Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom Phingsten

Der Heilige Geist: die Kraft, die das Leben des Glaubens ermöglicht

Das Leben Gottes ist Beziehung – Beziehung in sich. Wir glauben an den Dreifaltigen Gott, dessen Leben nicht nur in Selbstmitteilung, sondern auch als erschaffende und lebenschenkende Kraft offenbart wird. Das Fest, das wir heute feiern dürfen, das Pfingstfest, erinnert uns daran, dass Gott die Kraft des Lebens ist. Diese Kraft ist aber nicht eine bloße Energie des Universums, mit der man sich verknüpfen kann, ohne eine lebendige Beziehung mit ihr zu haben. Diese Kraft ist eine Person, die dritte Person des Dreifaltigen Gottes, die wir den Heiligen Geist nennen. Einmal im Jahr bekommt der Heilige Geist etwas mehr Aufmerksamkeit von uns; Ihm wird mehr zugesprochen. Also, der Heilige Geist, ohne den es keine Schöpfung gegeben hätte; der es ermöglicht hat, dass es die Kirche gibt, der Heilige Geist, der in uns den wahren Glauben an Gott bewirkt, er bekommt von uns heute eine große Aufmerksamkeit. Hätten wir es aber gut verstanden, wer er wirklich ist, würden wir ihn ersehnen, nicht nur einmal im Jahr, sondern jeden Tag!

Ikone von Frau Elena Filipescu. Gemalt nach einer Kunstkeramik von Sr. Caritas M√ľllerWenn wir verstehen wollen, wie unmöglich es wäre, den wahren Glauben an Gott zu haben, ohne die Hilfe des Heiligen Geistes, dann denken wir an die Jünger Jesu. Für drei Jahre waren sie mit Jesus unterwegs. Sie hatten viel mit Jesus erlebt und durch ihn erfahren, aber zu wenig davon verstanden. Sie hatten zwar versprochen, Jesus gehorsam nachzufolgen, aber sie konnten das nicht erfüllen. Sie hatten viele Wunder miterlebt, aber ihr Glaube war schwach geblieben. Warum? Sie brauchten noch die Kraft, die man durch den Beistand des Heiligen Geistes empfängt. Nachdem die Jünger Jesu den Heiligen Geist empfangen hatten, verkündeten sie voll Mut und Kraft die Botschaft Jesu. Petrus, der Jesus dreimal verleugnet hatte, konnte an Pfingsten vor Tausenden von Menschen das Evangelium verkünden.

Auch im Leben der Muttergottes erkennen wir, dass der Heilige Geist in uns Menschen das Unmögliche möglich machen kann. Als Maria, die Muttergottes, den Erzengel Gabriel gefragt hat: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“, antwortete ihr der Engel: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. … Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ Wie er das an Maria getan hat, so ermöglicht der Heilige Geist auch in unserem Leben das Unmögliche. Das Leben wird ganz anders, wenn wir uns dem Heiligen Geist öffnen.

Liebe Brüder und Schwestern, es fehlt vielen Christen heute das Wirken des Heiligen Geistes. In unserer Zeit ist der Glaube an Gott schwieriger geworden als früher, weil  wir Menschen heutzutage glauben, aus eigener Kraft und eigenem Wissen so viel zu können, dass Gottes Hilfe nicht mehr nötig scheint. Manche, die in der Kirche geblieben sind, sind nur noch da aus Gewohnheit, und nicht, weil sie immer noch von der Kraft Gottes bewegt wären. Das Ergebnis ist, dass sie die Heilige Messe und die Gottesdienste besuchen, ohne in Berührung mit Gott eintreten zu können. Es ist aber sehr schade, wenn die Heilige Messe und die Gottesdienste, die für uns Kraftquelle sein sollen, nur noch trockene und langweilige Veranstaltungen werden.

Uns allen ist es lebensnotwendig, dem Heiligen Geist unser Herz zu öffnen. Denn nur so können wir eine Beziehung mit Jesus haben, nur so können wir die Botschaft Jesu annehmen, nur so können wir in unseren Gottesdiensten und Gebeten die Gegenwart Jesu erleben, trotz unserer Schwachheit. Denn Er, der Heilige Geist, überwindet unsere Schwachheit. Wie der Heilige Paulus geschrieben hat: „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können“ (Röm 8,26). Und, wie Papst Benedikt XVI. erklärt hat, „nimmt sich der Heilige Geist unserer Unfähigkeit an, erleuchtet unseren Verstand und erwärmt unser Herz, indem er unser Sprechen mit Gott leitet“. Versuchen wir eine Beziehung mit ihm zu entwickeln. Nehmen wir uns zwei Minuten Zeit, um seine Gegenwart in unserem Herzen neu zu spüren und ihn willkommen zu heißen.

(Ikone von Frau Elena Filipescu. Gemalt nach einer Kunstkeramik von Sr. Caritas Müller)



Evangelium vom Phingsten im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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