Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 25. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons

Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus entstand eine Debatte im Bereich ethischer Philosophie über den Maßstab für die Moralität des menschlichen Handelns. In dieser Debatte lautet eine der Stellungnahmen: „Der Zweck heiligt die Mittel“. Damit ist gemeint, dass, egal welche Mittel einer eingesetzt hat, sein Handeln moralisch als gut bewertet wird, sofern es einem guten Zweck gedient hat. Ich erinnere mich an diese ethische Debatte, weil das Evangelium, das wir heute gelesen haben, etwas in dieser Richtung anzudeuten scheint: „Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons“, sagt uns Jesus. Mit Hilfe des ungerechten Mammons uns Freunde zu machen, könnte gefährlich sein, wenn man das aus dem Kontext reißt, in dem Jesus dieses Wort gesprochen hat.

Also, man könnte denken, dass es Jesus egal ist, welches Mittel man zu Hilfe nimmt. Aber es steht außer Zweifel (so denke ich), dass Jesus beispielsweise das Handeln der Reichen nicht loben wird, die bewusst, und nur für ihre egoistischen Ziele, sich Geld durch unlautere Mittel beschaffen, geschweige denn das Handeln derjenigen gutheißt, die von den Massen Gelder erpressen, auch wenn sie dann einen Teil dieser Gelder wieder für „philanthropische“ Projekte, das heißt für 'mildtätige' Projekte, einsetzen. Vielleicht sind solche Vorgänge nicht bekannt in Europa, aber man weiß, dass in vielen afrikanischen Ländern manche Politiker reich werden durch die Veruntreuung von Geldern, die für die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder gegeben wurden. Aus diesem ungerechten Reichtum helfen sie dann den armen Leuten, die ihnen dafür Lob singen, oder sie übernehmen sogar ein paar „philanthropische“ Projekte für ihre Gesellschaften. Das ist ein gutes Beispiel für die ethische Aussage: „Der Zweck heiligt die Mittel“.  Wer aber ein Loch mit dem anderen stopft, hat sein Problem noch nicht gelöst. Jesus ist keinesfalls ein Befürworter dieser Aussage. Auch wenn er uns im heutigen Evangelium sagt: „Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons“.

In seiner Lehre, die in diesem Evangelium vorgetragen wird, geht es um die Notwendigkeit der Bekehrung. Es geht immer noch um das Thema „Bekehrung der Sünder und das immerwährende Erbarmen Gottes“, über das wir letzten Sonntag gesprochen haben. Betont wird im heutigen Evangelium, dass es keinen Grad von Sünde gibt, in dem die Bekehrung der Sünder nicht von Gott angenommen wird. Bekehrung ist nie zu spät, sofern man am Leben ist und die Gelegenheit noch hat, sich dafür zu entscheiden. Wenn man in seinem Leben durch ungerechten Mammon (Reichtum) reich geworden ist, hat man noch die Gelegenheit umzukehren. Bei der Umkehr ist es manchmal nicht möglich, manche Folgen unserer Sünde zurückzunehmen. Aber Gottes Erbarmen ermöglicht es uns, nach vorne zu blicken, um etwas Gutes zu tun, egal wie viel wir in der Vergangenheit gesündigt haben.

Liebe Brüder und Schwestern, das Problem ist eigentlich nicht, in unserem Leben ungerechten Mammon zu haben, das Problem ist, Gottes Ruf zur Umkehr abzulehnen. Aber wenn wir diesen Ruf gehört und angenommen haben, und uns bekehren lassen, kann unsere schlimme Vergangenheit unser Heil nicht verstopfen. Gott ist immer bereit, uns auf einem neuen richtigen Weg zu begleiten - wenn wir es wollen. Denken Sie nicht mehr, dass Sie für Gott oder für eine Begegnung mit Gott oder sogar für eine Gotteserfahrung nicht gut genug sind. Legen Sie Ihren ungerechten Mammon beiseite und geben Sie Gott eine Chance in Ihrem Leben, damit er etwas Gutes aus Ihrer ungerechten Vergangenheit macht. Machen Sie sich Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons! Aber das nicht ohne Bekehrung und Umkehr! Nur so kann unser Besitz nicht nur unser Leben, sondern das Leben der anderen um Bedeutung bereichern.



Evangelium vom 25. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Das Gleichnis vom Verwalter und der Ungerechtigkeit und vom Umgang mit Besitz

Lukas 16,1-13

In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.

Eine Frau naht sich einerĂŒbergroßen Statur, welche einen vollen Geldbeutet trĂ€gt.
Die Anbetung des Mammon
Evelyn de Morgan

Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib «fünfzig». Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib «achtzig». Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihres gleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht.

Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?

Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer wahres Eigentum geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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