Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 4. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Mit Gott in Beziehung als unserem Vater

Wer ist Gott für mich? In welcher Beziehung stehe ich zu ihm? Das Alte Testament stellt Gott als Deus Absconditus vor. Das heißt: „Verborgener Gott“ – „der trotz Offenbarung letztlich unerkennbare Gott“. Im Buch Jesaia 45,15 heißt es: „Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott, Israels Gott, der rettet.“ Das bedeutet, dass wir Gott nicht erkennen können, zumindest nicht, wie er in-sich ist. Obwohl er sich offenbart, bleibt er uns teilweise verborgen. Es besteht aber die Gefahr, zu denken, dass Gott so unerreichbar ist, dass er die Menschen ihrem Schicksal überlassen hat, dass er komplett verborgen und unerkennbar ist. In solch einer Situation denken wir über Gott, er wäre nur eine furchtbare Gestalt, die nicht-wahrnehmbar ist, aber uns beobachtet, um zu sehen, wenn wir Fehler machen, damit er uns bestraft. Es könnte sein, dass wir uns in schlaflosen Nächten und unbegreiflichen Leiden fragen – wie viele andere Menschen auch –, ob ein Gott existiert, der am persönlichen Schicksal der Menschen Anteil nimmt. Warum ist Gott uns verborgen? Fragen wir. Im heutigen Evangelium lehrt uns Jesus, wie wir die Verborgenheit Gottes verstehen sollen, und damit verleiht er uns eine neue Vorstellung von Gott – Ihn als unseren Vater zu sehen.

Das heutige Evangelium ist die Geschichte des Barmherzigen Vaters oder des Verlorenen Sohnes. Der verlorene Sohn war weggegangen, weil er dachte, dass er – mit seinem Erbteil – seinen Vater nicht mehr bräuchte, dass er ohne seinen Vater seine Zukunft gestalten könnte, wie er wollte. Denn grundlegend hatte er die Freiheit zu entscheiden, wie er leben wollte. Also, er hatte ein Erbteil und außerdem besaß er die Freiheit, sich für eine Zukunft zu entscheiden, die er wollte. Er verstand aber nicht, dass sein Vater der Ursprung all dieser Dinge war. Erst nachdem er von seinem Vater schon weggegangen war und sein Erbteil verschwendet hatte, konnte er verstehen, dass er seinen Vater immer noch brauchte. Denn er hungerte, dürstete und fand keine Hilfe. Der Vater des verlorenen Sohnes, der Barmherzige Vater, hatte dagegen immer gehofft, seinen Sohn wiederzusehen. Er war bereit, ihm mit einer unermesslichen Liebe entgegenzukommen.

In der Figur des Barmherzigen Vaters erkennen wir Gott, dessen Liebe und Gegenwart wir noch nicht komplett erkennen können, und in der Figur des verlorenen Sohnes erkennen wir uns selbst. Denn wir Menschen denken, wir vermögen viel und haben die Freiheit, zu leben, wie wir wollen. Gott hat uns die Freiheit gegeben und will uns unsere Freiheit nicht nehmen. Aber alles, wofür wir uns im Leben entscheiden, hat auch seine Auswirkungen, die wir nicht vermeiden können. Aus meiner Freiheit entscheide ich jeden Tag zum Beispiel, was ich essen will. Aber die Auswirkungen, die meine Essgewohnheiten auf mich haben, kann ich leider nicht entscheiden oder vermeiden. Weil wir aber soziale Wesen sind, haben auch unsere eigenen Entscheidungen Auswirkungen auf andere Menschen. Es ist unser gemeinsames Schicksal als Menschen, dass wir durch unsere eigenen Entscheidungen gegenseitige Auswirkungen auf uns ziehen. Gott nimmt uns weder unsere Freiheit noch die Wirklichkeit des sozialen Bereichs unseres Menschseins. Würde er uns all dieses wegnehmen, wären wir nicht mehr Menschen. Denn diese Eigenschaften sind grundlegende Teile unserer Gestalt als Menschen.

Was tut Gott dann? Er liebt uns als Vater. Er ist immer da mit uns. Er legt uns die Prinzipien vor, mit denen wir das bestmögliche aus unserem Leben machen können. Er ist immer da, um uns den richtigen Weg zu führen und zu begleiten. Wenn wir von ihm fortgehen wollen, bleibt er immer geduldig mit uns – ohne Urteil. Seine Liebe zu uns kennt keine Grenzen. Wenn wir alles durcheinander gebracht haben und wir vor den Auswirkungen „unserer“ falschen Entscheidungen stehen, ist er immer da, um uns zu helfen, die richtige Haltung gegenüber unserer Situation einzunehmen.

Dass Gott uns verborgen ist, heißt dann eben nicht, dass er abwesend ist, sondern, dass wir die Gesamtheit seines Wesens und seiner Gegenwart noch nicht erfassen können. Wenn der Blinde unter der Sonne immer noch nur Dunkelheit wahrnimmt, bedeutet das nicht, dass es kein Licht gibt, sondern, dass er das Licht leider nicht wahrnehmen kann. Wie der Blinde unter der Sonne immer noch kein Licht wahrnimmt, so nehmen wir die Gegenwart und Liebe Gottes nicht wahr, obwohl er da ist. Wir verstehen nicht, dass er uns immer noch liebt, selbst wenn wir ihn verlassen oder ihm untreue sind. Geduldig, wie der Barmherzige Vater, erwartet er, uns wiederzusehen. Lasst uns zu ihm durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe zurückgehen. Denn ohne ihn zu finden, hungern und dürsten wir zu Tode.



Evangelium vom 4. Sonntag in der Fastenzeit im Lesejahr C:

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Lukas 15,1-3.11-32

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.

Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.

Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.

Der reumĂŒtige sohn kniet vor seinem Vater. Ein hoher Herr und andere Menschen schauen auf sie.
Rembrandt van Rijn
Die Rückkehr des verlohrenen Sohnes.

Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.

Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.

Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.

Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.

Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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