaisers geht, (das alles, weil er Christ war), will mit seiner Offenbarung die kleinen verunsicherten und ängstlichen Gemeinden in Kleinasien trösten. Wie kann man so mutig sein? Wie kann man trotz allen Leids eine so große Hoffnung haben?

Die Antwort auf diese Fragen haben wir im heutigen Evangelium bekommen: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr einander liebt.“ Diese Worte sind keine leeren und trocknen Worte. Sie sind praktische Erfahrungen geworden, durch Taten der Liebe, die die Jünger von Jesus erlebten. Die Momente, in denen er ihnen inmitten ihrer Angst erschien und zu ihnen sagte: „Friede sei mit euch!“ Die Momente, in denen sie von ihm Vergebung erfuhren. Diese Erfahrungen von Liebe Jesu haben sie gestärkt und ihnen ihre Ängste genommen. Dadurch waren auch sie von dieser Liebe erfüllt.

Liebe Schwestern und Brüder, Liebe macht neu! Da, wo Liebe herrscht, gibt es die Hoffnung auf etwas Neues und Besseres – in uns, in denjenigen denen wir Liebe schenken, in unserer Welt. Liebe sieht die Möglichkeit eines Neuanfangs, wo wir meinen könnten, es gäbe keinen Grund mehr, es weiter zu versuchen. Für diese Liebe ist Jesus uns ein Vorbild. Wie ich euch geliebt habe, sagt er uns. Und wie hat er uns geliebt? Der Evangelist breitet das vor uns, mit immer neuen Anläufen, immer neuen Ausblicken.

Jesus macht sich nicht erst ein Bild von den Menschen, die er in die Schar seiner Jünger ruft, ob sie auch treu, zuverlässig, intelligent genug sind. Jesus ruft, ohne nach dem Charakter der jeweiligen Person zu fragen. Er schickt niemanden weg, der sich ihm nicht unterordnet und nicht nach seinem Beispiel lebt. Selbst von einem Judas, der im Evangelium erwähnt wird, trennt er sich nicht. Jesus begegnet den Menschen, wie sie sind: Frommen und Sündern, geldgierigen Zöllnern und Dirnen, wohlhabenden Pharisäern und armen Witwen. Mit seiner Liebe, seiner Freundlichkeit und seinem Wohlwollen ruft er zur Umkehr auf und bringt viele zur Besinnung. Nicht wenige wurden durch seine Liebe dazu bewegt, ihr Leben zu ändern. Jesus möchte, dass wir uns diese Art von Liebe zu eigen machen.

In seiner Liebe ist er realistisch. Er hat es nicht immer geschafft, die Menschen auf Anhieb zu überzeugen, ihr Verhalten zu ändern, und schon gar nicht, alle um ihn herum überzeugend anzusprechen.

Das wird auch mit uns geschehen. Ja, es ist nicht einfach, Menschen zu lieben, die anders sind, anders aufgewachsen, anders sozialisiert, anders geprägt – die eine andere Sprache sprechen, eine andere Religion haben, eine andere Geschichte erzählen. Nur deshalb sollten wir uns nicht dazu verleiten lassen, uns innerlich von diesen Menschen zu distanzieren und sie zu meiden.

Jesus ruft uns auf, in Liebe offen für alle zu sein. Denn das bietet die Chance, dass wir zum Nachdenken anregen, so wie es Jesus getan hat. Einander geduldig, langmütig und offen in Liebe zu begegnen, ist der erfolgreichste, wenn auch sehr mühsame Weg, einander zum Guten zu bewegen. Liebe macht neu! Lassen wir uns von Jesus ansprechen und treten wir in seine Fußstapfen.



Evangelium vom 5. Sonntag der Osterzeit im Lesejahr C:

Die Überleitung zu den Abschiedsreden

Joh 13,31-35

Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.

Ein Mann zieht einen anderen an der Hand nach oben.
gemeinsam auf dem Wege nach oben
©bignai by Adope Stock

Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen.

Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.









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Video zum Thema:



Kommentare zu diesen Evangelium:
Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht, Schott - Meßbuch
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben, Hl. Augustinus (354-430)