Auswahl der Predigten von Pater Ezekiel Oko


Predigt vom 7. Sonntag der Osterzeit A Lesejahr: A

Vater, ich habe dich verherrlicht

Am Ende seines Werks auf der Erde betet Jesus, „Vater, ich habe dich auf der Erde verherrlicht, verherrliche deinen Sohn“. "Weißt Du, was das bedeutet? Das bedeutet, ich habe meine Aufgabe in der Welt erkannt und angenommen und habe nur für Dich gelebt. Alles, was ich auf der Erde getan habe, habe ich zu deiner Ehre und Verherrlichung getan, aber dadurch habe ich mich auch um alle, die du mir gegeben hast, gekümmert." Liebe Brüder und Schwestern, in diesem Abschiedsgebet Jesu lässt sich erkennen, wie Er die dreidimensionale Beziehung des „Wozu“ seines Lebens definiert hat:

  1. Die Beziehung zu seinem Vater, die Verbundenheit, in der Er lebte und handelte. Er bekommt seine Verherrlichung vom Vater. Diese Beziehung ist Ihm alles. Für sie hat Er gelebt, indem Er den Menschen, die Ihm gegeben wurden, den Namen seines Vaters offenbart hat.
  2. Die Beziehung zu allen, die ihm gegeben wurden und immer noch werden. Er schenkt ihnen ewiges Leben. In diesem Gebet hat er ausgesagt, dass Er für diese Aufgabe gelebt hat, die ganz in der Verherrlichung seines Vaters bestand.
  3. Die Beziehung zu sich selbst. Das Erkennen seiner Identität. Jesus wusste, wer Er ist, als Er als ein Mensch in diese Welt kam. Er wusste, dass der Ursprung seiner Identität die Verbundenheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist ist. Er wusste, dass alles, was Er hatte und hat, Ihm vom Vater gegeben wurde.

An dieser dreidimensionalen Beziehung, die das Leben Jesu ausgemacht hat, erkennen wir, wer Er ist und was Er für uns getan hat. Darüber hinaus erkennen wir daran ein Beispiel, dem wir folgen dürfen. Jedes Jahr gehen wir einen Weg mit Jesus, der uns Ihm immer ähnlicher machen soll, Also einen Weg, der am Aschermittwoch beginnt und mit Ostern seinen höchsten Punkt erreicht. Er beginnt mit den drei Aktivitäten der Fastenzeit: dem Beten, dem Almosengeben und dem Fasten. Vierzig Tage hindurch vor Ostern (also in der Fastenzeit) und vierzig Tage hindurch nach Ostern (in der Osterzeit) sollen wir mit Jesus diesen Weg gehen. Er ist der Weg des Beziehungsaufbaus. Diesen Weg sind wir dieses Jahr mit Ihm gegangen, trotz der Corona-Krise. Am Ende sagt Jesus zu seinem Vater: „Vater, ich habe dich verherrlicht, verherrliche deinen Sohn.“

Und wir? Was sagen wir? Wir haben noch einen Schritt zu gehen. Denn wir befinden uns immer noch in Verwirrung über diese dreidimensionale Beziehung. Ich frage mich, wer ist Gott für mich und wie wichtig ist Er eigentlich in meinem Leben? Ist es mir überhaupt bewusst, dass Er der Ursprung meines Lebens ist, der nicht nur an einigen Stellen meines Lebens auftaucht, sondern der immer die Hauptsache ist? Wenn wir Gott seine Ehre nicht geben, dann geht alles durcheinander.

Ich beschäftige mich in meinem Philosophie-Studium mit dem Deutschen Idealismus, der unsere Gesellschaft für ein paar Jahrhunderte geprägt hat. Ein Teil dieser Ideologie (oder Lehre) behauptet, dass Gott einem bloßen moralischen Gesetz gleiche. Dieses Gesetz erkenne jeder Mensch in sich selbst. Somit brauche der Mensch keine äußerliche Autorität, die sein Wesen und Handeln bestimmen solle. Diejenigen, die an dieser Ideologie bewusst oder unbewusst festhalten, glauben, alles in ihrem Leben bestimmen zu können. Sie glauben, sie können alles in ihrem Leben selber entscheiden. Sie haben ihren Willen und ihr Gefühl zu ihrem Gott gemacht. Aber wenn der Mensch den Blick nur auf sich selbst richtet, verliert er die Bedeutung seines Lebens schnell, besonders dann, wenn es ihm nicht gelingt, seinen Willen und seine Bestimmung zu erreichen oder zu erfüllen. Da viele Menschen ihr Vertrauen auf sich selbst setzen und nicht mehr an das Leben über den Tod hinaus glauben, verlieren sie schnell die Orientierung und damit die Freude am Leben.

Aber Jesus lehrt uns: die wahre Identität des Menschen kommt von Gott, und nur in der wahren Beziehung mit Ihm können wir auf der Erde optimal leben. Optimal leben bedeutet, zur Ehre Gottes zu leben und alles zu bewahren und zu pflegen, was Er uns gibt. An dieser Beziehung mit Gott erkennen wir auch uns selbst und unsere Aufgabe. Wenn wir unser Leben auf Gott beziehen, ich meine nicht den Gott des Idealismus oder den Gott, der einem bloßen moralischen Gesetz gleicht, sondern den Gott, der den Menschen erschaffen hat und den Menschen am Ende seines Lebens verherrlichen will. Ich meine den Gott, zu dem wir – wie Jesus – persönlich beten dürfen, Den Gott, der uns den Heiligen Geist schenkt, weil Er weiß, wie schwierig es für uns wäre, ohne seine Hilfe zu leben. Lasst uns auf diesen Gott vertrauen und zu Ihm persönlich beten.



Evangelium vom 7. Sonntag der Osterzeit A im Lesejahr :

Das Gebet Jesu f├╝r seine J├╝nger

Joh 17,1-11

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht ├╝ber alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.

Eine breite Br├╝cke f├╝hrt ├╝ber eine Autobahn ├╝ber die Bibel in den Himmel
Javier C. Acosta, by Fotolia

Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende gef├╝hrt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie geh├Ârten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

F├╝r sie bitte ich; nicht f├╝r die Welt bitte ich, sondern f├╝r alle, die du mir gegeben hast; denn sie geh├Âren dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.

Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.





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Kommentare zu diesen Evangelium:
Es sind blinde Blindenf├╝hrer, Origenes (um 185-253)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, Hl. Johannes Paul II. (1920-2005)
Das in Wein verwandelte Wasser, Hl. Augustinus (354-430)
Jesus verlie├č Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, 276

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