Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 5. Sonntag in der Osterzeit

Liebt einander!

Ein Mann sagte einmal zu einem Priester: „Es geht nicht mehr mit meiner Frau. Ich kann sie nicht mehr ertragen. Am Anfang unserer Ehe war alles wunderbar. Aber jetzt geht es nicht mehr. Ich habe alles Mögliche getan, aber jetzt kann ich nicht mehr.“ Diese Aussage hörte der Priester, nachdem er in der Heiligen Messe über die Kraft der Liebe gesprochen hatte. Der Priester aber sagte dem Mann: „Es gibt nur eines, dass du noch tun sollst: Liebe deine Frau, und alles wird wieder besser." Der Mann erwiderte ihm: "Ich kann sie leider nicht mehr lieben. Ich habe für sie kein Gefühl mehr.“ Darauf antwortete der Priester: „Dann liebe sie! Wenn du kein Gefühl für sie hast, dann liebe sie. Denn durch deine Liebe kann das gute Gefühl für sie wieder entstehen.“ In diesem Gespräch erkennt man etwas Wichtiges über die Liebe: Wir denken oft, dass die Liebe nur ein gutes Gefühl für die anderen ist. Liebe ist aber viel mehr als ein Gefühl. Liebe ist die Handlung oder die Tat, die mit einer bewussten Entscheidung beginnt. Wenn es uns an einem guten Gefühl für die anderen fehlt, können wir uns entscheiden, sie trotzdem zu lieben. Es gibt zwei Seiten der Liebe: Die bewusste Entscheidung, zu lieben, und das Gefühl, das diese Entscheidung und die daraus entstehende Handlung erzeugen kann.

Liebe Brüder und Schwestern, wir nehmen uns selbst unsere Kraft und unsere Möglichkeiten, Gutes zu tun, wenn wir die Liebe nur als ein bloßes Gefühl nehmen. Denn, wenn wir so denken, werden wir einfach aufgeben, wenn uns das Gefühl abhanden gekommen ist. Wir denken dann vielleicht wie dieser Mann, von dem wir am Anfang hörten, dass es nicht mehr geht. „Ich kann diese Frau oder diesen Mann oder dieses Kind nicht mehr ertragen!“, sagen wir manchmal. Aber nach einigen Jahren, nachdem wir aufgegeben haben, weiter zu lieben, bekommen wir manchmal ein schlechtes Gewissen, weil es eine Stimme gibt, die uns ganz von innen anspricht: „Du hättest doch ihn oder sie oder es mehr lieben können.“ Hätten wir sie, ihn oder es mehr lieben können? Früher, als unsere Gesellschaft uns noch beigebracht hat, dass wir mehr lieben könnten, konnten die Menschen einander viel mehr lieben als heute. Heute bekommen wir beigebracht, dass wir die Freiheit haben, einfach aufzugeben, wenn das gute Gefühl nicht mehr da ist. In der heutigen Zeit aber scheitern viele Beziehungen und Ehen. Wir haben unsere Kraft und unsere Möglichkeiten zu Lieben herabgesetzt. Das tut uns nicht gut. Das zerstört das menschliche Miteinander und das Wachstum der Beziehungen, die ermöglicht würden, wenn wir einander mehrere Chancen geben wollten.

Jesus ermutigt uns trotzdem. Er sagt uns: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ (Joh 13,34) Wie hat er uns geliebt? Trotz all unseres schlechten Verhaltens nimmt er uns an als geliebte Menschen. Auch wenn wir ihn immer wieder mal kurz verraten und verleugnen werden, wäscht er uns die Füße und liebt uns trotzdem. Auch wenn wir ihn wegen seiner Hilflosigkeit am Kreuz beschimpfen, liebt er uns trotzdem. Es ist ihm egal, wie wir sind und wie wir uns verhalten; er liebt uns ganz und gar, und will uns mit seiner Liebe überzeugen und gewinnen. Er meint aber auch, dass wir einander so lieben können, wie er uns liebt. Ich möchte Euch, liebe Brüder und Schwestern, einen kleinen Rat geben, einen Rat, der auch für mich notwendig ist. Wenn wir nächstes Mal denken, es geht nicht weiter, und damit meinen, wir können jemanden nicht mehr lieben, weil uns das Gefühl zur Liebe fehlt, fragen wir uns, ob es noch etwas Gutes gibt, das wir in dieser Beziehung oder zum Gewinn dieses Menschen tun könnten. Es gibt immer etwas Gutes, das wir noch tun können. Entscheiden wir dann, das zu tun, trotz des fehlenden Gefühls. Dann haben wir eine Möglichkeit geschaffen, noch zu lieben. Es wird uns dabei helfen, wenn wir dazu um die Kraft Gottes bitten – die Kraft der Liebe. Beziehungen behalten nicht immer das Gefühl – ob es die Beziehung mit meinen Kindern, mit meinem Mann, mit meiner Frau, mit meinen Freunden, mit meinen Eltern, oder mit meinen Geschwistern ist, aber ich darf sie oder ihn trotzdem lieben. Lasst uns vor Jesus all unsere Schwierigkeiten mit der Liebe bringen. Lasst uns alle Beziehungen zu ihm bringen, in denen es uns schwer fällt, weiter zu lieben. Er verspricht uns die Kraft der Liebe. Durch diese Kraft hilft er uns, diese Beziehungen wiederzugewinnen.



Evangelium vom 5. Sonntag in der Osterzeit im Lesejahr A:

Das Gespr√§ch √ľber den Weg zum Vater

Johannes 14,1-12

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!

Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.

Eine Stra√üe umrandet mit hohen Laubb√§umen f√ľhrt nach vorn.
Jesus, lass uns Deine Wege gehen!

Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.

Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.

Ein Kreuz, flach auf die Erde gelegt, verbindet zwei Berge. Wenige Menschen gehen auf ihm auf die andere Seite.
Jesus, lass uns den Vater erkennen!

Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.

Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.





Kommentare zu diesen Evangelium:
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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