Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 3. Sonntag in der Osterzeit im Lesejahr C:

Ein Leben, das auf eine geliebte Mission ausgerichtet ist - mit einem √ľberzeugten Herzen

Es gibt zwei Dinge, die das Leben mit Sinn und Leidenschaft erfüllen können: 1. Wenn man eine Mission entdeckt, die man liebt, - und 2. Wenn man davon überzeugt ist, dass diese Mission mit seinem persönlichen Leben übereinstimmt. Solch eine Mission nenne ich Lebensmission. In der heutigen ersten Lesung erkennen wir, dass die Jünger Jesu ihre Lebensmission gefunden haben. Die Entdeckung dieser Mission ist ihnen im Laufe der Zeit geschenkt worden, durch die persönlichen Erfahrungen, die sie mit Jesus – vor, und während der Begegnungen nach seiner Auferstehung – gemacht hatten. Durch diese Begegnungen und Erfahrungen entwickelte sich ein Beziehungsgeflecht mit Jesus, das nach und nach mit persönlicher Überzeugung und Sinn erfüllt wurde. Sie konnten sich deswegen freuen, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Jesus zu leiden. Wie der deutsche Philosoph Nietzsche einmal geschrieben hat: „Wer ein „Warum“ zum Leben hat, kann fast jedes „Wie“ ertragen“. Die Jünger Jesu hatten das „Warum“ ihres Lebens gefunden, deshalb konnten sie im Namen Jesu alle Leiden ertragen, und das mit Freude.

Wer lernen möchte, wie man mit überzeugtem Herzen und Liebe sein Leben auf eine Mission ausrichten kann, wie man überhaupt solch eine Mission entdecken kann, sollte die Geschichte der Beziehung der Jünger Jesu mit Jesus nachdenklich durchlesen. Diese Geschichte begann mit einer normalen menschlichen Begegnung. Am Anfang begegnete Jesus einem jeden seiner Jünger persönlich und berief ihn, gemeinsam mit ihm (Jesus) auf eine Mission zu gehen. Jeder der Zwölf antwortete: „Ja“, ohne die Weite und Breite dieser Mission zu kennen. Ihr „Ja“ war einfach eins aus Neugier und persönlichen Erwartungen. Sie mussten die Tiefe und Breite dieser Mission noch entdecken. Dabei sollten sie verschiedene Momente erleben, in denen sie sowohl ihre Stärke als auch ihre Schwäche erkennen mussten. Ihre Erfahrung beim Leiden und Tod Christi war eine voller Enttäuschung. Denn ihre Erwartungen waren gescheitert. Sie hatten alle Hoffnung aufgegeben, bevor Jesus – durch seine Auferstehung – ihnen Mut machte. Wir haben sogar im heutigen Evangelium gelesen, wie Jesus Petrus dreimal aufgefordert hat, ihm seine Liebe zuzusagen und ihn erneut zur Mission berufen hat: „Liebst du mich? Weide meine Schafe!“ Nachdem Jesus seinen Jüngern Mut gemacht und sie bestätigt hatte, nachdem er ihnen ihr Versagen verziehen hatte - durch all das wurde ihr Vertrauen auf Jesus größer. Dazu empfingen die Jünger noch den Heiligen Geist, der sie auf dieser Mission begleitete. So entwickelte sich ihre Lebensmission – sie lebten für Jesus, ob sie leiden mussten oder nicht.

Liebe Brüder und Schwestern, jeder von uns braucht eine Lebensmission, eine Mission, der er sein Leben widmen soll, mit Liebe und Überzeugung. Denn, wenn wir eine solche Mission nicht finden, hat unser Leben nicht wirklich einen Sinn. Ob wir jung oder alt sind, diese Mission bleibt immer noch wichtig. Wie der Logotherapeut Viktor Frankl geschrieben hat, Menschen, die keinen Sinn finden, für den sie leben wollen, leiden unter einer existentiellen Leere. Wenn man keine existentielle Leere erleben möchte, muss man sich bemühen, eine Lebensmission zu finden, oder seiner Lebensmission treu zu bleiben.

Es gibt jedoch Versuchszeiten oder Schwierigkeiten bei der Entdeckung oder bei der Durchführung einer Lebensmission, die manche Menschen nicht bestehen. Manche unserer Lebensmissionen scheitern, weil wir diese schwierigen Erlebnisse nicht überstehen. Berufungen scheitern, weil die Berufenen die Probemomente nicht bestehen. Manche von uns kennen die Verbitterung durchkreuzter Lebensmissionen – wie zum Beispiel eine gescheiterte Ehe, unerfüllte Lebenswünsche, gescheiterte Karrieren, frustrierte Bemühungen, usw. Aber es ist wichtig, zu verstehen, dass solche harten Zeiten uns auf einen Weg der tiefen Überzeugung und großen Liebe für unsere Lebensmission bringen können, wenn wir sie überstehen. Aber man darf nicht verschweigen, dass es absolut nicht einfach ist. Jesus ist jedoch ein treuer Freund, der uns dabei helfen kann. Er kennt sowohl unseren Lebensweg als auch unsere Schwächen und Herausforderungen. Er bestätigt uns, wenn wir zu scheitern drohen, wie er das bei seinen Jüngern getan hat. Durch seine Hilfe und Bestätigung können wir die Liebe und Überzeugung erlangen, die wir für unsere Lebensmission brauchen.



Evangelium vom 3. Sonntag in der Osterzeit im Lesejahr C:

Die Erscheinung Jesu am See von Tiberias, der Auftrag an Petrus und sein Ruf in die Nachfolge

Johannes 21,1-19

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling-, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

Zwei Boote mit Fischern ziehen einen großen Fang an Land. Jesus dirigiert sie.
Der wunderbare Fischzug
Maler: Peter Paul Rubens

Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.

Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.

Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!

Zum zweitenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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