Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 2. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Auf dem Berg mit Jesus: Die Kraft des Gebetes

Die Erfahrung, die Petrus, Johannes und Jakobus auf dem Berg der Verklärung gemacht haben, war für die drei Jünger ein großer Anker ihres Glaubens. Wenn Petrus dann nicht sofort - aufgrund dieser Erfahrung - reif im Glauben war –, da er Jesus einige Tage später dreimal verleugnete –, sollte man nicht vergessen, was er später über diese Erfahrung geschrieben hat: „Wir sind nicht klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundtaten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. Denn er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen, als eine Stimme von erhabener Herrlichkeit an ihn erging: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.“ (2 Petr 1,16-18) Also, es ist eine Erfahrung, die das ganze zukünftige Leben der drei Jünger geprägt hat. Ihre Vorstellung von Jesus hat sich nachhaltig verändert. Was sie über Jesus sagen, sind keine klug ausgedachten Geschichten, sondern die Zeugnisse aus ihrer eigenen Erfahrung seiner Macht und Größe. Wie sehr jeder Christ solch eine persönliche Erfahrung mit Jesus braucht!

Diese persönliche Erfahrung mit Jesus kann man auf dem Berg des Gebetes sammeln. Lasst uns das genauer betrachten, was auf dem Berg der Verklärung passiert ist. Erstens, das, was der Berg bezeichnet. Wir haben ein paar Tage vorher gesagt, dass, auf den Berg hinaufzusteigen bedeutet, in diesem Sinne etwas von einer höheren Ebene anzusehen, also, eine Ebene, auf der man sich in der Nähe Gottes befindet und durch die Augen Gottes seine Situation ansieht. Das ist aber nicht möglich ohne die Anwesenheit Jesu und der beiden Figuren – Mose und Elija –, die Gottes Bund mit seinem Volk symbolisieren. Dieser Bund ist in und durch Jesus Christus in Erfüllung gegangen. Wir können uns jedes Mal mit diesem Bund vertraut machen durch die Heilige Schrift. Durch das andächtige Lesen der Heiligen Schrift können wir auch heute Jesus, Mose und Elija auf dem Berg treffen. Das zweite ist, was bei diesem Treffen passiert. Jesus wird vor den Augen seiner drei Jünger verklärt. Die Jünger hörten sogar eine Stimme vom Himmel, die die Macht und Größe Jesu offenbarte und bestätigte. Somit konnten die Jünger eine andere Seite der Persönlichkeit Jesu erleben, also, seine Herrlichkeit.

Liebe Brüder und Schwestern, es könnte sein, dass die Herausforderungen des Lebens uns die Überzeugung über die Allmacht Gottes geraubt haben. Es könnte sein, dass wir nicht mehr an die Herrlichkeit, Macht und Größe Jesu glauben, weil unsere Vorstellung von Jesus allmählich oberflächlich geworden ist. Vielleicht denken wir, es ist egal, ob wir beten oder nicht. Wir sollten nicht bei solch oberflächlichen Eindrücken stehen bleiben. Wir brauchen eine persönliche Erfahrung, die unsere Augen für die Herrlichkeit Gottes neu öffnen kann. Wir brauchen es, auf den Berg mit Jesus hinaufzusteigen, indem wir ins Gebet ziehen und andächtig die Heilige Schrift lesen. Auf diesem Berg des Gebetes können wir immer noch das Wunder der Verklärung erleben. Denn dort erkennen wir die Herrlichkeit Gottes und seine Macht über unsere Situation. Die Situationen, mit denen wir unbarmherzig konfrontiert werden, können auch verklärt werden, indem wir sie aus einer neuen Sicht sehen. Obwohl es nicht oft passiert, dass wir solch eine unvergessliche Erfahrung auf dem Berg des Gebetes haben, kann niemand die Kraft leugnen, die wir auf diesem Berg erhalten können. Wenn alles in Ihrem Leben durcheinander ist und es scheint, dass es keine Hoffnung gibt, steigen Sie bitte auf diesen Berg hinauf. Dort werden Sie den Zusammenhang und den Sinn Ihrer Situation finden.

Ich war einmal in einer Situation, die ich die „Kreuzung meines Lebens“ nenne, weil sie für mich ein Moment der Verzweiflung war. Aber ich hatte das Glück, noch rechtzeitig auf den Berg des Gebetes hinaufzusteigen. Dort machte ich eine Erfahrung, die die Richtung meines Lebens nachhaltig änderte. Es war am Morgen des 11. Dezember 1997. Als ich die Nachricht bekam, dass ich zum dritten Mal die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium nicht bestanden hatte, empfand ich mein Leben als gescheitert. Ich war in einer großen Verzweiflung gefangen. Meine Trauer kannte keine Grenzen. Gott sei Dank habe ich nicht versucht, das schwere Problem allein zu lösen. Ich ging in die Kapelle, und zwar um 10.00 Uhr des gleichen Tages. Ich war beim zweiten Geheimnis des Rosenkranzes, den ich betete, als ich in Trance fiel. Was ich in dieser Trance sah, änderte die Richtung meines Lebens. Darin wurde meine Berufung zum Priestertum offenbart. Zwölf Jahre später, als ich an einem Freitagmorgen, am 11.12.2009 um 10.00Uhr – einen Tag vor meiner Weihe zum Diakon - bei meinem Bischof meine Gelübde ablegte, dachte ich, wie wunderbar Gottes Vorsehung und Liebe ist! Diese eigene persönliche Erfahrung auf dem Berg des Gebetes hat nicht nur mein Problem und die daraus entstandene Verzweiflung gelöst, sondern mir auch die Herrlichkeit, die Liebe und die Macht Gottes gezeigt. Wenn ich von Gott oder vom Gebet spreche, tue ich es mit einer so großen Überzeugung, da ich ein Zeuge der Kraft des Gebetes bin.

Liebe Brüder und Schwestern, Gott ist herrlich, seiner Vorsehung ist nichts verborgen. Haben Sie Mut! Steigen Sie auf den Berg des Gebetes mit Jesus. Viel Glück! Auch Sie können ein Zeuge seiner Herrlichkeit und Liebe sein.



Evangelium vom 2. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Die VerklÀrung Jesu

Lukas 9,28-36

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.

Jesus und der Teufel stehen auf einem Berg. Jesus weist den Teufel zurĂŒck!
Carl H. Bloch
Verklärung Christi

Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte.

Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.

Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.








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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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