Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom Christkönigssonntag C

Jesus Christus, der König aller Könige: Was bedeutet das in meinem Leben?

Das Christkönigsfest, das wir heute feiern, das ursprünglich am 11. Dezember 1925 von Papst Pius XI. mit der Enzyklika „Quas primas“ anlässlich der 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nizäa eingeführt wurde, betont die wahre Königsherrschaft Christi. Diese Hervorhebung der Herrschaft Jesu Christi war damals besonders als ein Kampf gegen Säkularisierung und Laizismus gemeint. Die Augen zu richten auf Jesus Christus als den König der Könige in einer Zeit, in der die Monarchien in Europa zerfielen, lieferte den Menschen eine neue Hoffnung, dass es doch einen ewigen König gibt. Dieses Fest wird seit der Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils am 34. Sonntag im Jahreskreis – also am letzten Sonntag des Kirchenjahres – gefeiert. Wenn wir als Kirche am Ende des liturgischen Jahres dieses Fest feiern, nehmen wir die Herrschaft Jesu wahr als den Zusammenhang und den Schlussakkord des Jahres.

Man könnte sich allerdings fragen - angesichts einiges an Schlimmem, dass in diesem Jahr passiert ist -, was es eigentlich bedeutet, zu feiern, dass Jesus in dieser Kirche herrscht. Herrscht er überhaupt in seiner Kirche, trotz der Unruhe und der Verwirrung in ihr? Vielleicht zweifeln wir auch daran, dass er in unserem eigenen Leben herrscht. Eine Frau hat mich einmal gefragt, wo war Jesus, als mein Mann wegen einer unheilbaren Krankheit gestorben ist? Erkläre mir doch, warum Jesus sowas zugelassen hat! Vielleicht stellen wir uns auch ähnliche Fragen: Wo war Jesus, als ich meine Kinder durch Unglauben verloren habe, trotz all meiner Bemühungen und Eifer für Gott? Wo war Jesus, als ich meine Arbeit verlor? Wo war er, als meine Familie, meine Ehe zerfallen ist? Vielleicht auch, wo ist er jetzt, dass es mir oder meiner Familie, oder meinen Eltern, oder meinem Freund oder meiner Freundin nicht gut geht? Ist es wirklich wahr, dass Jesus herrscht, trotz all dieser schlimmen Situationen, die wir im Leben erfahren? Steht Jesus missbrauchten Frauen bei und beschützt Kinder vor väterlicher Gewalt?

Ja, Jesus ist der König der Könige. Er herrscht trotz all diesem. Woran erkennen wir seine Herrschaft? Jesus erklärt uns: „Meine Herrschaft ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Obwohl er über alle Geschöpfe die höchste und vollkommenste Macht besitzt, herrscht er nicht mit Zwang und Gewalt. Stattdessen herrscht er mit Liebe und Hingabe. In Jesus bringt Gott sich uns nahe. Durch ihn und mit ihm und in ihm erfahren wir die Liebe, aus der Gott uns geschaffen hat, die Liebe, die uns frei macht, die Liebe, die uns niemals entzogen werden kann, die Liebe, über die Paulus in seinem Brief an die Römer schreibt: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Gefahr oder Schwert? … in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,35-39)

Wir können diese Liebe besser wahrnehmen, wenn wir in eine persönliche Beziehung mit Jesus eintreten und ihm unsere Aufmerksamkeit schenken. Genau dann erleben wir, dass Gott der Einzige ist, der auch auf krummen Linien gerade schreibt. In Jesus Christus zeigt er uns, wie er das tut. Er konnte es vermeiden, dass sein Sohn leidet und stirbt. Er konnte z.B. Feuer vom Himmel senden, um die Soldaten zu verbrennen, die ihn gekreuzigt haben. All dies hat er aber nicht getan! Weil er uns Menschen nicht zwingen will, weil er dem Menschen nicht seine Freiheit, zu handeln wie der Mensch will, entziehen will, hat er all das zugelassen. Am Ende hat er seinen Sohn vom Tod auferweckt. Dadurch zeigt er seine Macht über den Tod. Gott herrscht über alles, indem er alle Dinge und alle Situationen – auch die menschlichen Fehler und Irrtümer und beunruhigenden Prozesse der Natur – zum Guten lenkt. Wie Paulus schreibt: „Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten.“ Die Herrschaft Jesu besteht nicht darin, dass er mit Gewalt alle Leiden oder alles Schlimme vermeidet, sondern darin, dass er alles zu unserem Guten lenkt. Das tut er aus seiner Liebe für uns. Wir dürfen deswegen auf ihn vertrauen, egal, was passiert. Er sagt uns: „Dies habe ich zu euch gesagt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33). Habt Mut, Ich habe die Welt besiegt!



Evangelium vom Christkönigssonntag C im Lesejahr A:








Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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