Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 16. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Sowohl Aktion als auch Kontemplation

Wir haben in den heutigen Lesungen über die Gastfreundschaft des Abraham und der beiden Schwestern Marta und Maria gehört. Abraham hatte drei Männer zu Gast, denen er als Gesandte Gottes mit einer großen Aufmerksamkeit und Gastfreundlichkeit begegnet ist. Man erkennt an seinem Tun diesen Männern gegenüber nicht nur Gastfreundlichkeit, wie man sie einem Mitmenschen erweisen kann, sondern auch eine große Ehrfurcht und ein Gehör, das nur Gott verdient. An diesem Tun Abrahams entdeckt man zwei wichtige Dinge, die den Menschen voranbringen können, nämlich die Aktion und die Kontemplation. Diese beiden Seiten werden in der Art und Weise der Gastfreundschaft von Marta und Maria zu Jesus noch klarer gezeigt – wie wir eben im Evangelium gehört haben. Jesus war zu Gast bei Marta und Maria. Wie wir wissen, hat Jesus, der menschgewordene Sohn Gottes, zugleich Gott und den Menschen vertreten. Während Marta ihm als einem Menschen diente, hat Maria ihm eine große Aufmerksamkeit und das Gehör geschenkt, das nur Gott gebührt. Also das, was Marta an Jesus getan hat, nennt man Aktion. Und das, was Maria an Jesus getan hat, bezeichnet man als Kontemplation.

Liebe Brüder und Schwestern, durch Aktion und Kontemplation gehen wir mit den Herausforderungen des Lebens um. Aktion und Kontemplation sind zwei Seiten des menschlichen Daseins in der Welt und des Miteinanderseins. Aktion bezeichnet alles, was wir (vielleicht äußerlich) tun, um unsere Welt zu verbessern, ich meine damit alle unsere Handlungen, die auf äußerliche Dinge gerichtet sind. Kontemplation bedeutet, vor Gott da zu sein, damit man die Bedeutung und den Zusammenhang seiner Handlungen im Auge behält, und die Kraft dazu schöpft. Somit möchte ich ausdrücken, dass Aktion und Kontemplation nicht zu trennen sind. Sie sind die beiden Seiten derselben Münze. Mit diesen beiden können wir die Menschheit und die Welt voranbringen. Aber, wenn man sich nur mit einer der beiden beschäftigt, führt das entweder zur Erschöpfung oder zur Frustration, mit der man dann früher oder später zu kämpfen hat.

Wir haben die Geschichte vernommen von Marta als Beispiel des Ergebnisses von Aktion ohne Kontemplation. Marta hat sich nur mit der Aktion beschäftigt. Sie war aber schnell erschöpft und hat sich bei Jesus beschwert: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir nur durch Aktion – ohne Kontemplation – mit den Herausforderungen des Lebens umgehen, verlieren wir schnell die Bedeutung und den Zusammenhang mit unserer Arbeit, dann kommt alles durcheinander. Dann beginnen wir über die anderen zu klagen. Entweder wir denken, wir seien allein mit allem, oder die anderen täten nicht genug. In solch einen Umstand geraten, beginnt ein Ehemann z.B. über die „Faulheit“ seiner Frau und seiner Kinder zu klagen. Und die Frau? Sie fängt an, sich über die Verachtung oder Missachtung ihres Mannes und ihrer Kinder zu beschweren. Ohne Kontemplation sehen wir schnell die Untätigkeit und die Fehler der anderen, aber kaum unsere.

Bemerkenswert ist deswegen die Antwort Jesu auf die Beschwerde Martas: „Marta, Marta,“ sagt er, „du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ Was hat Maria gewählt? Was soll ihr nicht genommen werden? Kontemplation: Mit Jesus zu sein, und mit ihm über alles zu sprechen. Einfach da mit ihm zu sein, um überhaupt zu verstehen, was er will. Was will Gott, wie ich in dieser oder jener Situation handle? Diese Frage oder ähnliche, die uns in die Kontemplation führen, haben Vorrang vor der Handlung. Das Da-sein mit Gott im Gebet, das persönliche Gespräch mit Gott, schenken unseren Handlungen eine tiefe Bedeutung, die uns bei der Handlung Freude schenkt. Diese Freude ist nicht nur über die Handlung, sondern über die Beziehung, die sie vertritt, die Beziehung mit Gott, das Engagement Gottes im Hier und Jetzt unseres Lebens. Das bedeutet dann, dass wir nicht nur in der Kontemplation verharren, sondern, dass Kontemplation uns zu notwendigen Handlungen führt. Wenn unsere Handlung aus der Kontemplation heraus entsteht, geschieht das in unserem Leben, wie es der Heilige Benedikt gesagt hat: "laborare est orare", was auf Deutsch bedeutet: Arbeit ist Gebet. Denn unsere Arbeit und unsere Handlung werden unserem Gebet entsprechen und mit diesem eine Einheit bilden. Lasst uns nicht nur handeln, sondern auch, und zwar zuerst, die Bedeutung unserer Handlung im Gebet suchen, und in Gott die notwendige Kraft schöpfen. Ich denke an die Wichtigkeit unseres jährlichen Urlaubs, der zur körperlichen Erholung führt. Die Frage ist, ob man auch jährlich Exerzitien machen könnte, damit man zusätzlich auch zu einer geistlichen Erholung gelangt. Denken Sie an die Möglichkeit solcher Exerzitien!  



Evangelium vom 16. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Maria und Marta

Lukas 10,38-42

In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.

Jesus sagt etwas sehr wichtiges zu Marta und erhebt dabei den Finger. Maria kniet zu seinen FĂŒĂŸen.
Jesus im Haus von Marta und Maria
Juan Antonio Vera Calvo




Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!

Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.

Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.









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Video zum Thema:


Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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