Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt zum 29. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr: B

Es geht nicht darum, Plätze zu besitzen, sondern darum, dem Plan Gottes zu dienen

Wir leben in einer Welt, in der Ichbezogenheit den Vorrang hat. Anders gesagt, man hat dem „Ich“ die Priorität gegeben. Wir hören solche Slangs, wie z.B. „Amerika zuerst“. Gemäß dieser Denkweise ist alles in Ordnung, sofern es mir gut geht. Das heißt: es ist mir egal, was mit den anderen passiert. Diese Denkweise kann man an der Bitte erkennen, die Johannes und sein Bruder Jakobus an Jesus richten: „Meister,“ sagen sie, „lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen“ (Mk 10,35-37). Sie meinten, sie würden sich wohl fühlen, wenn sie die beiden besten Plätze besitzen könnten, egal, was mit den anderen Jüngern Jesu passiert wäre. Solche Ansicht mag in der weltlichen Gesellschaft sowohl damals als auch heute völlig in Ordnung sein. Also, in der weltlichen Denkweise sieht man kein Problem darin, dass man auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Selbstverteidigung und das Verfolgen eigener Vorteile und Vergünstigungen scheinen normal und harmlos.

Aber Jesus betrachtet das ganz anders. Er sagt uns: „Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein“ (Mk 10,43-44). Er hat Johannes und Jakobus geantwortet, dass es nicht darum geht, eigene und beste Plätze zu besitzen, sondern darum, den anderen zu dienen und damit den Plan Gottes zu erfüllen. Damit meint er, dass das, was wichtig ist und was wir verfolgen sollen, die Erfüllung des Planes Gottes in der Welt ist. Der Plan Gottes ist es, die Menschen zu retten. Genau das ist die Botschaft Jesu. In der heutigen ersten Lesung hören wir das, was über Jesus prophezeit wird: Durch ihn, der zerschlagene Knecht Gottes, an dem der Herr Gefallen fand, wird der Plan des Herrn gelingen (vgl. Jes 53,10-11). Das wurde im Leben Christi Jesu erfüllt und das durch die Revolution der Liebe, aus der Jesus sich für uns hingegeben hat.  Er ist der Knecht Gottes, der gekommen ist, nicht um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Wir, die wir an Jesus glauben, sind auch berufen, an dieser Botschaft der Liebe teilzunehmen.

Liebe Brüder und Schwestern, was Jesus uns lehren möchte, ist, dass die wahre Größe weder in der Position noch im Vermögen besteht, das man besitzt. Nach Jesus besteht die wahre Größe in der Botschaft der Liebe. Außerdem erkennt man diese Botschaft an den Diensten, die wir den anderen leisten, zur Erfüllung des Planes Gottes. Jeder von uns ist berufen, einen einzigartigen Dienst an den anderen zu leisten, indem wir nicht dem eigenem Vorteil – unserer Position oder unserem Verdienst, usw. –, sondern dem Wohl aller und dem Plan Gottes Priorität geben. Solange wir aus Angst vor dem möglichen Verlust eigener Vorteile die nötigen Dienste an den anderen, an der Welt oder an der Menschheit nicht tun, bringen wir die Zukunft der Menschheit in Gefahr, und insofern dienen wir nicht dem Plan Gottes. Wenn sich ein Ehepaar z.B. aus Angst, nur unzureichendes Geld für eine gute Altersversicherung zu haben, dazu entscheidet, kein Kind zu zeugen, gefährden sie die Zukunft der Menschheit. Wenn jeder von uns nur seine Vergünstigung oder seinen Vorteil im Blick hat, gefährden wir unsere gemeinsame Zukunft und dadurch verlieren wir alles, was wir verteidigen möchten und was wir für wichtig erachten.

Wir verteidigen unsere gemeinsame Zukunft als Menschen, indem wir einander dienen, selbst wenn es bedeutet, eigene Vorteile aufzugeben. Aber das kann man nicht tun, ohne dass man dafür von Jesus bekräftigt wird. Es braucht eine Revolution der Liebe, um unsere Welt, unsere Gesellschaft wieder in Ordnung zu bringen. Es braucht, sich selbst und die eigene Vergünstigung zu opfern, um unsere Zukunft zu sichern. Wir müssen einander dienen, selbst wenn wir dadurch eigene Vorteile verlieren oder aufgeben müssen. Wenn wir die eigene Vergünstigung verlieren und die gemeinsame Zukunft sichern, ist das kein Verlust. Denn das, was wir gewinnen, wird größer sein, als das, was wir verlieren. Das meint Jesus, wenn er uns sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24). Zu Jesus, der uns die Botschaft der Liebe aufgetragen hat und von dem die Kraft dazu kommt, richten wir unsere Augen voll Vertrauen. Wir bitten um die Gnade, diese Lehre nicht nur zu verstehen, sondern sie in unserem Leben umzusetzen. Amen.



Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr :

Vom Dienen und Herrschen

Mk 10,35-45

In jener Zeit traten Jakobus und Joh, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.

Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?

Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

Die Enthauptung des Heiligen Jakobus wird dargestellt.
Künstler: Stefan Lochner, Martyrium des Heiligen Jakobus
Der Heilige Joh überlebte Martyrium in siedendem Öl
Künstler: Stefan Lochner, Martyrium des Heiligen Joh

Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.

Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Joh.

Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
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Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276