Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 3. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Der Dornbusch unseres Lebens

Die Geschichte von Mose, von seinem Leben und seiner Berufung ist für mich ganz interessant. Denn daraus lernt man, wie Gott in unserem normalen Leben wirkt. Mose wurde schon per Geburt durch die Vorsehung Gottes ausersehen. Denn die Tochter des Pharao hatte ihn als ihr eigenes Kind angenommen. Er hatte seine ersten vierzig Lebensjahre im Haushalt des Pharao verbracht, aber wusste schon, dass er zu diesem Haus nicht gehörte. Er hatte Mitleid mit seinen Mitbürgern, den Israeliten, die so sehr unter der Sklaverei in Ägypten litten.  Aber seine Mitbürger hatten kein Vertrauen zu ihm. Er musste sich in Midian für weitere vierzig Jahre aufhalten, bevor er diese Erfahrung am Dornbusch hatte. Wie wir in der ersten Lesung gehört haben: „Mose kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.“ (2. Mose 3,1-2) Ein Dornbusch, der durch eine Flamme brannte und doch nicht verbrannte! Was bezeichnet dieser Dornbusch, der brannte und doch nicht verbrannte? Wie hat Mose das erlebt und wie erleben wir das? Diese Fragen sind die Schwerpunkte dieser Predigt.

Aus der 80-jährigen Lebenserfahrung – also zweimal 40 – war Mose schon gereift, seine Berufung anzunehmen, die Berufung, die schon seit langem in seinem Herz gebrannt hatte, die Berufung, seine Mitbrüder aus der Zwangsarbeit in Ägypten zu retten. Aber er hatte immer noch Angst vor dem Pharao. Er hatte immer noch die Angst, dass er vom Zorn des Pharao verbrannt würde. Deswegen traute er sich noch nicht, zu dieser Berufung „Ja“ zu sagen. Was bedeutet dann der brennende nicht-verbrennende Dornbusch? Das war ein Geschehnis, in dem Gott Mose gelehrt hat, dass seine Angst grundlos war. Ein brennender nicht-verbrennender Dornbusch widerspricht der natürlichen Regel. Normalerweise sollte ein brennender Dornbusch verbrennen. Aber hier war ein Wunder, das die Aufmerksamkeit des Mose erregte. Mose wollte genauer schauen, was passiert ist. Der brennende unverbrennende Dornbusch spiegelt die Angst des Mose wider. Gott wollte Mose dadurch zeigen, dass der Zorn des Pharao nicht in der Lage war, seine (Mose-) Berufung und Aufgabe zu verhindern. Das heißt, obwohl der Zorn des Pharao brannte, konnte er die Berufung des Mose nicht verbrennen.

Zwei andere wichtige Geschehnisse bei diesem Erlebnis des Dornbusches sind, dass Mose seine Schuhe ablegen und, dass er das Vertrauen auf Gottes Führung aufbauen sollte. Die Schuhe bezeichnen die eigene Sicherheit. Wer der eigenen Sicherheit nicht vertraut, der wird nicht eine Berufung annehmen, die die eigene Sicherheit bedroht. Das war der Fall bei Mose. Wegen seiner eigenen Sicherheit konnte er seine Berufung nicht akzeptieren. Aber aus der Erfahrung des Dornbusches lernte er eine andere Art von Sicherheit – Gottes Dabei-sein. Er musste aus dieser Erfahrung lernen, dass Gott der „Ich-bin-da“ ist. Das würde fortan seine Sicherheit sein. Er konnte schließlich die Israeliten aus der Sklaverei führen, auch, wenn es für ihn schwer war. Allein das Vertrauen auf Gott, der immer mit ihm war, hat für Mose diese Aufgabe möglich gemacht.

Wir haben auch ähnliche Erfahrungen. Ich meine hier nicht nur die Erfahrung von Angst vor unserer Berufung, sondern auch die des brennenden nicht-verbrennenden Dornbusches. Manchmal haben wir Angst, ehrlich zu jemandem zu sein, weil wir denken, dieser könnte vielleicht zornig mit uns werden. Vielleicht haben wir auch die Angst davor, jemanden wahrhaft zu lieben, weil wir denken, durch die Liebe würde sich zeigen, dass wir schwach sind. Denken Sie an die Art von Angst, die Sie daran hindert, etwas zu tun, von dem Sie überzeugt sind, dass es die richtige Tat in einer bestimmten Situation ist. Das, vor dem wir Angst haben, ist oft wie eine Flamme, die den Dornbusch brennen lässt, aber nicht verbrennen kann. Es ist dennoch nicht immer einfach, diese Wahrheit des Lebens zu erkennen, außer, dass wir das Wunder des Dornbusches erlebt haben. Das ist ein Erlebnis, in dem Gott uns zeigt, dass die angsterregende Tatsache nicht im Stande ist, uns zu verbrennen, oder unsere Berufung zu verhindern. Unsere Dornbusch-Erfahrung kann von der Art einer Krankheit sein, oder eine andere Situation, in der wir die Macht und die Gegenwart Gottes besonders erleben. Liebe Brüder und Schwestern, vor wem oder was haben wir Angst? Gott sagt uns: „Ich bin da, habt keine Angst!"



Evangelium vom 3. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

SĂŒndenerkenntnis und FrĂŒchte im Leben

Lukas 13,1-9

Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte.

Jesus und der Teufel stehen auf einem Berg. Jesus weist den Teufel zurĂŒck!
Franz-Joachim Beich
Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum

Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?

Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.





Ausdruck als pdf im A4 Format
Druckversion


Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

Übersicht