Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 20. Sonntag im Jahreskreis C

Das Feuer des Glaubens

Liebe Brüder und Schwestern, das Wort Jesu, das wir heute gehört haben, scheint der Lebensart Jesu und seiner Botschaft der Liebe und des Friedens zu widersprechen. Durch sein Leben hat Jesus uns ein Vorbild der Liebe gezeigt. Er hat mit den Sündern und Zöllnern gegessen; seine Lehre – wie zum Beispiel die Bergpredigt – fordert von seinen Jüngern eine zusätzliche Meile in ihrem Umgang mit den anderen. Auch denjenigen, die sich feindlich verhalten, soll diese unbedingte Liebe nicht verweigert werden. Wie kann man dann diese scheinbar feindseligen Worte – Spaltung, Zwietracht und Feuerwerfen – erklären, die Jesus in seiner Lehre befürwortet?

Also, Jesus sagt im heutigen Evangelium: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! … Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. … Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei …“ Jemand sagte mir einmal, dass auch Jesus ein „Hate Speech“, also eine "Hass-Rede", vorgetragen hat. Er meinte das in Bezug auf diese Worte Jesu.

Wenn wir aber diese Worte so verstehen würden, es wäre absolut ein Missverständnis. Denn diese Worte widersprechen weder Jesu liebenswürdigen Leben noch seiner Botschaft der Liebe. Stattdessen vermitteln sie uns einen Teil des Lebens und seiner Liebe: Seine Lebensart, Lehre und Botschaft der Liebe sind ein Zeichen, dem widersprochen wird. Ich erinnere daran, dass der greise Simeon über ihn geweissagt hatte, als Jesus wenige Wochen nach seiner Geburt in den Tempel gebracht wurde: „Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden. Und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.“ Das bedeutet: Jesus ist in die Welt gekommen, um eine klare Botschaft zu vermitteln, die aber viele Menschen nicht bereit sind, anzunehmen. Denn sie fordert einen zu tiefer Umkehr auf, auf die man demütig eingehen soll. Zwei Dinge sind hier ganz wichtig:

Der Weg Jesu plädiert nicht für die Gleichwürdigkeit aller Lebenshaltungen. Seine Botschaft ist klar: Gott zu lieben mit ganzem Herzen; und den Nächsten zu lieben, wie sich selbst. Das bedeutet dann, wer an Jesus Christus glaubt, muss diese Botschaft der Liebe mit ganzem Herzen annehmen. Das Feuer, das Jesus auf die Erde werfen will, ist das des Glaubens, das in der Liebe umgesetzt werden soll. Der Glaube an Christus ist deswegen nicht eine Befürwortung von Gleichwürdigkeit aller Lebenshaltungen, sondern er plädiert für ein Lebensideal, das man in Demut anstreben soll. Es ist ein Ideal, das niemand erreicht hat, aber das man bereit sein muss, anzustreben, wenn man ein Christ, also ein Jünger Jesu, ist.  Was fangen wir damit an? Meiner Ansicht nach ist das eine Aufforderung, sich klarer und bewusster für Christus zu entscheiden. Sobald unsere Entscheidung getroffen ist, wird es uns auch klar und bewusst sein, dass wir uns für einen Lebensweg, für eine Lebensgrundlage, entschieden haben. Da gibt es keinen Kompromiss. Das heißt, ich kann nicht mehr leben, als ob es mir egal wäre, was meinen Glauben betrifft. Ich soll Jesus wirklich Ja sagen und versuchen, in seinem Sinne zu leben.

Der Glaube bewirkt Spaltung. Wenn ich auf der Spur Jesu bleiben will, dann gilt es auch zu entscheiden, und zu unterscheiden, zwischen dem, was ich als richtig und dem, was ich als falsch empfinde. Nicht alles kann an meine Lebensgrundlage angepasst werden. Und, wenn es um das Heil und das Wohl der Menschen geht, gibt es ein Für und Wider. Das ist schon eine Spaltung. Diese Spaltung erfährt man nicht nur unter größeren Gruppierungen von Menschen, sondern auch auf kleinerer Ebene der menschlichen Beziehungen – wie z.B. in der Familie. Es gelingt nicht immer, dass  alle Familienmitglieder sogar Anhänger des gleichen Glaubens sind, oder dass sie die gleiche Lebensgrundlage haben. Ich erinnere mich an die Zwietracht, die zwischen mir und meinem Vater entstanden war, als ich ein Christ geworden bin. Nach meiner Taufe – im Alter von 14 Jahren wurde ich getauft – hatte ich mich geweigert, die rituellen religiösen Feiern der Naturreligion immer noch mitzufeiern. Meine ganze Familie war damals noch naturreligionsgläubig gewesen. Mein Vater hatte zu mir gesagt: "Wenn du dich für deinen eigenen Glaubensweg entscheidest, dann sollst du auch für deine Schulbildung sorgen." Das war für mich damals nicht lustig. Es war wie ein Kampf – Vater gegen Sohn. Mein Vater hat aber erkannt, wie ernst ich meinen neuen Glauben genommen habe. Und so hat er nach ein paar Monaten seine Aufgabe als Vater doch noch liebevoll übernommen. Letztendlich ist er zum Christentum konvertiert.

Liebe Brüder und Schwestern, das Feuer des Glaubens bewirkt Spaltung, da, wo es wirklich brennt. Aber Jesus lehrt uns auch, bei solchen Spaltungen in Liebe damit umzugehen. Wir sollen niemand unseren Glauben aufzwingen. Wir sollen versuchen, die anderen durch die Liebe für unseren Glauben zu gewinnen. Wenn uns das gelingt, sagen wir Gott Dank, wenn nicht, soll uns das auch kein Problem sein. Aber es wäre nicht in Ordnung, einen Kompromiss einzugehen, was unser Heil betrifft.



Evangelium vom 20. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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