Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 6. Sonntag in der Osterzeit im Lesejahr C:

Die Botschaft Jesu ermöglicht Synergie unter den Menschen

In der ersten Lesung meinten einige Juden-Christen, dass die Gläubigen aus dem Heidentum noch beschnitten werden müssten, bevor sie gerettet werden könnten. Manchmal denken wir auch wie diese Juden-Christen, dass unsere Meinung oder Denkweise die Richtige ist, und meinen damit indirekt, dass die Meinung oder der Weg der anderen der Falsche ist. Ich betrachte zum Beispiel den Streit, der oft zwischen einigen Gläubigen und manchen Wissenschaftlern entstanden ist. Einerseits gibt es Strenggläubige, die der Wissenschaft so misstrauen, dass sie glauben, dass die Wissenschaft nichts Gutes zum Glauben beitragen kann. Andererseits gibt es auch Wissenschaftler, die nichts mit der Religion 'am Hut' haben. Es ist nicht unbedingt so, dass, wenn wir unterschiedlicher Meinungen sind, dass die eine falsch ist, während die andere richtig sein soll. Es geht nicht immer um eine Trennung zwischen Falsch und Richtig. Dass wir Menschen die Dinge unterschiedlich sehen, bedeutet aber nicht, dass unsere Verschiedenheit uns voneinander trennen müsste.

Diese trennende Denkweise, mit der wir einander nur als Gegner sehen, trennt uns oft auf verschiedene Weise in zwei Gruppen – wie z.B. die Gläubigen und die Ungläubigen, Reiche und  Arme, die Europäer und die Nationalisten – und denken, dass die beiden Gruppen nichts gemeinsam haben. Manche von uns erachten, dass, wenn man zu einer Gruppe gehört, man als Konkurrent der anderen Gruppe betrachtet wird. Diese Denkweise wirkt auch auf der kleinsten Ebene unseres Lebens – wie z.B. in der Familie, bei der Arbeit, in der Kirche, usw. Auf dieser Ebene entsteht auch manchmal Streit, bei dem wir denken, mein Weg ist der Richtige und deiner ist der Falsche. Meine Motive sind ehrlich, deine sind bestenfalls gemischt; meine Gruppe, mein Land, mein Kind, mein Arbeitgeber, meine Meinung, meine Seite stehen gegen deine Gruppe und so weiter.  Wenn wir so denken, werden wir nicht bereit sein, die Denkweise des anderen und seine Dinge anzuschauen, um zu sehen, ob der andere von seiner Seite etwas Richtiges dazu beitragen kann. Das wird den Streit nur vermehren und verschlimmern.

Liebe Brüder und Schwestern, in der Natur ist zwar die Verschiedenheit der Dinge überall spürbar, aber in dieser Verschiedenheit können wir auch die Einigkeit der Dinge erkennen. Es gibt Einigkeit in der Verschiedenheit der Dinge, auch unter uns Menschen. Das Erkennen der Einigkeit der Dinge kann aber lediglich nur dann geschehen, wenn wir bereit sind, über die Verschiedenheit hinaus genauer hinschauen zu wollen. Trotz der Verschiedenheit unserer Meinungen, Denkweisen, Farben, Nationalitäten, Religionen, können wir uns in einer Synergie miteinander einigen. Synergie, so das Duden-Fremdwörterbuch ist: 1. Energie, die für den Zusammenhalt und die gemeinsame Erfüllung von Aufgaben zur Verfügung steht. 2. (= Synergismus) Das Zusammenwirken von Substanzen oder Faktoren, die sich gegenseitig fördern. Synergie entsteht dann, wenn unsere Augen auf den Punkt gerichtet sind, wo wir gemeinsam etwas Gutes bewirken können, und dazu einen gemeinsamen Weg finden. Die Apostel haben uns ein Beispiel von Synergie gegeben, indem sie in einer Auseinandersetzung alles das betrachtet haben, worin das Kernproblem auf beiden Seiten bestanden hat, und so dem Streitproblem eine Lösung geboten. Sie wollten den Christen aus dem Heidentum keine weitere Last auferlegen, sondern ihnen nur die notwendigen Dinge des Glaubens empfehlen.

Die Botschaft Jesu ist es, dass wir einander keine unnötige Last auferlegen. Das bedeutet dann, wenn es um die Verschiedenheit unserer Meinungen, o.ä. geht, ist es wichtig, dass wir die Dinge von der Seite der anderen her anschauen, um uns vorstellen zu können, worum es überhaupt geht in der Meinung der anderen. Denn beide können die gleiche Wahrheit durch unterschiedliche Schaufenster anders sehen. Einander genauer zuzuhören, und zu finden suchen, wo die Wahrheit auftaucht in der Meinung der anderen, ist der Weg zur Synergie. „Synergie entsteht, wenn zwei oder mehr Menschen beschließen, ihre eigene Sicht der Dinge in den Hintergrund zu stellen, um gemeinsam ein schwieriges Problem zu lösen“, so Stephen Covey. Mit Synergie können wir trotz unserer Verschiedenheit – auch wenn es schon Streitpunkte gibt – gemeinsam neue Lösungsräume gestalten. Sie ist der Schlüssel zur Lösung der schwierigsten Herausforderungen, die das Leben zu bieten hat.



Evangelium vom 6. Sonntag in der Osterzeit im Lesejahr C:

Die Erste Abschiedsrede, Fortgang und neues Kommen Jesu

Johannes 14,23-29

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.

Eine Menschenmenge blickt zum Horizont. Am Himmel ist ein Wolkenkreuz zu sehen.
... wir kommen zu ihm!
© paul by Adope Stock

Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest.

Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.

Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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