Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 3. Adventssonntag A

Sagt den Verzagten: Habt Mut! F√ľrchtet Euch nicht! Seht, hier ist Euer Gott

Heute, der 3. Adventssonntag, ist auch unter dem Namen „Gaudete“ (lateinisch „Freut Euch!“) bekannt. „Gaudete in Domino semper!“ – Freut euch im Herrn allezeit!“ heißt es im Eingangsgesang der heutigen Feier, ein Vers, der aus dem Philipperbrief stammt, der sagt: „Der Herr ist nahe, es dauert nicht mehr lange.“ Liebe Brüder und Schwestern, der Herr ist uns nahe! Das, was der Prophet Jesaja in der heutigen ersten Lesung verkündet hat: „Seht, hier ist Euer Gott!“ ist genau das, was uns die Freude bereiten soll: Unser Gott ist uns nahe! Wir sollen natürlich nicht vergessen, dass es in der Adventszeit um das Kommen unseres Herrn geht. Wenn wir wirklich mit ihm verbunden sind, der uns so sehr liebt, dass er bereit ist, sein Leben für uns zu geben, und wir seine Liebe zu uns erfahren, dann können wir uns eigentlich nur freuen. Es gibt aber einiges, das uns diese Verbundenheit erschwert.

Am letzten Sonntag haben die Lesungen – besonders die Umkehrpredigt des Johannes des Täufers – uns an eins dieser Dinge erinnert, und zwar die Sünde, die dem Herrn unser Herz versperrt. Die heutigen Lesungen erwähnen die zweite Ursache – Der Verlust des Mutes, eine Situation, in der man sich fürchtet. Man verliert den Mut in einer bestimmten Situation, die man als so erdrückend einschätzt, dass man denkt, alles Bemühen mache keinen Sinn mehr. Dann fürchtet man sich vor der Situation. Ich frage mich „Wo habe ich den Sinn verloren?“ „Welche Situation in meinem Leben hat mir den Mut genommen?“ „Wovor fürchte ich mich?“ Sinn oder Mut oder sogar Kraft zu verlieren, Furcht zu haben vor etwas: all das sind oft Zeichen, dass ich Gott irgendwie aus den Augen verloren habe. Den Herrn aus den Augen verloren - überlege ich meine Situation und empfinde sie als erdrückend, ohne dass ich in meiner Überlegung die Hilfe Gottes und seinen Beistand miteinbeziehe.

Liebe Brüder und Schwestern, Gott ist uns sehr nahe. Darüber sollten wir uns eigentlich freuen. Das Problem ist nur, dass wir ihn oft aus den Augen verlieren. Dann vertrauen wir unserer eigenen Kraft und verlassen uns auf unsere eigene Vorstellung unserer Situation. Wer aber nur durch seine eigene Vorstellung die Welt und seine Situation ansieht, und nur mit seiner eigenen Kraft sein Leben sinnvoll und erfüllend machen will, der erlebt früher oder später die Enttäuschung, die Entmutigung und die Frustration, die mit einer solcher Haltung einhergeht. Johannes der Täufer hat wohl so eine Entmutigung erlebt. Er sitzt im Gefängnis, weil er Herodes wegen seiner illegitimen Heirat Vorhaltungen gemacht hat. In seiner Umkehrpredigt hat er vor dem kommenden Gericht gewarnt. Seiner Vorstellung nach sollte dieses Endgericht bereits mit dem Kommen Jesu beginnen. Es kam aber nicht. Jesus griff auch nicht ein. Stattdessen kam er mit der Botschaft der Liebe. Er verkündete das Erbarmen Gottes, ließ sich von Sündern einladen, fastete nicht, ging im schönen, blühenden Galiläa als Rabbi umher, mied die Salzwüste, er donnerte nicht, trat sanft auf, heilte und hob Menschen aus ihrer Not, folgte der Spur der Herzen der Menschen. Deswegen wurde Johannes von Enttäuschung und Entmutigung gepackt. Er schickte Boten zu Jesus, um zu fragen: „Bist Du es, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Und was hat Jesus als Antwort gegeben?

„Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.“ Was bedeutet diese Antwort? Jesus sagt Johannes: Ich tue alles, was ich tun soll. Ich bin Gott und kann nicht völlig nach menschlichen Vorstellungen und Erwartungen, die man an mich hat, angepasst werden. Ich halte den Maßstab, mit der ich die Gerechtigkeit messe, und zwar meine Liebe. Ich tue das bereits, was der Prophet Jesaja über mich verkündet hat: „Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Habt Mut! Fürchtet Euch nicht! Seht, hier ist Euer Gott!“

Liebe Brüder und Schwestern, unser Gott ist uns nahe. Jesus ist uns nahe. Wir sollen uns unsere Sicht nicht versperren lassen durch falsche Vorstellungen oder durch das Vertrauen auf die eigene Kraft. Er möchte, dass wir auf Ihn unsere Augen richten, damit wir seine Liebe erfahren, an seiner Botschaft der Liebe mitwirken und uns allezeit in Ihm freuen.



Evangelium vom 3. Adventssonntag A im Lesejahr A:

Die Frage des T√§ufers - Jesu Antwort und Zeugnis √ľber ihn

Matthäus 11,2-11

In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?

Johannes kniet und betet. Vor ihm steht ein Lamm. Auf dem Boden liegt eine Schriftrolle.
... kehrt um und glaubt!
Maler: Mattia Preti






Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?
Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.

Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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