Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 27. Sonntag im Jahreskreis

Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben (Markus 10,5)

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Miteinander bilden wir eine Gemeinschaft, eine Kommunität und eine Gemeinde. Aber um gemeinsam eine solche Gesellschaft zu bilden und friedlich zu leben, muss es Regeln und Gebote geben. Dadurch wird es möglich, ein gerechtes Leben miteinander zu führen. Die Frage ist, wie solche Regeln und Gebote entstehen? Gibt es einen Maßstab, mit dem die Regeln, als menschlich geeignet, beurteilt werden können?

Wenn man die Geschichte der Menschheit betrachtet, entdeckt man, wie unterschiedlich die Regeln sind, die das menschliche Leben in den verschiedenen Zeitaltern bestimmt haben. Jedes Zeitalter der Menschheit hat seinen Geist, durch den das Leben gesteuert wird. Je nach dem Geist eines Zeitalters entstehen Gesetze und Regeln, die das Miteinander des gemeinsamen Lebens bestimmen. Das heißt, dass sich Gesetze  mit der Zeit ändern und sich dem Bedarf der Menschen anpassen.  Jesus weist uns darauf hin, dass manche Gesetze dem Willen Gottes widersprechen können. Nachdem die Pharisäer Jesus gesagt hatten, dass Mose erlaubt hat, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen, sagte Jesus ihnen: „Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“ (Markus 10,4-8).Es wird betont, dass am Anfang der Schöpfung Gott die Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Es ist bedauerlich, dass in manchen Gesellschaften diese natürliche Eigenart der Ehe als Bund von Mann und Frau gesetzlich verleugnet wird. Die erste Lesung erinnert uns daran, dass Gott jedes Wesen (auch den Menschen) in einer bestimmten Art und Weise geschaffen hat. Die Art und Weise, in der Gott jedes Wesen geschaffen hat, ist seine Natur. Das heißt, dass auch wir Menschen eine eigene  Natur haben, die bei der Beurteilung unseres Verhaltens entscheidend ist. Diese Natur entspricht auf jeden Fall dem Willen Gottes. Aber wenn wir unser Verhalten - anders als unserer Natur gemäß - gesetzlich regeln, widersprechen wir dem Willen Gottes. Dies bedeutet, dass nicht alles, was gesetzlich geregelt ist, dem Willen Gottes entspricht. Wird dies von den Menschen bedacht?

Wir sind Christen und Christinnen. Das Wort Gottes ist daher der Maßstab, nach dem wir unser Verhalten ausrichten sollen. Es genügt nicht, dass etwas gesetzlich geregelt ist. Als Christen und Christinnen sollen wir bereit sein, eine zusätzliche Meile im Leben zu gehen, eine Meile, die unserer Natur gemäß ist und den Willen Gottes widerspiegelt. Wir sollen die Liebe Christi vermitteln, die Würde des Menschen achten, die zukünftigen Generationen behüten und die Natur schützen. Selbst wenn eine solch zusätzliche Meile gar nicht in unseren gesellschaftlichen Ordnungen erwähnt ist, sollten wir sie nicht vergessen. Denn wir sind Christen und Christinnen. Und nicht nur weil wir getauft sind, sondern auch, weil wir das Reich Gottes in der Welt vermitteln.

Wenn wir heute das Erntedankfest feiern, stelle ich mir vor, dass sich manche von uns fragen: „Sollen wir Gott danken für einen Jahrhundertsommer mit Hitze und Trockenheit, mit Hitzetoten, mit Waldbränden und mit Ernteeinbußen, die viele Landwirte an den Rand des Ruins gebracht haben?“ Die Katastrophe, die die Ernte betroffen hat, ist von uns Menschen mit verursacht. Gott hat uns seine Schöpfung anvertraut, damit wir sie gemäß dem Willen Gottes bearbeiten und behüten. Wir bitten Gott um Verzeihung und um die Gnade, die Schöpfung Gottes, auch unsere Würde als Menschen, mit Ehrfurcht zu behandeln.



Evangelium vom 27. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf√ľhrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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