Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 15. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Denn du sollst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören

Liebe Brüder und Schwestern, wir leben in einer Zeit, in der uns viele widersprüchliche Stimmen ansprechen. Unsere Zeit ist eine Zeit der Verwirrung. Denn viele Leute können unter diesen vielen Stimmen Wesentliches vom Unwesentlichen nicht unterscheiden; also, sie wissen nicht, welche Stimmen unter diesen wichtig sind, auf welche sie hören sollen. Aufgrund dieser Tatsache sind viele Menschen in Verwirrung geraten. Zum Beispiel hören wir die Stimmen der Medien, die uns disharmonische Dinge anbieten, die Stimmen der Politiker, die uns chaotisch ansprechen, die Stimmen unserer Begierden, die unsere Aufmerksamkeit gleichzeitig auf unvereinbare Dinge lenken, manchmal auch die Stimmen der Mitmenschen, die uns widersprüchliche Anweisungen geben. Nicht zu vergessen ist unsere selbstbeurteilende Stimme, die unsere Aufmerksamkeit nur auf unsere Fehler lenkt. Wenn wir auf all diese Stimmen hören wollten, ohne zu unterscheiden, welche unter ihnen unsere Aufmerksamkeit überhaupt verdient, dann geraten wir in tiefe Verwirrung. Dann verbrauchen wir unsere psychische Energie in nutzlosen Gedanken.

Liebe Brüder und Schwestern, es tut einem ebenfalls weh, zu sehen, wie viele Stimmen, und zwar disharmonische Stimmen, man in der heutigen Kirche hört. Wo dann kann man heute die erwünschte Harmonie und Ruhe finden? Man fragt sich in dieser Zeit, in der sich die Stimmen des Besser-Wissens und der Gefühle des Menschen so entfaltet haben, dass sie zu den Menschen disharmonisch sprechen: Gibt es noch das, was wir die Wahrheit nennen dürfen? Und wenn es das gibt, wäre die nächste Frage: Gibt es überhaupt noch eine Stimme, die uns diese Wahrheit harmonisch anbietet?

Ja, es gibt noch etwas, das die Wahrheit ist und immer die Wahrheit bleibt. Gott, der Ursprung unseres Wesens, er ist auch der Ursprung der Wahrheit. Nur seine Stimme bietet uns unveränderlich die Wahrheit an. In der ersten Lesung haben wir von den Israeliten gehört. Sie waren auf dem Weg in ein Land, wo sie siedeln sollten. Sie kannten dieses Land nicht. Aber Gott hatte ihnen versprochen, durch die Führung des Mose, sie in das verheißene gelobte Land zu führen. Sie mussten nur auf die Stimme Gottes durch Mose hören, um überhaupt in dieses Land zu gelangen. Das war aber nicht einfach für sie. Denn es gab auch viele andere Stimmen, die zu ihnen sprachen. Die Stimme ihres vergangenen Lebens in Ägypten sprach immer noch zu ihnen. Obwohl sie in Ägypten unter der Knechtschaft des Pharao gelitten hatten, wollten sie manchmal nach Ägypten zurückkehren. Die Stimmen ihrer Wünsche nach sofortiger Erfüllung hatten auch zu ihnen gesprochen. Um auf die eine Stimme zu hören, die sie auf ihrer Reise voranbringen und an ihr Ziel führen konnte, sollten sie den anderen Stimmen kein Gehör schenken und ihre Angebote meiden. Deswegen sagte Mose zum Volk: „Der Herr wird dir Gutes tun. Du sollt auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören und auf seine Gebote und Gesetze achten, die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind“ (Dtn 30,9c.10). Wir kennen diese Geschichte gut. Die Geschichte der Israeliten bezeichnet die Geschichte unserer Reise mit Gott, die Reise, die wir das Leben nennen.

Wie den damaligen Israeliten, so geht es auch uns heute schlecht, wegen der disharmonischen Stimmen, die uns jeden Tag stören oder ablenken. Aber nur die Stimme Gottes sagt uns die Wahrheit. Wir müssen die Stimme Gottes kennenlernen, damit wir das Ziel unseres Lebens finden können. Die Frage ist jedoch: Wie erkennen wir seine Stimme? Wir erkennen die Stimme Gottes zuerst in der Stimme Jesu. Paulus sagt uns in der heutigen zweiten Lesung: „Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes. … Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. …“ (Kol 1,15.18). Wir haben ein Beispiel im heutigen Evangelium, und zwar in der Antwort, die Jesus dem Gesetzeslehrer gibt: die Erzählung vom guten Samariter. Es waren drei Leute – ein Priester, ein Levit und ein Samariter –, die das Angebot Gottes bekommen haben, das Angebot der Liebe: also, Gott hat von ihnen die Liebe für das Opfer eines Überfalls gefordert. Aber nur der Samariter hat auf die Stimme Gottes gehört. Vielleicht war die Aufmerksamkeit des Priesters und des Levits auf andere Dinge so gerichtet, dass sie die Stimme Gottes nicht hören konnten. Es ist wirklich traurig, dass diejenigen, die besonders für die Gottesdienste auserwählt waren, die Stimme Gottes nicht erkannt haben.

Es passiert auch in unserem Leben, dass wir die Stimme Gottes kaum hören, weil wir uns von vielen anderen Stimmen stören oder ablenken lassen. Wenn wir aber die Stimme Gottes erkennen und auf sie hören wollen, müssen wir Schüler und Schülerinnen Jesu Christi sein. Versuchen wir, sein Wort zu lesen, das für uns in der Heiligen Schrift aufgezeichnet ist. Nur dann können wir seine Stimme in den Kleinigkeiten des Alltags erkennen und ihr zuhören. Nur dann können wir ein Muster haben, das uns die Wahrheit aufzeigt, wenn viele andere Stimmen versuchen, uns irrezuführen.



Evangelium vom 15. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Der barmherzige Samariter als Beispiel

Lukas 10,25-37

Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?

Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.

Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben.

Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?

Ein Mann gießt Öl in die Wunden eines Verletzten. Ein Schriftgelehrter ging vorbei und ein Priester hĂ€lt ein Buch vor seine Augen.
Gleichnis vom barmherzigen Samariter
Meister des verlorenen Sohnes

Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen.

Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.

Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat.

Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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