Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 18. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Worin der wahre Reichtum besteht

Es scheint so, als ob die Texte, die wir in den Lesungen gehört haben, gegen den Reichtum sprechen. „Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. … Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?“ Also, diese Aussage aus der heutigen ersten Lesung scheint gegen den Reichtum zu sprechen. Auch das Gleichnis, das Jesus im Evangelium erzählt, könnte den Eindruck erwecken, dass der Mensch sich um sein Wohlbefinden nicht mehr kümmern soll. Es wäre aber ein Missverständnis, diese Texte so zu verstehen. Das Geld, der Reichtum – wie viele andere Dinge dieser Welt – sind zunächst einmal völlig wertneutral. Sie sind zunächst einmal weder gut noch schlecht. Ihre Bedeutung und ihren Wert erhalten sie durch den Menschen. Die grundsätzliche Frage, die uns die Lesungen stellt, ist: Welchen Stellenwert geben wir unserem Besitz – Geld, Macht, Einfluss, usw.? Wozu verwenden wir diese Dinge? 

Dass das alles, was wir besitzen, Windhauch ist, bedeutet dann nicht, dass wir uns um unser Wohlbefinden nicht mehr kümmern sollen, sondern, dass wir unserem Besitz nicht die höchste Bedeutung im Leben schenken sollen. Denn der wahre Reichtum besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Der wahre Reichtum liegt nicht darin, was man besitzt, wie zum Beispiel: Geld, Macht, Einfluss, usw. Der wahre Reichtum des menschlichen Lebens, liebe Brüder und Schwestern, besteht in den Beziehungen, in denen sich der Mensch mit Gott, mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen befindet. Alle anderen Dinge sind in dem Maße gut, in dem sie diesem wahren Reichtum des menschlichen Lebens dienen. Sie gehen nicht vorüber wie Windhauch, wenn wir sie für diesen Dienst einsetzen. Das bedeutet dann, dass der Besitz, der diesen menschlichen Beziehungen nicht dient, nur wie Windhauch ist. Im Evangelium gibt uns Jesus dazu zwei Mal einen wichtigen Rat:

  • Wir sollen nicht Schatz um Schatz anhäufen, ohne dadurch den anderen zu dienen. Der Herr fragt jeden von uns hier ganz persönlich: wie gehst du eigentlich mit dem um, was du hast? Besitz, Einfluss oder auch mit deinen Begabungen? Was machst du daraus? Wem dienst du damit?  Nichts ist in Ordnung, wenn ich meinen Besitz für mich allein behalte, wenn ich ihn nicht im Engagement in der Welt, in der Familie, in meiner Nachbarschaft, in der Kirche, zum Dienst meiner Mitmenschen einbringe. Jesus weist darauf hin, wie wichtig es ist, dass wir das mit den anderen teilen, was wir haben. Dadurch werden wir nicht ärmer, sondern reicher. Denn das, was wir mit den anderen teilen oder zum Dienst an den anderen einsetzen, wird nicht nur vermehrt, sondern auch bewahrt, und zwar auf ewig für uns.
     
  • Wir sollen auf Gott vertrauen. Allein zu verstehen, dass nichts von uns selber abhängt, hilft uns, auf Gott zu vertrauen, der unsere Mühe fruchtbar macht. All unsere Mühe wäre unbedeutsam, wenn wir Gott nicht darin miteinbeziehen würden. Denn nur in Gott kann man die Bedeutung und den Zusammenhang seiner Mühe finden. Jesus lädt uns im Evangelium ein, auf Gottes Gegenwart in unserem Leben und auf sein Heil schaffendes Handeln zu vertrauen. Dieses Vertrauen wird uns der Angst entreißen, ob wir genug für unsere Zukunft haben werden, und es ermöglicht uns, mit dem, was wir haben, verantwortungsvoll umzugehen. Somit können wir – wie treue Verwalter – unseren Besitz, unsere Begabungen, usw. zum Dienst des Willens Gottes einsetzen. Der Herr sieht unseren guten Willen und unser Bemühen.

Liebe Brüder und Schwestern, wir können niemals genug haben oder tun. Wenn wir den Besitz und die Mühe dieser Welt zum Sinn unseres Lebens machen, dann werden wir sicherlich enttäuscht oder frustriert. Denn diese Dinge können unser Leben nicht erfüllen. Allein Gott genügt uns. Die Beziehung zu ihm ist der wahre Reichtum, der unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen reich macht. Was wir haben, oder tun können, dient dann diesen Beziehungen. Lasst uns beten, dass Gott uns hilft, nach dem wahren Reichtum zu verlangen.



Evangelium vom 18. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Die VorlÀufigkeit des Besitzes

Lukas 12,13-21

In jener Zeit bat einer aus der Volksmenge Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.

Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?

Dann sagte er zu den Leuten: Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel:

Vor einer Trauergemeinde ist links vorn ein Goldbarren eingeblendet.Menschen geben einem Toten die letzte Ehre.
Vertraue Gott - nicht Deinem Besitz!
Foto: privat

Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens!

Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?

So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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