Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 24. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Wenn wir nur die Barmherzigkeit und die Liebe Gottes verstanden hÀtten!

Die Geschichte der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen ist fast immer die Geschichte der Suche Gottes nach dem verlorenen Menschen. Schon im dritten Kapitel des ersten Buches der Bibel beginnt Gottes Suche nach dem verlorenen Menschen. Wir kennen diese Geschichte vom Fall des Menschen gut. Nach dem Fall „versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott, dem HERRN, inmitten der Bäume des Gartens. Aber Gott, der HERR, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. ...“ Seit dem Fall des Menschen wird diese Beziehung von Seiten der Menschen eine des bewussten bzw. unbewussten Versteckens vor Gott, und von Seiten Gottes eine der liebevollen Suche und Barmherzigkeit. Sie ist eine Geschichte vom liebevollen Sucher gegenüber seinen unbewusst Verlorenen.

Liebe Brüder und Schwestern, an dieser Geschichte erkennen wir Menschen unsere Unwissenheit gegenüber Gottes Liebe und Barmherzigkeit, doch dadurch wird diese unaufhörliche Liebe immer größer. Unsere Unwissenheit gegenüber Gottes Liebe zeigt sich auf vielerlei Art, wie wir in den heutigen Lesungen gehört haben. In der ersten Lesung wird geschildert, wie die Israeliten sich ein Kalb gossen und es als ihre Götter anbeteten. Sie erkannten nicht mehr die Liebe Gottes, der sie aus Ägypten heraufgeführt hatte. Trotzdem war Gott barmherzig gegenüber ihrer Unwissenheit und Sünde. In der zweiten Lesung erzählt der Hl. Paulus, wie Gott ihn für treu gehalten und in seinen Dienst genommen hat, obwohl er (Paulus) ihn (Gott) früher gelästert, verfolgt und verhöhnt hatte. Im Evangelium geht es auch um die verschiedenen Gruppen der Verlorenen; also dreierlei Weise, in denen die Menschen sich vor Gott verstecken, dreierlei Weise unserer Unwissenheit gegenüber der Liebe Gottes. Es gibt diejenigen, die die Existenz Gottes verleugnen. Für sie existiert überhaupt kein Gott. Sie meinen, ihr Leben könne ohne Beziehung mit Gott gelingen. Es ist aber eine Art von Unwissenheit gegenüber Gott und seiner Liebe. Wenn der Mensch Gott für nicht existent hält, verringert sein Unglaube die Liebe Gottes nicht, aber, weil er sein Herz Gott verschließt, versperrt er sich selbst dadurch die mögliche geistliche Entfaltung seines Lebens. In einem solchen Zustand seines Lebens wird man irgendwann die Leere erkennen, die das Los des Lebens ohne Gott und Sinn ist.

Des Weiteren gibt es diejenigen, die Gott kennengelernt haben, die ihn aber momentan als nutzlos in ihrem Leben ansehen. Wie der im heutigen Evangelium bekannte verlorene Sohn, haben sie sich von Gott und von ihrem Glauben an ihn getrennt. Sie denken, der Glaube an Gott lohne sich nicht. Wenn man das Glück hat – wie der verlorene Sohn – herauszufinden, dass das Leben nicht weitergeht, ohne die Hilfe und Gnade Gottes, kann man noch früh genug seinen Weg zurück zu Gott finden.

Und dann gibt es diejenigen, die im Glauben bleiben, aber die Kraft des Glaubens nicht erkennen. Sie denken – wie der ältere Bruder des verlorenen Sohnes –, dass sie Gott nahe sind. Aber sie erkennen nicht die Liebe Gottes und wissen nichts von seiner Gnade. Ihre Beziehung zu Gott wird von ihrer Unwissenheit begrenzt, so dass sie keine Wärme zeigt. Einfacher gesagt, sie sind mit ihrem Glauben unzufrieden. Sie denken, Gott wäre zu ihnen unfair.

Vielleicht bin ich von einer dieser Arten von Unwissenheit gegenüber der Liebe Gottes betroffen. Es gibt eine gute Nachricht für mich, und zwar, dass Gott voll Liebe und Barmherzigkeit nach mir sucht. Er wird niemals seine Suche nach mir, seine Suche nach meinem Herz, aufgeben. Wie wunderbar wäre es dann, wenn ich Schritte zu ihm zurück tun wollte! Wie schön wäre es, wenn ich seine Gnade durch das Sakrament der Beichte neu erhalten wollte!

Liebe Brüder und Schwestern, seitdem ich nach Deutschland gekommen bin, frage ich mich, warum gehen die Katholiken nicht zur Beichte? Warum hat das Sakrament der Beichte unter uns seinen Wert verloren? Hier in unserer Gemeinde zum Beispiel findet die Beichte fast jeden Samstag in der Kirche St. Andreas um 15.30 Uhr statt, aber manchmal kommt niemand innerhalb dieser Beichtstunde. Könnte es sein, dass ich mich vor Gott verstecke indem ich denke, ich kann jetzt alles besser sehen oder verstehen, oder sogar, ich habe nichts zu beichten, oder ich brauche die Gnade Gottes nicht, vor allem nicht durch den Priester? Bei meinen Schritten zurück zu Gott könnte ich die Beichte nötig haben. Wir bitten darum, dass Gott uns hilft zu verstehen, dass wir seine Barmherzigkeit brauchen, und, dass wir nichts ohne seine Gnade tun können.



Evangelium vom 24. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Das Doppelgleichnis vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Drachme und das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Lukas 15,1-32

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.

Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.

Ein junger Hirte bringt ein Schaf in die Gemeinschaft. Ein reumĂŒtiger Sohn weint an der Brust des Vaters.
Die Parabeln vom verlorenen Schaf und verlorenen Sohn
Wilhelm von Schadow

Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.

Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.

Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.

Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.

Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.

Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.

Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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