Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 28. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Wo sind die ĂŒbrigen neun? Die Frage nach der Dankbarkeit (Lk 17,11-19)

Wie wir im heutigen Evangelium gehört haben, waren es zehn Aussätzige, die zu Jesus gekommen sind. Sie sind alle rein geworden, aber nur einer von ihnen kam zu Jesus zurück, um ihm zu danken. „Wo sind die übrigen neun?“ fragt Jesus. Das bedeutet, nur 10% der rein gewordenen Aussätzigen sind Jesus dankbar. Die anderen 90% legen keinen großen Wert auf Dankbarkeit. Sie sind schon weg. Diese Geschichte ist uns nicht unbekannt. Denn sie erinnert uns nicht nur an unseren Mangel an Dankbarkeit, sondern auch an den Mangel an dieser Tugend – Dankbarkeit.

Liebe Brüder und Schwestern, oft vergessen wir dankbar zu sein für das Gute, das wir besitzen. Oft konzentrieren wir uns nur auf das, was uns noch fehlt. Wir vergessen allzu oft, das zu schätzen, was wir haben, weil wir immer noch mehr haben wollen. Wenn wir nur an das denken, was uns noch fehlt, wenn wir das als selbstverständlich nehmen, was wir haben, und vergessen, dafür dankbar zu sein, kann es passieren, dass wir die weitere Entfaltung dessen, was wir geschenkt bekommen haben, mit der Zeit verloren geht. Es geht nicht um die Frage, ob wir einen Grund zur Dankbarkeit haben; denn wir haben viel bekommen. Wir besitzen viel Gutes, das wir schätzen und für das wir dankbar sein sollen. Ja, ich weiß, die Lebenssituationen werden oft erlebt, wie ein halbvolles Glas Wasser. Man erhält etwas, aber meine Wünsche werden nicht völlig erfüllt. Jeder von uns hat doch die Wahl, dankbar oder unzufrieden zu sein, wenn wir z.B. ein halbvolles Glas Wasser erhalten – entweder wir sind dankbar, weil wir das Wasser darin schätzen, obwohl das Glas nicht voll ist, oder wir sind unzufrieden, weil wir nur denken, wäre das Glas doch voll. Aber wer dankbar ist, gewinnt sogar mehr als er hat.

Es lohnt sich dankbar zu sein. Es gibt drei wichtige Dinge, die durch Dankbarkeit entstehen: Anerkennung, Erinnerung und Verbundenheit. Durch Dankbarkeit erkennen wir das Gute an, das wir bekommen haben. Dabei rufen wir sowohl den Geber als auch die Gabe in gute Erinnerung. Dadurch wächst die Verbundenheit nicht nur mit dem Geber, sondern auch mit der Gabe; die Verbundenheit, indem wir den tieferen Wert der Gabe erkennen; die Verbundenheit, in der die Gabe sich allmählich entfaltet; die Verbundenheit, die das Gefühl entfacht, mit der Gabe großzügig umzugehen und andere teilhaben zu lassen. All das, was aus unserer Dankbarkeit kommt, tut uns gut.

Es stimmt dann, dass Dankbarkeit ein Zeichen ist, dass wir das schätzen, was wir haben. Und je mehr wir das schätzen, was wir haben, umso tiefer wird unsere Verbundenheit mit dem Geber, desto mehr gewinnen wir das Vertrauen des Gebers, und desto fruchtbarer werden wir mit der Gabe sein. Also, Dankbarkeit führt nicht nur zur Vertiefung unserer Verbundenheit miteinander, sondern auch zur Fruchtbarkeit unserer Gaben. Dadurch entstehen Vertrauen, Zufriedenheit und Freude. Wie die Psychotherapeutin Doris Wolf schrieb: „Wenn wir uns bewusst daran erinnern, wofür wir dankbar sein können, dann macht sich ein tiefes Gefühl der Befriedigung, der Zufriedenheit und der Freude in uns breit.“ Damit bin ich einverstanden. Auch Gott erwartet von uns Dankbarkeit. Er fragt immer noch: „Wo sind die übrigen neun?“ Bin ich unter den übrigen neun?

Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns jetzt auf unser Leben einen Rückblick werfen. Lasst uns an das denken, was Marcus Cicero einst sagte: „Keine Schuld ist dringender als die, Dank zu sagen.“ Lasst uns Gott Dank sagen für all das, was er für uns getan hat, für all die Gnade, die wir von ihm bekommen haben. Lassen wir auch das Dankgefühl in uns blühen, für all das Gute, das wir durch unsere Mitmenschen erlebt haben - und immer noch erleben. Wem wollen wir jetzt noch Dank sagen? Lasst uns das in stille ins Gebet bringen.



Evangelium vom 28. Sonntag im Jahreskreis C im Lesejahr C:

Der dankbare Samariter

Lukas 17,11-19

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen
und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!

Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.

Ein Mann kniet verbeugt vor Jesus. Viele der Beteiligten schauen auf den Geheilten.
Dein Glaube hilft dir!
Jean Marie Melchior Doze

Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien.

Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm:

Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.









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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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