Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 14. Sonntag im Jahreskreis C

Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe

Das heutige Evangelium erinnert mich an die Zeit meiner Priesterausbildung. Es war häufig in der ersten Woche unseres Praktikums, dass wir als Seminaristen in Pfarrgemeinden zu zweit oder mehr oder auch weniger gesandt wurden, um dort die priesterlichen Dienste zu üben und das Leben als Priester in den Gemeinden kennenzulernen. Die Anweisungen Jesu in diesem Evangelium: „Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe!“ waren uns dann sehr praktisch und ansprechend. Denn wir wurden einfach zu diesen Gemeinden geschickt, wo wir oft herzlich aufgenommen wurden. Für jene sechs Wochen wohnten wir unter den Gläubigen und verkündeten ihnen das Evangelium, indem wir mit ihnen beteten, die Kinder und Jugendlichen für die Erstkommunion und Firmung vorbereiteten und manchmal die Gläubigen bei ihren Alltagsaktivitäten begleiteten. Dieses Erlebnis war immer für uns voller Abenteuer. Am Anfang wussten wir nicht, wo wir landen und wie die Leute uns entgegenkommen würden. Unsere Begeisterung war es, dass Gott uns durch unseren Bischof gesandt hatte, und, dass wir etwas zum Glauben der Zielgemeinden beitragen durften. Wir dachten eigentlich nicht an das, was es zu essen, zu trinken, oder anzuziehen gab. Manchmal fand man innerhalb dieser Zeit kaum gewohntes Essen. Es war aber erstaunlich zu sehen, wie tief dieses sechs-Wochen-Erlebnis die Leute bewegte, wie es sie im Glauben bestärkte und bestätigte, und wie es uns Freude bereitete. Wir kamen dann zurück, voller Freude, die göttliche Vorsehung erlebt haben zu dürfen. Diese Erfahrung hat mir geholfen, daran zu glauben, dass es wirklich die Vorsehung Gottes gibt

Als Jesus den zweiundsiebzig Jüngern sagte: „Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe!“, meinte er natürlich damit nicht, dass diese Dinge nicht nützlich sind. Nein. Er sagte damit nur, dass jeder, der ein Mitarbeiter Gottes sein möchte, nicht auf diese Dinge sein Vertrauen setzen soll, sondern auf die Vorsehung, Führung und Begleitung Gottes vertrauen soll. Wissen Sie, was diese drei Dinge bezeichnen? Geldbeutel bezeichnet das Geld (oder sogar den Reichtum); Vorratstasche deutet auf Ersparnisse hin, die uns eine gesicherte Zukunft versprechen; während Schuhe auf die eigene Sicherheit hinweisen. Dies sind Dinge, die wir grundsätzlich haben und sichern wollen. Es sind Dinge, nach denen wir oft streben. Wir denken manchmal, wir werden glücklich sein, wenn wir mehr Geld haben, wenn wir für eine sichere Zukunft größere Ersparnisse anhäufen, wir denken, dass unsere Zukunft abgesichert ist, wenn wir eine gute Versicherung haben. Es ist gut, die Dinge zu haben, die uns gegenwärtig und zukünftig Sicherheit versprechen. Aber die Vorsehung Gottes hat Vorrang vor solchen Dingen. Jesus meint, dass wir besser versichert sind, dass wir im Leben die Erfüllung finden, wenn wir seinen Ruf entdecken und diesem Ruf treu bleiben.

Liebe Brüder und Schwestern, Gott ruft jeden von uns – wie Jesus seine zweiundsiebzig Jünger gerufen hat – und sendet uns zur Verkündigung des Evangeliums durch unterschiedliche Lebensaufgaben. Natürlich meine ich mit Lebensaufgaben unsere Berufungen. Jede Berufung trägt etwas Wichtiges zum Dienst der Mitmenschen bei und schenkt dem Leben des Berufenen eine Bedeutung, die ihm das Erleben von Erfüllung und Glück ermöglicht. Es spielt dann eine große Rolle für den Erfolg unserer Berufung, wenn wir mehr auf die Vorsehung vertrauten, als wenn wir auf den Reichtum, das Geld, die Versicherung, und auf die eigene Sicherheit vertrauen. Denn dadurch geben wir Gott mehr Raum in unserem Leben, dadurch nehmen wir wahr, dass er mit uns ist, dass wir seine Begleitung und Führung nötig haben. Wir können die Kraft Gottes mehr erleben und besser erkennen, wenn wir ihm bewusst einen Raum geben. Außerdem führt das Vertrauen auf Gott zum Wachstum im Glauben. Je mehr Raum wir Gott in unserem Leben geben, desto mehr erkennen wir seine Wirkung – auch wenn wir nicht von schwierigen Zeiten verschont worden sind – und desto mehr Erfahrung sammeln wir in der Mitarbeit mit ihm. Bitten wir deswegen darum, dass wir Gott mehr Raum geben, dass wir auf ihn vertrauen, dass wir die Vorsehung wahrnehmen, und die Kraft und die Wirkung Gottes erleben. Amen.



Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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